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Startseite»Nachrichten»Skurrile „Tatort“-Kulisse?: Demenzdörfer gibt es wirklich
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Skurrile „Tatort“-Kulisse?: Demenzdörfer gibt es wirklich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 13, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Skurrile „Tatort“-Kulisse?Demenzdörfer gibt es wirklich

13.09.2026, 21:49 Uhr Von Julian Vetten
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Gustav König (Thomas Thieme) gilt im Demenzdorf als Hauptverdächtiger – ansprechbar ist er kaum noch. (Foto: NDR/Frizzi Kurkhaus)

Das „Demenzdorf“ Kleinhude aus dem neuen Lindholm-„Tatort“ mag auf den ersten Blick wie eine wilde Fantasie des Drehbuchautors wirken, hat aber tatsächliche Vorbilder in der echten Welt. Allerdings nicht allzu viele – und das hat wie so oft mit dem schnöden Mammon zu tun.

In Kleinhude leben Demenzkranke in einer eigens für sie gebauten kleinen Welt: mit vertrauten Straßen, Läden und einem geregelten Alltag, der ihnen so viel Normalität wie möglich zurückgeben soll. Hier spürt Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) im neuen Tatort „König in Gelb“ einem demenzkranken Serienmörder hinterher – mit erwartbaren Schwierigkeiten bei dem Versuch, den Bewohnern belastbare Informationen zu entlocken.

Die Protagonisten sprechen im Film permanent vom „Demenzdorf“, was beim ersten Hören wie eine filmisch bewusst zu dick aufgetragene Marketingformulierung klingt. Tatsächlich aber nennen sich die realen Projekte, die dem „Tatort“ als Vorbilder dienen, in ihrer Selbstbezeichnung ganz genau so. Zum Beispiel De Hogeweyk im niederländischen Weesp bei Amsterdam, dem ersten Demenzdorf seiner Art: Seit bald 20 Jahren leben dort rund 150 Pflegebedürftige, die von weit mehr als doppelt so vielen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen betreut werden. Supermarkt, Café, Friseur, Theater: Menschen mit schwerer Demenz soll dort eine Welt geboten werden, die sie verstehen – ein normaler Alltag im eigenen Zuhause.

Deutschland tut sich schwer

Hierzulande wurden bislang nur eine Handvoll Projekte dieser Art tatsächlich umgesetzt. „Tönebön am See“ bei Hameln gilt seit seiner Eröffnung 2014 als erstes deutsches Demenzdorf, ausgelegt für 52 Bewohner. 2016 folgte das AWO-Seniorenzentrum Süssendell bei Stolberg mit 80 Plätzen. Das „Ahorn-Karree“ in Hilden, geplant für 108 Bewohner, verzögerte sich dagegen jahrelang wegen Bauplanungsfragen – der Einzug gelang erst im Mai 2023.

Das Gros der Projekte geht indes den Weg des rheinland-pfälzischen Alzey: Vier Jahre lang plante ein Investor dort ein Stadtquartier für 120 Demenzkranke, 13 bis 14 Millionen Euro schwer. 2015 war endgültig Schluss – der Landkreis fürchtete, als Sozialhilfeträger auf zusätzlichen Kosten sitzenzubleiben, sollten Betroffene aus anderen Kommunen zuziehen. Der Investor zog sich zurück, das Grundstück blieb ungenutzt.

Und selbst dort, wo ein Demenzdorf am Ende tatsächlich steht, ist das Konzept nicht unumstritten: Kritiker sprechen von einer eingezäunten Freiheit – die kulissenhafte Normalität berge die Gefahr, Bewohnern eine Illusion vorzugaukeln, statt echte Selbstbestimmung zu ermöglichen. In Leipzig-Thekla sollte deshalb ein neues, offeneres Modell entstehen: Der Baubeginn war ursprünglich für 2025 geplant, seit Februar dieses Jahr liegt das Projekt allerdings auf Eis und wird höchstwahrscheinlich ebenfalls aus Kostengründen nicht mehr umgesetzt – es wäre noch teurer geworden als die ohnehin schon teuren „normalen“ D-Dörfer.

8000 Euro Eigenanteil pro Monat

Geld ist ohnehin der entscheidende Faktor bei der Betreuung von Demenzkranken: Selbst bei herkömmlicher Pflege ist ein happiger Eigenanteil von bis zu 4500 Euro pro Monat üblich. „Die soziale Ungleichheit fängt also schon bei einer ganz normalen Einrichtung an“, sagt Stefanie Klinowski von der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V. „Wenn man dann in einer speziellen Demenz-WG leben möchte, steigt der Eigenteil auf 5000 bis 8000 Euro, je nach Verlauf der Erkrankung. Wer kann sich das leisten?“, fragt Klinowski, die auch den „Tatort“-Machern bei ihrem Film beratend zur Seite stand. Die Antwort aus „König in Gelb“, minimal verkürzt wiedergegeben: sehr wohlhabende Menschen mit tendenziell mörderischer Vergangenheit.

Quelle: ntv.de

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