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Startseite»Nachrichten»Berlin zieht Bewerbung zurück: Wegner macht Linke für Olympia-Entscheidung verantwortlich
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Berlin zieht Bewerbung zurück: Wegner macht Linke für Olympia-Entscheidung verantwortlich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Berlin zieht Bewerbung zurückWegner macht Linke für Olympia-Entscheidung verantwortlich

„Heute ist ein trauriger Tag für Berlin“, sagt der Regierende Bürgermeister Kai Wegner. (Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

Jetzt ist es offiziell: Berlin zieht sich aus dem Rennen um den Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele zurück. Einen Sündenbock hat der Regierende Bürgermeister Wegner längst gefunden.

Berlin hat seine Olympia-Bewerbung zwei Tage vor der Entscheidung über den deutschen Kandidaten zurückgezogen. „Heute ist ein trauriger Tag für Berlin. Olympische und Paralympische Spiele wären eine Riesenchance für Berlin und für Ostdeutschland gewesen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Schon am Mittwoch waren die Rückzugspläne bekanntgeworden.

Die Metropole wollte sich mit dem Konzept „Berlin+“ gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Berlin galt vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) am kommenden Samstag hinter München und Köln-Rhein-Ruhr aber nur noch als Außenseiter. Für die Kosten der Bewerbung hatte die Hauptstadt bis 2027 bis zu sechs Millionen Euro eingeplant.

DOSB-Präsident Thomas Weikert zollte den Berlinern Respekt für ihren Entschluss. Es sei „ein großes Zeichen von Fairness und Respekt. Es unterstreicht, dass es den Verantwortlichen in der Hauptstadt vor allem darum geht, die Spiele endlich wieder nach Deutschland zu holen. Unabhängig vom Austragungsort“, sagte Weikert.

Eralp soll Schuld sein

Das Scheitern hat zahlreiche Gründe. Allerdings machte Wegner die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp für den Schritt verantwortlich. Nachdem Eralp öffentlich gesagt habe, dass sich die Bewerbung von Berlin erledigt habe, hätten ihm Vertreter von Spitzensportverbänden „klar signalisiert“, dass die Stadt keine Chancen mehr habe, so Wegner. Berlin sei eine „Riesenchance“ genommen worden.

Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde der schwarz-rote Senat, der die Pläne vorangetrieben hatte, abgewählt. Wahlsiegerin Eralp, die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, ist Olympia-Gegnerin und hatte bereits den Bewerbungsprozess samt Kosten kritisiert. Die 45-Jährige meinte, die Berliner hätten bei der Wahl auch gegen Olympia gestimmt. Auch die Grünen, die voraussichtlich Teil einer Regierung werden, lehnen die Pläne ab. Beide Parteien argumentieren, dass Berlin das Geld an anderen Stellen dringender brauche.

Eralps Aussagen sorgten unter den Olympia-Befürwortern für großen Ärger. Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand warf der Politikerin vor, dass sie „innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt hat, dadurch eine enorme Verunsicherung unter die Verbände gebracht hat, damit auch absolut unsere Chancen richtig verringert hat“. Auch ein Gesprächsangebot habe sie abgelehnt.

Linke war nicht der einzige Grund

Die Probleme der Bewerbung begannen aber nicht mit den Aussagen der Politikerin, die waren eher der letzte Punkt, der sie zum Einsturz brachte. Dass die DOSB-Entscheidung so kurz nach der Wahl angesetzt wurde, war schon vorher als Nachteil für Berlin angesehen worden.

Auch die Prüfer des DOSB stellten dem Berliner Olympia-Projekt am Dienstag ein schlechteres Zeugnis als der Konkurrenz aus. Münchens Vorschlag erhielt vom DOSB in einer Bewertungsmatrix 87 von 100 möglichen Punkten, Köln-Rhein-Ruhr bekam 85 – beide erhielten damit die Bewertung „sehr gut“. Berlin erreichte 74,6 Zähler, das reichte für die Note „gut“.

Anders als in München und Nordrhein-Westfalen verzichtete die Hauptstadt auf einen Bürgerentscheid. Zwar votierte das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung – allerdings noch unter der schwarz-roten Koalition. So wurde auch die Abgeordnetenhauswahl zunächst als Stellvertreter-Referendum angesehen. Das Thema spielte im Wahlkampf aber so gut wie keine Rolle.

Dazu wollten die Olympia-Gegner in der Hauptstadt ein Volksbegehren gegen die Bewerbung herbeiführen. Sie hielten unter anderem die Prognosen des Senats für unrealistisch, dass die Spiele auch viele Investitionen in den Breitensport und langfristig positive wirtschaftliche Effekte bringen würden.

Alle diese Punkte machten einen Zuschlag für Berlin zu einem großen Risiko, auch wenn die Stadt etwa bei der internationalen Strahlkraft vor den beiden Rivalen lag. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB entscheidet am Samstag in Baden-Baden, ob München oder Köln-Rhein-Ruhr als deutscher Bewerber ins Olympia-Rennen geht.

Quelle: ntv.de, nbr/dpa/AFP

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