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Startseite»Nachrichten»Raffinerien sind das Problem: Der Dieselmarkt wird sich so schnell nicht erholen
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Raffinerien sind das Problem: Der Dieselmarkt wird sich so schnell nicht erholen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Raffinerien sind das ProblemDer Dieselmarkt wird sich so schnell nicht erholen

16.09.2026, 15:27 Uhr Von Lukas Wessling
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Mit günstigem Diesel können Autofahrer in Deutschland in nächster Zeit nicht rechnen. (Foto: picture alliance / Snowfield Photography)

Zu Beginn des Jahres trieb vor allem die knappe Versorgung mit Rohöl die Spritpreise. Mittlerweile sind knappe Raffinerie-Kapazitäten mindestens Teil des Problems. Die Lage hat sich damit verkompliziert.

Tanken ist in Deutschland teuer wie nie: Die Benzinpreise stellten in den vergangenen Tagen neue Rekorde auf, auch der Preis für Diesel hat ein neues Allzeithoch erreicht. Während Anfang des Jahres noch der Iran-Krieg vor allem das Rohöl verknappte, hat sich mittlerweile ein zweiter Preistreiber etabliert: Raffinerie-Kapazitäten fallen aus. Dieser Faktor könnte hartnäckiger sein als die hohen Rohölpreise und seine Wucht an den Tankstellen erst noch entfalten.

Denn Rohöl allein macht noch keinen Kraftstoff. Es muss in Raffinerien zu Diesel, Benzin oder Kerosin verarbeitet werden. Genau dort aber sind derzeit die Kapazitäten knapp. Die Internationale Energieagentur IEA meldet, Raffinerien in Europa und Nordamerika verdienten derzeit so gut wie nie, vor allem bei Diesel. Dahinter stehen massive Ausfälle ausgerechnet in zwei Regionen, die für den weltweiten Dieselhandel entscheidend sind: Russland und der Persische Golf.

Aus den Golfstaaten wurden demnach im August nur noch rund 390.000 Barrel Diesel und Gasöl pro Tag exportiert – etwas mehr als ein Viertel der Menge, die vor dem Iran-Krieg geliefert worden war. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe zahlreiche russische Raffinerien beschädigt und dort die Exporte gedrückt.

Zusammen lieferten Russland und die Golfstaaten im August laut IEA täglich rund 1,6 Millionen Barrel Diesel und Gasöl weniger als im Februar. Gasöl ist ein Vorprodukt für Diesel und Kerosin. Vor dem Krieg entfielen auf beide Regionen zusammen fast 45 Prozent des weltweiten seegestützten Handels mit diesen Kraftstoffen.

„Dieselmärkte härter getroffen“

„Die Dieselmärkte sind härter getroffen worden als die Rohölmärkte“, sagt David Fyfe, Chefökonom der Preisberichtsagentur Argus Media. Nicht nur Lieferungen aus dem Nahen Osten und Russland seien zurückgegangen. Auch China halte Diesel zurück, um den eigenen Markt ausreichend zu versorgen. Die Exporte dieser drei großen Lieferanten seien zusammen um rund 60 Prozent beziehungsweise 1,5 bis 2 Millionen Barrel täglich gefallen.

Raffinerien anderswo versuchten gegenzusteuern, sagt Fyfe ntv.de. In den USA, Europa, Indien oder Nigeria sei die Dieselproduktion erhöht worden. Doch das habe Grenzen. Laut Fyfe fehlt dafür unter anderem geeignetes, dieselreiches Rohöl aus dem Nahen Osten.

An deutschen Tankstellen macht sich dieser Engpass bisher nicht in vollem Umfang bemerkbar, betrachtet man die Preisentwicklung seit Anfang des Iran-Kriegs: Die Preise für Benzin und Diesel stiegen in diesem Zeitraum etwa in dem Maß, in dem auch Rohöl sich verteuerte – um rund 40 Prozent. Beim Benzin sind es sogar nur gut 30 Prozent. Verträge für kurzfristig zu liefernde Diesel-Vorprodukte hingegen sind an den Terminbörsen derzeit mehr als doppelt so teuer wie noch zu Jahresbeginn, werden allerdings Richtung Winter wieder günstiger.

Der ADAC hält die aktuellen Spritpreise an den Tankstellen dennoch für ungerechtfertigt hoch. Der Verein weist daraufhin, dass der Rohölpreis noch ein gutes Stück von seinem Rekord im Frühjahr entfernt ist und Benzin an deutschen Tankstellen dennoch so teuer ist wie noch nie.

Im besten Fall für die deutschen Verbraucher spiegeln die erhitzten Terminmärkte geopolitische Unruhen wider, die sich in der Folge aber nicht bis zur Zapfsäule durchschlagen. Etwa, weil es ausreichend Puffer gibt. Argus-Expertin Sarah Raffoul etwa rechnet nicht mit einer unmittelbaren Dieselknappheit. Alternative Lieferanten, höhere Raffinerieauslastung und der Rückgriff auf Vorräte hätten bislang verhindert, dass Tankstellen tatsächlich trockenfallen.

„Dieselpreise dürften noch Monate hoch bleiben“

Dadurch aber würde der Markt anfälliger, so Raffoul: Weitere Raffinerieausfälle, Probleme auf wichtigen Schifffahrtsrouten oder eine unerwartet hohe Nachfrage träfen inzwischen auf einen Markt, der bereits Reserven aufgebraucht hat. Schlimmstenfalls bekämen das die Menschen in Deutschland irgendwann direkt an der Zapfsäule zu spüren. Der Tankstellen-Interessenverband hält inzwischen sogar Preise um drei Euro je Liter für möglich.

Zudem dürften die Engpässe bei der Verarbeitung von Rohöl sich hartnäckiger halten als die Problematik der gestörten Handelsrouten. Sollte der Iran-Krieg enden und die Straße von Hormus wieder befahrbar sein, könnten die Dieselpreise zunächst etwa nachgeben, glaubt Fyfe. Niedrige Exportmengen aus Russland und China sowie die Unsicherheit darüber, wie schnell die Raffinerien im Nahen Osten wieder hochfahren können, dürften Diesel aber weiter teuer halten. Hinzu kommen im Herbst geplante Wartungsarbeiten an Raffinerien in Europa und den USA. „Die Dieselpreise dürften deshalb noch einige Monate auf relativ hohem Niveau bleiben“, warnt der Ökonom.

Öl-Analystin Raffoul rechnet damit, dass sich die Exporte raffinierter Kraftstoffe aus dem Persischen Golf über die kommenden drei bis vier Monate erholen. Besonders schwer betroffene Anlagen könnten aber erheblich länger benötigen.

Quelle: ntv.de

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