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Startseite»Nachrichten»„Der Fußball macht’s vor“: Umstrittene WM-Pläne mischen den Skisport auf
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„Der Fußball macht’s vor“: Umstrittene WM-Pläne mischen den Skisport auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Der Fußball macht’s vor“

Umstrittene WM-Pläne mischen den Skisport auf

Der Ski-Weltverband möchte unter seinem neuen Präsidenten häufiger Weltmeisterschaften austragen. Von den mächtigen Playern der Branche gibt es mehr Kontra als erwartet.

Von Intrigen, Machtspielen und sportpolitischen Winkelzügen wie bei der FIFA ist der Ski-Weltverband Fis zwar weit weg. Und auch Alexander Ospelt als Neu-Präsident gilt bisher nicht als Gianni Infantino des Wintersports. Und doch hat Ospelt, der erst im Juni in einer denkbar knappen Abstimmung den umstrittenen Amtsinhaber Johan Eliasch ablöste, mit der angedachten Kalender-Revolution für Kontroversen gesorgt und polarisiert.

Der Plan seiner Fis: Im alpinen und im nordischen Skisport sowie im Snowboard- und Freestyle-Bereich könnten künftig in jedem Nicht-Olympia-Jahr statt wie bislang nur in allen ungeraden Jahren Weltmeisterschaften stattfinden.

Neue Chancen für China und Südkorea?

Konkret: 2032 und 2036, vielleicht sogar schon kurzfristig 2028 würde es zusätzliche und bislang nicht eingeplante Titelkämpfe geben. „Der WM-Titel bedeutet für Athleten auch finanziell sehr viel. Die Gespräche gab es schon lang, wir würden das jedenfalls zugunsten der Athleten machen. Gleichzeitig geht es auch um kleinere Länder, die mit einer WM mehr neue Ziele hätten“, begründete Ospelt – ein Anwalt aus Liechtenstein. Er nannte China, Japan und Südkorea als Beispiele für mögliche Ausrichter.

Ospelts Plan erinnert ein wenig an Eliaschs Idee der Fis-Games, der in just jenen Jahren (2028, 2032, 2036) alle Sportarten des Weltverbands bei einer Art Mini-Olympia bündeln wollte. Das neue Vorhaben geht aber von verschiedenen Austragungsorten aus. Womit die Fis offenbar nicht rechnete: Athleten, Ex-Athleten und Verbände reagierten kritisch und zurückhaltend auf die Vorschläge und die Art, wie die Fis diese präsentierte.

Österreichs Skiverband in der Opposition

„Wir waren schon etwas erstaunt, dass hier offenbar bereits eine grundsätzliche Richtung vorgegeben wurde“, sagte Stefan Schwarzbach als Vorstandsmitglied des Deutschen Skiverbands (DSV) auf dpa-Anfrage. „Bei einer so weitreichenden Veränderung wäre es aus unserer Sicht vielleicht nicht ganz verkehrt gewesen, die nationalen Verbände in ihrer Rolle und Verantwortung als potenzielle Veranstalter noch intensiver einzubeziehen.“

Österreichs Skiverband, der aufgrund zahlreicher potenzieller Austragungsorte als einflussreich und bedeutend gilt, ging gar in die Opposition. Der Plan sei „aus sportlicher und strategischer Sicht nicht sinnvoll“, hieß es vom ÖSV. Als Gründe nannte der Verband „Inflationierung“ und „schleichende Entwertung des sportlichen Stellenwerts“ einer WM. Auch deshalb kam es vergangene Woche in Innsbruck zu einem Treffen von Weltverband und ÖSV.

Möglicher Termin Anfang Februar

In anderen Wintersportarten ist diese Inflationierung bereits zu beobachten. So wird im Eishockey jedes Jahr, auch in Olympia-Jahren, ein Weltmeister gesucht. Beim Biathlon-Weltverband IBU ist der Rhythmus bereits so, wie ihn die Fis künftig plant. „Fast alles, was es zu oft gibt, ist schlecht“, sagte Alpin-Olympiasieger Beat Feuz dem Schweizer „Blick“.

„Der Fußball macht’s vor: Alle zwei Jahre eine WM oder eine EM, dann schauen auch diese Leute hin, die sich sonst nicht interessieren. Es ist viel exklusiver“, fügte Feuz an. Präsident Ospelt begrüßte die offene Debatte über den bislang nicht beschlossenen Plan. Er wolle nichts falsch machen und „alle in die neue Diskussion einbeziehen“. Ziel sei ein konstanter und langfristiger Weltcup-Kalender „mit einer Anfang Februar fix integrierten WM“, sagte der Präsident.

Deutscher Verband will „keine Blockade“

Selbstverständlich würde Deutschland als potenzieller Gastgeber von großen Events eine wichtige Rolle zufallen. „Eine höhere Frequenz darf am Ende nicht dazu führen, dass der sportliche Wert und damit auch die Bedeutung eines WM-Titels verwässert werden“, sagte Schwarzbach. Beim Biathlon führe man diese Debatte derzeit genau andersherum – ob es nicht Sinn mache, nur alle zwei Jahren eine WM zu veranstalten statt in drei von vier Jahren.

„Unser Ziel ist ausdrücklich keine Blockade. Aber wir müssen vermeiden, dass eine gut gemeinte Veränderung des WM-Zyklus am Ende mehr schadet als nutzt. Deshalb braucht es eine gemeinsame Lösung, die dem Sport, den Athleten und auch den Veranstaltern nachhaltig einen Mehrwert bringt“, betonte Schwarzbach. Was für die Fis wirtschaftlich interessant sei, sei nicht zwangsläufig auch für die nationalen Verbände attraktiv.

Offen ist auch, ob der neue Rhythmus zwingend für alle Fis-Sparten kommen müsste. Während der alpine Markt als groß gilt, ist der Kreis an Interessenten beim nordischen Skisport eher begrenzt. So sind die nächsten drei WM-Orte Falun (Schweden), Lahti (Finnland) und das bayerische Oberstdorf nach zehn beziehungsweise zwölf Jahren Pause schon wieder als Ausrichter am Zug. Die letzte WM außerhalb von Europa gab es 2007 im japanischen Sapporo.

Verwendete Quellen: ntv.de, Patrick Reichardt und Thomas Eßer, dpa

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