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Startseite»Nachrichten»Kanada an Europa anschließen?: Mega-Stromkabel durch Atlantik könnte ein großes Problem lösen
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Kanada an Europa anschließen?: Mega-Stromkabel durch Atlantik könnte ein großes Problem lösen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 20, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Kanada an Europa anschließen?Mega-Stromkabel durch Atlantik könnte ein großes Problem lösen

20.09.2026, 14:00 Uhr Von Kai Stoppel
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Wasserkraftwerk am Ottawa River in Kanada – wenn vor Ort noch Nacht ist, könnte es das bereits erwachte Europa mit grünem Strom versorgen. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Strom aus erneuerbaren Energien fehlt oft dann, wenn er am dringendsten gebraucht wird. Mögliche Lösung: ein gigantisches Stromkabel quer durch den Atlantik, das Europa mit Kanada verbindet. Die unterschiedlichen Zeitzonen könnten dann geschickt ausgenutzt werden.

Eines der größten Probleme erneuerbarer Energien ist ihre Unberechenbarkeit. Bei Dunkelflauten liefern sie zu wenig Energie, wenn tagsüber der Strombedarf am höchsten ist. Andersherum findet nachts produzierter Strom aus Windkraft nur wenige Abnehmer. Es ist also ein Problem des Timings. Das könnte jedoch gelöst werden, indem man Kontinente mit unterschiedlichen Zeitzonen miteinander verbindet.

Denn wenn in Europa ein Arbeitstag beginnt, ist in Nordamerika noch tiefe Nacht. So könnte etwa in Kanada produzierter Strom aus Wind- und Wasserkraft in Europa sinnvoll genutzt werden. Umgekehrt könnte in Toronto, wo es etwa sechs Stunden früher ist als in Europa, am Abend Strom aus deutscher Windkraft genutzt werden, wenn hierzulande die Nachfrage sinkt.

Genau das ist die Idee hinter dem Konzept eines gigantischen Stromkabels, das Europa mit Kanada verbinden könnte. Vorangetrieben wird das Kanada-Europa-Kabel von mehreren Privatleuten unter dem Projektnamen NATO-L, was für North Atlantic Transmission One – Link (deutsch: Nordatlantik-Übertragungsleitung Eins) steht.

Das Konzept für NATO-L sieht eine 3500 bis 4000 Kilometer lange Stromtrasse quer durch den Atlantik vor. Mehrere Kabel mit einer Übertragungsleistung von insgesamt sechs Gigawatt sollen so viel Strom wie etwa sechs Atomkraftwerke bereitstellen können. Vorgeschlagene Routen führen von der ostkanadischen Küste entweder nach Irland und Großbritannien oder zu einer künstlichen, derzeit im Bau befindlichen Insel vor der Küste Belgiens.

Noch befindet sich NATO-L in einer frühen Entwicklungsphase. Zwar haben renommierte Fachunternehmen inzwischen technische und wirtschaftliche Aspekte sowie mögliche Trassen untersucht. Eine Regierung hat das Projekt bislang jedoch weder beschlossen noch öffentlich unterstützt. Allerdings gewinnt die Grundidee – auch angesichts globaler Energiekrisen – politischen Rückenwind: Kanada und die EU bekräftigten zuletzt, ihre Zusammenarbeit bei Stromnetzen und Energiesicherheit ausbauen zu wollen.

Erstes Kabel schon im 19. Jahrhundert verlegt

Zwar existieren schon lange Kabel durch den Atlantik: 1866 wurde das erste Telegrafenkabel in Betrieb genommen, 90 Jahre später das erste transatlantische Unterwasser-Telefonkabel TAT-1, das von Kanada nach Schottland führte. Doch ein Stromkabel durch den Atlantik, das Tausende Kilometer überbrücken und Tausende Megawatt Leistung liefern soll, wäre eine Premiere.

Über größere Entfernungen kann Strom mit der sogenannten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) transportiert werden. In den vergangenen Jahren wurde die Technologie immer weiter optimiert. In China verläuft seit 2019 eine Stromleitung von der Wüsten- und Steppenregion im Nordwesten über 3000 Kilometer zur dicht besiedelten Ostküste. Sie transportiert Strom aus Kohlekraftwerken und riesigen Solar- und Windparks. In Brasilien gibt es eine rund 2535 Kilometer lange HGÜ-Leitung, die Energie eines Wasserkraftwerks im Amazonasbecken quer durchs Land zu den großen Verbrauchszentren im Südosten befördert.

Auch unter der Nordsee verlaufen mittlerweile lange HGÜ-Stromtrassen, wie etwa die 2021 in Betrieb genommene, mehr als 600 Kilometer lange Nordlink-Leitung zwischen Norwegen und Deutschland. Sie soll Schwankungen in der norddeutschen Windenergie abfedern, indem überschüssiger Strom nach Norwegen umgeleitet wird. Bei Bedarf kann Deutschland umgekehrt auch Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken beziehen. Ähnlich könnte der Austausch auch zwischen Europa und Kanada laufen.

Risiko der Sabotage durch feindliche Mächte

Ein Stromkabel zwischen Kanada und Europa bringt allerdings ganz neue Herausforderungen mit sich. Die Nordsee ist ein flaches Meer, eine Verbindung quer durch den Atlantik müsste hingegen Tiefen von bis zu 4000 Metern überbrücken. Das macht nicht nur das Verlegen, sondern auch Wartung und Reparaturen aufwendig und kostspielig. Zudem besteht das Risiko der Sabotage.

Seit Russlands Angriff auf die Ukraine wurde die Verwundbarkeit von Seekabeln überdeutlich. In der Ostsee kam es immer wieder zu Beschädigungen von Leitungen. Im Dezember 2024 wurde etwa die Stromverbindung Estlink 2 zwischen Finnland und Estland massiv beschädigt, mutmaßlich durch den Anker eines Schiffs der russischen Schattenflotte. Sicherheitsbedenken sollen auch einer der Gründe gewesen sein, warum die britische Regierung einer 3800 Kilometer langen Atlantik-Stromleitung Xlinks aus Marokko zuletzt eine Absage erteilt hatte.

Dass dennoch die Zeit für Kontinente überspannende Kabel gekommen sein könnte, zeigen die zahlreichen Projekte weltweit:

  • Beim australischen Australia-Asia Powerlink-Projekt soll ab den 2030er Jahren Solarstrom aus dem sonnenreichen Zentrum Australiens über ein rund 4300 Kilometer langes Unterseekabel bis nach Singapur gelangen.

  • Äußerst ambitioniert ist Taslink, eine vorgeschlagene Stromleitung zwischen Australien und Neuseeland, die teilweise in bis zu 5000 Metern Tiefe liegen würde. Auch hier gibt es noch keine Bauentscheidung.

  • Die sogenannte „Green Vein“ (deutsch: Grüne Ader) soll Ägypten über rund 2800 Kilometer mit Italien verbinden und bis zu 3 Gigawatt übertragen – vor allem Strom aus ägyptischen Solar- und Windparks.

  • Noch konkreter sind die Pläne für das „Black Sea Submarine Cable“ (BSSC) zwischen Georgien und Rumänien, von dem etwa 1115 Kilometer unter dem Schwarzen Meer verlaufen sollen.

  • Noch größer gedacht ist One Sun One World One Grid (OSOWOG). Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Kabel, sondern um Indiens Vision eines Stromnetzes, das langfristig Südasien mit Südostasien, dem Nahen Osten, Afrika und Europa verbinden soll. Das Konzept ist ebenfalls noch in der Planungsphase.

Quelle: ntv.de

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