Heimarbeit, gute Bezahlung, keine Erfahrung nötig. Die Zusage kommt nach wenigen Stunden. Dann soll man nur noch schnell die eigene Identität bestätigen – per Video, bei einer Bank. Wer da mitmacht, eröffnet in Wahrheit ein Bankkonto auf den eigenen Namen. Benutzt wird es danach von Betrügern.
Vor dieser Masche haben am 16. September mehrere deutsche Verbraucherzentralen gleichzeitig gewarnt. Gefälschte Stellenanzeigen und Karriereseiten wirken demnach so professionell wie nie. Künstliche Intelligenz macht diesen Betrug laut den Verbraucherzentralen zusätzlich leichter. Ihre Tipps helfen auch in Österreich – mit einer Ausnahme.
Warum wirken diese Anzeigen so echt?
Die Anzeigen sehen aus wie ganz normale Stellenangebote. Es gibt ein Firmenlogo, Angaben zu Gehalt und Zusatzleistungen, eine Ansprechperson und fehlerfreie Sprache. Oft verwenden die Betrüger den Namen einer echten Firma und fälschen nur die Mailadresse. Laut den Verbraucherzentralen können Kriminelle fertige Webseiten, falsche Identitäten und die nötige Technik inzwischen sogar als Dienstleistung einkaufen.
Die Anzeigen stehen auf bekannten Jobbörsen oder laufen über soziale Netzwerke. Viele verlassen sich darauf, dass ein großes Jobportal jede Anzeige prüft. Das passiert in der Regel nicht vollständig. Eine seriöse Plattform heißt nicht, dass jede Anzeige darauf echt ist. Auffällig ist etwas anderes: Die Arbeit ist fast immer komplett von zu Hause möglich. „Fake-Jobs benötigen keine Büroräume“, sagt Kathrin Bartsch von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.
Wofür brauchen Betrüger einen Bewerber?
Die Kriminellen suchen keine Arbeitskraft. Sie wollen eine Identität. Mit Ausweisdaten, Selfies und einem Konto auf fremden Namen können sie Fakeshops betreiben, Accounts anlegen, Kredite aufnehmen und Verträge abschließen. Und sie können darüber Geld waschen. Das heißt: Geld aus Straftaten wird so verschoben, dass niemand mehr sieht, woher es kommt.
Vom Traumjob zum fremden Konto
So läuft die Masche meistens ab.
Bewerbung
Ein paar Klicks genügen. Zeugnisse oder Erfahrung will niemand sehen.
Schnelle Zusage
Nach Stunden statt Wochen, ohne Vorstellungsgespräch. Weiter geht es per WhatsApp, Telegram oder Mail.
Die angebliche Prüfung
Ausweisfotos, ein Selfie mit Ausweis, dann ein Video-Ident bei einer Bank. „Nur zum Test“, heißt es.
Das Konto
Es läuft auf den Namen des Opfers, benutzt wird es von den Betrügern. Mahnungen oder Post von der Polizei können folgen.
Warum reicht den Betrügern kein Ausweisfoto?
Beim Video-Ident zeigt man einer Bank über die Kamera sein Gesicht und seinen Ausweis. So lässt sich ein Konto online eröffnen, ohne in eine Filiale zu gehen. Mit Fotos allein klappt das nicht. Deshalb brauchen die Betrüger die echte Person vor der Kamera. Wer dieses Video-Ident macht, eröffnet das Konto selbst – mit dem eigenen Gesicht und dem eigenen Ausweis.
Den Bewerbern wird erklärt, das Konto werde danach gleich wieder gelöscht. Das passiert nicht. Manchmal ist die Kontoeröffnung sogar als Job getarnt: Angebliche „Bank-Tester“ oder App-Tester sollen ein Konto eröffnen und jeden Schritt dokumentieren.
Wie gefährlich das werden kann, zeigt ein Beispiel der Verbraucherzentralen. Das Konto wird in einem Fakeshop als Bankverbindung angegeben. Wer dort bezahlt und nie Ware bekommt, erstattet Anzeige. Die einzige Person, die sich dann finden lässt, ist oft jene, auf deren Namen das Konto läuft.
Welche Daten gehören wirklich in eine Bewerbung?
Für eine Bewerbung reicht in der Regel erstaunlich wenig. Alles andere kann warten, bis klar ist, dass Firma und Stelle echt sind.

Was eine Bewerbung braucht – und was nicht
Das braucht eine Bewerbung
Name
Kontaktdaten
Lebenslauf mit Ausbildung und Berufserfahrung
Zeugnisse
Das braucht sie am Anfang nicht
Ausweis oder Foto vom Ausweis
Selfie mit Ausweis
Bankverbindung oder Sozialversicherungsnummer
Video-Ident oder ein neues Bankkonto
Auch ein Arbeitsvertrag beweist nichts: Betrüger schicken oft selbst einen und fragen erst danach nach Konto und Sozialversicherungsnummer.
Ist ein genaues Gehalt verdächtig?
Die deutschen Verbraucherzentralen nennen noch ein Warnzeichen. Seriöse Anzeigen würden meist nur einen groben Gehaltsrahmen angeben, betrügerische dagegen einen genauen Stundenlohn. In Österreich passt dieser Tipp nicht. Hier schreibt das Gleichbehandlungsgesetz vor, dass Stellenanzeigen den Mindestlohn nennen – als Eurobetrag pro Monat oder Stunde, samt Hinweis, ob auch mehr bezahlt wird.
In Österreich ist ein genauer Betrag in der Anzeige also normal und kein Warnzeichen. Aussagekräftiger ist, ob der Lohn überhaupt zur Arbeit passt.
Schon Daten weitergegeben – was jetzt?
Dann zählt Tempo. Zuerst die Bank kontaktieren und ein neu eröffnetes Konto sperren lassen. Danach alles sichern: Chatverläufe, Mails und die Stellenanzeige selbst, am besten als Screenshots. Anzeige bei der Polizei sollte man selbst erstatten und nicht warten, bis andere es tun. Außerdem sollten Betroffene prüfen lassen, ob ihre Ausweisdaten schon missbraucht wurden.
Wer Hilfe beim Sortieren braucht: Der Mimikama-Notfall-Check führt anonym durch die nächsten Schritte und nennt Anlaufstellen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In Deutschland bieten die Verbraucherzentralen einen eigenen Notfall-Check zum Job-Scamming an.
Drei Fragen vor jeder Bewerbung
Gibt es die Stelle auch bei der Firma selbst?
Auf der offiziellen Karriereseite nachsehen. Die Firma über die Nummer auf ihrer echten Website anrufen, nicht über die aus der Anzeige.
Wollte jemand wissen, was ich kann?
Kein Gespräch, keine Frage nach Zeugnissen: Dann geht es vermutlich nicht um mich als Arbeitskraft.
Passt der Lohn zur Arbeit?
Ungewöhnlich viel Geld für einfache Aufgaben ist ein Warnsignal.
Nach Hinweisen der Verbraucherzentralen, Stand September 2026. Grafik: Mimikama
Quellen
Verbraucherzentralen (u. a. Niedersachsen, Thüringen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz): Pressemitteilung „Im Homeoffice ungewollt Geld waschen? Achtung, Job-Scamming!“, 16. September 2026
