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Startseite»Betrugsmaschen»KI-Videos auf TikTok: Erfundene Massenproteste
Betrugsmaschen

KI-Videos auf TikTok: Erfundene Massenproteste

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Untersucht hat die Videos Euronews, ein europäischer Nachrichtensender mit eigenem Faktencheck-Team. Die Clips geben vor, aus Deutschland, Frankreich, Italien, Irland, Portugal und Großbritannien zu stammen. KI heißt künstliche Intelligenz: Computerprogramme, die auf Befehl Bilder und Videos herstellen.

Die Videos sind in den letzten vier Monaten erschienen. Manche wurden mehr als 300.000-mal angeschaut. Viele Menschen halten sie für echt und diskutieren in den Kommentaren darüber.

Drei KI-generierte TikTok-Videos nebeneinander: eine Frau vor einer Menge mit französischen Fahnen, eine riesige Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor mit der Einblendung „Massenproteste in Berlin“ und eine Menge in Mailand mit italienischer Einblendung. Unten ist jeweils der TikTok-Hinweis auf KI-Inhalte rot markiert.
Drei der KI-Videos, angeblich aus Frankreich, Berlin und Mailand. Rot markiert ist der TikTok-Hinweis auf KI-Inhalte. Die Kontonamen haben wir verpixelt. Bild: Euronews

Woran erkennt man so ein Video?

Die Videos kommen aus verschiedenen Ländern. Gebaut sind sie aber fast immer gleich.

So ist ein erfundener Protest gebaut

Diese Teile fand Euronews in KI-Videos aus sechs Ländern.

Viele Menschen

Tausende Leute, Fahnen, Sprechchöre.

Eine falsche Reporterin

Sie hält ein Mikrofon mit dem Logo eines echten Fernsehsenders. So soll es wie eine Live-Übertragung aussehen.

Kein klarer Grund

Es geht um Wut über „den Zustand des Landes“. Wofür genau protestiert wird, sagt niemand.

Politische Sprüche

Bildtexte mit Parolen und Namen von Parteien.

Eine Frage ans Publikum

Am Ende sollen alle kommentieren, zum Beispiel aus welcher Stadt sie zuschauen.

Der Sender weiß von nichts

Ein Beispiel aus Portugal zeigt, wie das funktioniert. Die Reporterin hält ein Mikrofon mit dem Logo von RTP. Das ist das öffentliche Fernsehen in Portugal, so etwas wie bei uns der ORF. Euronews hat bei RTP nachgefragt. Die Antwort: Diese Frau arbeitet nicht bei RTP, und der Sender hat mit dem Video nichts zu tun.

Links ein KI-Video: eine Reporterin mit RTP-Mikrofon auf einem Balkon über einer Menschenmenge, unten eine Einblendung im Stil des Senders SIC. Rechts echte Aufnahmen von RTP und SIC mit denselben Gestaltungselementen, rot markiert.
Links das KI-Video, rechts echte Sendungen: Mikrofon und Einblendung sind echten Sendern nachgemacht. Bild: Euronews

Auch der Ort stimmt nicht. Im Video steht ein Gebäude an einer Stelle, wo in Wirklichkeit ein Fluss ist, der Tejo. Das KI-Programm macht Bilder, die echt aussehen. Ob es den Ort so wirklich gibt, weiß es nicht. So ein Fehler fällt aber nur auf, wenn man den Ort kennt.

Und was hat die AfD damit zu tun?

In mehreren deutschen Videos stehen laut Euronews Sätze, die die AfD unterstützen. In anderen Ländern tauchen Namen anderer Parteien auf. In den Kommentaren fordern Leute solche Parteien auf, „einzugreifen“, zum Beispiel beim Thema Migration.

Wer die Videos macht, weiß man nicht. Euronews nennt keine Belege dafür, dass eine Partei dahintersteckt. Offen ist auch, wie viele Konten es gibt und ob alle Videos von denselben Leuten kommen.

Warum wirken die Videos trotzdem?

Die Videos greifen Themen auf, über die sich viele Menschen ohnehin aufregen, etwa Migration. Das sagt Bruna Martins dos Santos von WITNESS, einer Organisation, die sich mit KI-Fälschungen beschäftigt. Wer so viele Menschen mit Fahnen sieht, reagiert zuerst mit dem Bauch. Nachdenken kommt später – oder gar nicht.

Dazu kommt TikTok selbst. Die App zeigt aufregende Videos vor allem jenen Menschen, die darauf reagieren. Jeder Kommentar zählt dabei als Interesse, auch ein wütender. So erreichen die Videos immer mehr Leute. Und mit KI kostet so ein Video fast nichts. Wer solche Bilder oft sieht, glaubt leicht: Das denken ja alle. Doch ein erfundenes Video zeigt keine Mehrheit.

Da steht doch „KI“ drauf?

Stimmt. TikTok blendet bei diesen Videos einen Hinweis ein, dass sie mit KI gemacht sind. Das hilft aber nur zur Hälfte.

Was der KI-Hinweis sagt – und was nicht

Das sagt der Hinweis

Das Video ist mit KI gemacht.

Das sagt er nicht

  • ob der Protest wirklich stattgefunden hat
  • ob die Reporterin echt ist
  • wer das Video gemacht hat und warum

Wer „KI“ liest, kann trotzdem glauben: Die Demo war echt, nur das Video ist nachgemacht.

TikTok verbietet nach eigenen Regeln KI-Videos, die bei wichtigen öffentlichen Themen in die Irre führen – auch wenn ein Hinweis dransteht. Ob diese Videos darunter fallen, müsste TikTok beantworten. Auch ein EU-Gesetz verlangt von großen Plattformen, gegen Inhalte vorzugehen, die Debatten und Wahlen schaden können. Es heißt Gesetz über digitale Dienste, kurz DSA. Euronews hat TikTok gefragt, warum die Videos noch online sind. Eine Antwort gab es zunächst nicht.

Wie prüft man eine Großdemo?

Schwierig wird es, weil es auch echte Proteste gibt. Laut Euronews sind in den letzten Wochen in mehreren Ländern Europas tatsächlich viele Menschen auf die Straße gegangen. Am Handy sehen echt und erfunden fast gleich aus.

Zum Mitnehmen

Drei Fragen, bevor man einer Großdemo auf TikTok glaubt

  • Wer berichtet noch darüber?Über eine echte Großdemo schreiben Zeitungen vor Ort. Oft nennt die Polizei Zahlen, und es gibt Meldungen zu gesperrten Straßen.
  • Gibt es andere Aufnahmen?Bei echten Ereignissen filmen viele Menschen von vielen Seiten. Gibt es nur ein einziges, perfektes Video, sollte man stutzig werden.
  • Passt der Ort?Stimmen Gebäude, Straßen und Schilder mit dem überein, was man auf einer Karte findet?

Mimikama, Stand 24. September 2026

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Dr. Heinrich Krämer
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