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„Historische Demütigung“: Als die legendären „Busby Babes“ erstmals auf Europa losgelassen wurden   

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 26, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Das Ende dieser wunderbaren Truppe war tragisch – doch als die Reise nach Europa vor genau 70 Jahren begann, stellten die „Busby Babes“ aus Manchester gleich einen Rekord für die Ewigkeit auf.

„Unsere Entscheidung, am Europapokal teilzunehmen, war ein Meilenstein in der Geschichte des Spiels.“ Matt Busby, der Trainer von Manchester United, wusste genau, warum er so sehr darum gekämpft hatte, dass eine englische Mannschaft endlich an den europäischen Wettbewerben teilnahm. Und als sein Team an diesem unvergesslichen 26. September 1956 die Mannschaft des belgischen Meisters RSC Anderlecht mit einem 10:0 aus dem Stadion geschossen hatte, wusste auch ganz Europa, was es heißt, dass nun auch die Teams von der Insel mit dabei waren. Dieser Kantersieg an einem verregneten Herbstabend ist in die Historie des Fußballs und in die Geschichte von Manchester United eingegangen. Nie hat der Klub höher in einem europäischen Wettbewerb gewonnen.

„Manchester Uniteds Jugendsturm entfesselte eine Torgala, die den belgischen Meister völlig überforderte. Es war kein bloßes Fußballspiel, sondern eine Demonstration purer Offensivgewalt im Schlamm der Maine Road.“ Am Morgen danach waren die Reporter des „The Daily Telegraph“ noch immer beseelt von diesem besonderen Fußballspiel, das sie am Abend zuvor im Stadion des Lokalrivalen von Man United gesehen hatten. Die Red Devils hatten für ihre Begegnung gegen den RSC Anderlecht damals in die Heimspielstätte von Manchester City ausweichen müssen, weil die eigene Flutlichtanlage noch nicht ausreichte. Doch das hielt die sagenhafte Truppe des Trainers Matt Busby nicht auf. Im Gegenteil. Sie spielte Fußball von einem anderen Stern.

Monate zuvor hatte es noch nicht danach ausgesehen, dass sich tatsächlich erstmals eine englische Mannschaft auf europäischer Ebene präsentieren würde. Heute ist das kaum mehr vorstellbar, aber der englische Fußballverband weigerte sich damals strikt, dass sich seine Mannschaften mit den Klubs vom Festland auf dem grünen Rasen messen. Doch für Busby war das kein Thema. Sein Verein aus dem viel besungenen „Mutterland des Fußballs“ gehörte auf die große, internationale Bühne, daran ließ er keinen Zweifel: „Fußball ist zu einem Spiel der ganzen Welt geworden. Es gehört nicht mehr nur England und Schottland und Britannien.“ Und so stritt er mit allen Mitteln darum, dass das der Verband das Verbot aufhob.

Matt Busby zwischen „Visionär und Reaktionär“

Der Kampf gegen Windmühlen und die Arroganz der englischen Funktionäre war zäh und von großen Widerständen geprägt, doch Busby glaubte an seine Mission. Genauso akribisch, wie er auf dem Platz nach und nach eine wahre Wundertruppe zusammenstellte, hielt er an seinem Plan fest: „Einige nannten mich einen Visionär, andere einen Reaktionär, wieder andere hielten mich für einfach seltsam. Aber ich war aus vielen Gründen versessen auf diese Herausforderung. Der Klub konnte Geld verdienen, für die Spieler war es aufregend, und die Zuschauer durften das Können der kontinentalen Spieler bewundern.“

Dann wurde sein Durchhaltevermögen tatsächlich belohnt. Es durfte gespielt werden. Und wie. Denn nachdem seine Mannschaft bereits das Hinspiel in Belgien mit 2:0 gewonnen hatte, sollte das Rückspiel an der Maine Road zu einer Sternstunde des Fußballs werden. Der Weg über das Meer aufs Festland – und wieder zurück – hatte sich ausgezahlt. Die französische Zeitung „L’Équipe“ schrieb nach dem historischen 10:0-Erfolg: „Die Busby Babes haben Europa eine Warnung geschickt. Wer geglaubt hat, die englischen Vereine würden den europäischen Wettbewerb nicht ernstnehmen, wurde gestern Abend eines Besseren belehrt.“

Manchester United spielte sich in dieser legendären Herbstnacht gegen Anderlecht von der ersten Minute an in einen regelrechten Rausch. Bereits zur Pause stand es nach zwei Treffern von Tommy Taylor und drei Toren von Dennis Violett 5:0 für die Red Devils. Auch nach der Halbzeit ließ Busby’s Jugendbande nicht nach und erzielte Treffer um Treffer. Es war das erste große Ausrufezeichen, das eine englische Mannschaft in Europa setzte.

Das Fußballfest war „allerbeste Werbung für den britischen Fußball“, wie die „Daily Mail“ am nächsten Morgen begeistert schrieb und die Reporter von „Le Soir“ notierten verzückt wie irritiert zugleich in ihre Schreibblöcke: „Eine Demütigung historischen Ausmaßes. Anderlecht wirkte wie eine Schülermannschaft gegen die athletische und spielerische Brillanz dieser jungen Mannschaft aus Manchester.“

Tragödie von München löschte Manchesters Traum nicht aus

Busby hatte mit seinem ausgeklügelten Scouting-System die Talente rund um Manchester allesamt eingesammelt und war auch vor finanziellen Abenteuern nicht zurückgeschreckt. Den herausragenden Mittelstürmer Tommy Taylor verpflichtete Man United für die in der damaligen Zeit sagenhafte Summe von 29.999 Pfund aus Barnsley. Die Legende besagt übrigens, dass das fehlende Pfund zur glatten Summe von 30.000 Pfund damals als Trinkgeld an die Kellnerin des Lokals ging, in dem der Transfer besiegelt wurde.

Neben Taylor wurden an diesem 26. September 1956 Namen wie Roger Byrne, David Pegg, Dennis Violett und vor allem Duncan Edwards, wahrscheinlich eines der größten Talente, die der englische Fußball je hatte, unsterblich. Die „Manchester Evening News“ ahnten schon am nächsten Morgen, was dieses Spiel gegen den RSC Anderlecht für eine Bedeutung für die Historie des Klubs haben würde: „Dieser Abend im Regen wird als die Geburtsstunde von Uniteds europäischer Legende in die Geschichte eingehen.“

Am Ende der Spielzeit sollte es zum ganz großen Triumph auf europäischer Ebene noch nicht reichen. Im Halbfinale war gegen Real Madrid, den späteren Sieger des Wettbewerbs, Schluss. Doch das Schicksal sollte diese Truppe nur ein halbes Jahr später noch weitaus schlimmer treffen. Am 6. Februar 1958 stürzte das Flugzeug mit dem Team an Bord beim Start in München ab. 23 Menschen starben an diesem Tag. Darunter acht Spieler der Busby Babes. Das Team befand sich nach einem Zwischenstopp auf dem Rückweg vom Viertelfinalspiel der Landesmeister in Belgrad, wo United durch ein 3:3 (Hinspiel 2:1) den Einzug ins Halbfinale geschafft hatte. Die Reise nach Europa fand fürs Erste ein tragisches Ende.

Doch Matt Busby, der die Flugzeugkatastrophe schwer verletzt überlebte, blieb Trainer der Red Devils. Und er lebte seinen Traum von Europa gemeinsam mit Stürmerstar Bobby Charlton weiter, der dem Tod ebenfalls entkam. Zehn Jahre nach dem tragischen Schicksalsschlag von München gewann sein neuformiertes Team im Londoner Wembley Stadion gegen Benfica Lissabon den Europapokal der Landesmeister. Bill Foulkes war der einzige Profi, der auch am Abend der „Geburtsstunde von Uniteds europäischer Legende“ am 26. September 1956 bereits auf dem Platz gestanden hatte. Er hielt das Andenken an das legendäre Team der Busby Babes in diesem historischen Moment für Manchester United in Ehren.

Verwendete Quelle: ntv.de

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