Ein letztes Mal für Argentinien
Bei Messis letztem Tango sind Tränen garantiert
Tränen werden fließen, viele Tränen. Viel Pathos, große Erinnerungen, noch größere Emotionen. Argentinien macht sich bereit für den letzten Auftritt von Lionel Messi im Nationaltrikot.
Die letzte Ankunft im Camp, das letzte Training mit der Mannschaft, das letzte Spiel im himmelblau-weißen Trikot: Argentinien bereitet sich auf den letzten Tango von Lionel Messi vor. Auf den Abschied nach 21 Jahren in der Nationalmannschaft im Sondertrikot mit goldener Rückennummer in der deutschen Nacht auf Mittwoch (01 Uhr MEZ): „Von dem Moment an, in dem er das Monumental betritt, wird es für alle ein unvergesslicher Tag sein“, prophezeite Trainer Lionel Scaloni. Und einer voller Emotionen.
In Buenos Aires wird es Dienstagabend sein, der 6. Oktober. Ein Datum, das in der Fußball-Geschichte vermerkt wird und auch für den Gegner aus Benin ein eindrückliches Erlebnis werden dürfte. „Es war eine Entscheidung, die mir in der Seele wehgetan hat und immer noch wehtut, aber ich verstehe, dass es an der Zeit ist“, hatte Messi Ende August erklärt, als er seinen Rücktritt aus der Albiceleste verkündet hatte. Das verlorene WM-Finale und damit der geplatzte Traum einer erfolgreichen Titelverteidigung, dann der Tod seines Vaters Jorge mit gerade mal 68 Jahren hatten den mittlerweile 39-Jährigen nachdenklich gestimmt und zu dem entscheidenden Schritt mit bewogen.
Messis große Länderspielkarriere begann mit einem Desaster
Anders als nach seinem Rücktritt vor zehn Jahren nach einem mal wieder verloren Finale eines großen Turniers, wird es diesmal auch endgültig sein. „Es bleibt die Wehmut, dass er nicht mehr dabei sein wird. Und das nicht nur aus fußballerischer Sicht“, sagte Scaloni, dessen Erfolgsgeschichte so eng mit der von Messi verknüpft ist.
Messi verschwindet von der Fußball-Weltbühne
2006 noch zusammen in einem WM-Kader gelang es Scaloni seit der Amtsübernahme im Sommer 2018, eine Mannschaft um Messi zu formen, die 2021 die Copa América gewann, 2022 den WM-Titel, 2024 erneut die Copa América und 2026 erneut im WM-Finale gestanden hatte. „Die argentinische Nationalmannschaft wird es auch weiterhin geben. Aber er wird uns fehlen“, sagte Scaloni.
So wie diese Mannschaft Messi fehlen wird. Er war ihr Anführer und doch einer von ihnen, mittendrin. Als Dank für den WM-Titel gab es von Messi für die Spieler und Betreuer personalisierte Smartphones – in Gold. Nach der WM und der Niederlage gegen Spanien in diesem Jahr schenkte er ihnen eine Tasche mit kompletter Ausrüstung für den in Südamerika geliebten Mate-Tee. Seine Mitspieler waren Bewunderer und Bodyguards, Mitstreiter und Wegbereiter – und die so fußballverrückte Nation, die an Diego Maradona hing, verliebte sich nach vielen Jahren auch in Messi.
„Der König ist zuhause“, schrieb der Verband nach der Ankunft im Trainingszentrum in Ezeiza bei Buenos Aires, das Messis Namen trägt. Gut gelaunt im schlicht-schicken Designer-Outfit kam Messi an. Am Abend gab’s das traditionelle Asado – viel Fleisch auf dem Grill, um das sich Verbandschef Claudio Tapia höchstpersönlich kümmerte.
In Argentinien ist Messi bereits seit Freitag, begleitet von seiner Frau, den Kindern und seiner Mutter war er mit dem Privatjet aber erstmal nach Rosario geflogen, seiner Heimatstadt.
Messi wird nun also von der Weltbühne des Fußballs verschwinden. Sein Vertrag bei Inter Miami ist noch bis Ende 2028 gültig. Während für die Argentinier, die auch nicht wissen, ob Scaloni seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag verlängert, eine neue Zeitrechnung beginnt, hat Messi die nächste Lebensphase längst mit eingeläutet. Sein Portfolio umfasst ein kleines Imperium: Eine Hotelkette, Immobilien und auch zwei spanische Fußballvereine.
Und wer sich auch noch an den tränenreichen Abschied einst von seinem spanischen Herzensclub FC Barcelona im Sommer 2021 und damit ebenfalls nach 21 Jahren erinnert, wird erahnen können, wie emotional es nun beim Abschied in Argentinien werden könnte. Vor, während und nach seinem 208. Einsatz für Argentinien. „Ein letztes Mal. Ein Trikot fürs ganze Leben“, schrieb der achtmalige Weltfußballer.
Verwendete Quellen: ntv.de, msc/dpa
