Die Schulproteste in Frankreich halten weiter an. Premier Lecornu sicherte den Schülern nun bessere Lernbedingungen zu, ohne aber zusätzlichen Finanzhilfen in Aussicht zu stellen. Doch neue Proteste sind bereits angekündigt.
Die Schulproteste in Frankreich gehen unvermindert weiter und heizen sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl die Sorge vor breiteren Protesten im Land an. Nach den Großkundgebungen vom Dienstag kam es am Mittwoch ebenfalls zu einzelnen Blockadeaktionen an Gymnasien und Universitäten. Bildungsgewerkschaften riefen zu erneuten Demonstrationen am Donnerstag auf.
Am Abend sicherte Premierminister Sébastien Lecornu den protestierenden Schülern bessere Lernbedingungen zu, stellte aber keine zusätzlichen Finanzhilfen im Bildungsbereich in Aussicht. In den Monaten vor der Wahl werde die Regierung „pragmatisch handeln, um den Erwartungen der Gymnasiasten gerecht zu werden“, sagte Lecornu in einer Ansprache.
Lecornu: Lage an den Schulen verbessern
Im Bildungsbereich seien im kommenden Haushalt Mehrausgaben von 1,2 Milliarden Euro vorgesehen, das Ressort sei damit eines der wenigen mit einem wachsenden Budget, so Lecornu. Die Bildungsgewerkschaften hatten zehn Milliarden Euro Zusatzausgaben verlangt. Angesichts der hohen Staatsverschuldung ringt die Regierung mit einem Sparhaushalt.
Um die Lage an den Schulen zu verbessern, solle es mehr Vertretungslehrer, bauliche Maßnahmen an Gebäuden, überarbeitete Stundenpläne, eine Verbesserung des universitären Zulassungsverfahrens „Parcoursup“ sowie mehr Mitsprache für die Schüler geben, sagte Lecornu weiter.
Verständnis für die Wut
Die Wut der Jugendlichen käme nicht aus dem Nichts. „Niemand kann ihren Ängsten gegenüber gleichgültig bleiben. Sie waren Kinder oder standen während der Corona-Pandemie am Beginn ihrer Jugend, wir haben ihnen erhebliche Anstrengungen abverlangt, und seitdem sehen sie Kriege, den Klimawandel und manchmal auch ihre Angehörigen in Not.“
Lecornu verwies auf eine Onlineplattform, auf der Schüler seit Montag ihre Probleme und Forderungen schildern können und auf der bereits 40.000 Reaktionen eingegangen seien.
Alle Versuche der Mitte-Regierung von Lecornu, die vor über einer Woche begonnenen Proteste der jungen Leute zu kanalisieren, hatten bisher keinen Erfolg. Am Sonntag hatte er die Minister angewiesen, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lage an den Schulen zu finden und den berechtigten Sorgen der Gymnasiasten Gehör zu geben. Am Dienstag erklärte er dann im Parlament, von Mittwoch bis Freitag solle an den Schulen über die Probleme diskutiert und nicht unterrichtet werden. Statt in die Klassen zurückzukehren, zog es etliche Schüler aber erneut zu Protesten vor die Gebäude. 528 Schulen blieben vorsorglich komplett oder teilweise geschlossen.
Proteste gehen weiter
Die Schüler wollen eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen. Konkret geht es um fehlende Vertretungslehrer, heruntergekommene Schulen mit kaputten Fenstern und herabfallenden Decken und viel zu vollgestopfte Stundenpläne. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die jungen Leute mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Nach der Ankündigung von Bildungsgewerkschaften sollen die Proteste am Donnerstag weitergehen. Die Gymnasialgewerkschaft USL rief zu einer Kundgebung am Nachmittag auf der Place de la Bastille in Paris auf.
