Kopfschütteln, Wut, Empörung: Der Besuch von Altkanzler Schröder bei Putins Geburtstag in Moskau stößt in Berlin auf Unverständnis. Zum wiederholten Mal irritiert der 82-Jährige mit seiner Nähe zum Kremlchef.
Das Wort von der Schande, es macht in Berlin die Runde. Die Empörung über Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist groß – angefangen ganz oben im Kanzleramt. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer formuliert, was Bundeskanzler Friedrich Merz über einen seiner Vorgänger denkt: „Der Bundeskanzler ist über das Treffen von Herrn Schröder mit dem russischen Präsidenten Putin zutiefst empört.“
Empört auch, weil dieser Wladimir Putin für Tausende Tote verantwortlich sei, für unermessliches Leid in der Ukraine. Kopfschütteln, dass ein Ex-Kanzler da mit Putin dessen 74. Geburtstag in Moskau feiert. „Der Bundeskanzler empfindet es vor diesem Hintergrund als geradezu unmoralisch, dass Herr Schröder an einem solchen Tag mit Herrn Putin feiert.“
Kopfschütteln bei der SPD
„Völlig inakzeptabel“ – das fällt dem SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil ein. Bei der SPD kollektives, resigniertes Kopfschütteln über den Mann, den sie vergeblich aus ihrer Partei werfen wollten und ihn seither – so gut es eben geht – ignorieren. Bis zur Stunde gilt, was die heutige Co-Vorsitzende Bärbel Bas so formulierte: „Am Ende so ein politisches Erbe auch selbst zu zerstören, finde ich einfach nur traurig.“
Die Grüne Katrin Göring-Eckhart ist nicht traurig, sondern wütend. Sie schreibt von einer Schande, einem Verrat an Europa, einem Bärendienst für den Frieden.
Nicht die erste gemeinsame Geburtstagsparty
Noch deutlicher wird die FDP-Politikerin und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie nennt den 82-jährigen Schröder Deutschlands frechsten Rentner und schreibt: „Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“
Da ist sie dann wieder: die Schande. Wenig ist über den Geburtstagsbesuch bekannt. Ein Bild zeigt Schröder händeschüttelnd mit Putin. Es ist nicht die erste gemeinsame Geburtstagsparty der beiden. Zu Schröders 60. reiste einst Putin mit einem Kosakenchor in Hannover an. Den 70. feierte Schröder schlittenfahrend in Sankt Petersburg.
Schröder will sich nichts vorschreiben lassen
Jetzt also Putins Party in Moskau. Was seine Freundschaft mit dem Kriegsherren Putin angeht, bleibt Schröder sich treu: „Es ist einer jener Punkte, wo ich mir nicht vorschreiben lasse, was ich zu tun und zu lassen habe“, ist seine Position zu dem Thema.
Der Besuch war im Übrigen weder mit dem Außenministerium, dem Kanzleramt oder dem für Schröders Personenschutz zuständigen Innenministerium abgesprochen. Der Ex-Kanzler spricht schon seit 2022 nur noch für einen: für sich.
„Konto wichtiger als Ansehen Deutschlands“
Sein Altkanzlerbüro, fünf Mitarbeiter und einen Fahrer hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags „ruhend gestellt“, heißt es offiziell. Schröder klagte damals dagegen. Vergeblich. Schon damals hatte Schröders Nähe zu Putin, sein Festhalten an seiner Verbindung für wütende Reaktionen gesorgt. CSU-Chef Markus Söder wählte für den Altkanzler die Worte „sturer, alter, skurriler Mann, dem das eigene Konto wichtiger ist als das Ansehen Deutschlands“.
Einer immerhin verteidigt den Ex-Kanzler. SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sagte mehreren Medien, Schröder sei einer der wenigen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin hätten. Wenn der Besuch dem Frieden auch nur einen Millimeter gedient habe, sei er ein Erfolg.
Das dürfte eine Einzelmeinung bleiben.

