Der vorgelegte Screenshot zeigt 16.273 Reaktionen, 5.252 Kommentare und 10.140 Teilungen. Der vollständige Beitrag ist im Screenshot auf den 11. Oktober, 15:18 Uhr, datiert. Die Aufnahmen wurden uns am 13. Oktober 2026 vorgelegt. Diese Aufmerksamkeit macht die Behauptungen nicht verlässlicher. Auch die Kommentare zeigen keine einheitliche Zustimmung: Viele fragen nach der Originalquelle, andere widersprechen ausdrücklich.
Was behauptet wird – und was die Unterlagen zeigen

| Behauptung im Beitrag oder in den Kommentaren | Was sich tatsächlich sagen lässt |
|---|---|
| „Pfizer hat gerade die Liste veröffentlicht.“ | Die Aufzählung verweist in wesentlichen Teilen auf einen Bericht aus 2021. Dieser bestätigt keine neu entdeckte Liste von Impfschäden. |
| „Das sind schwere Folgen des Impfstoffs.“ | Der Anhang nennt Ereignisse, auf die bei der Überwachung geachtet werden soll. Ein Eintrag beweist weder einen gemeldeten Fall noch eine Verursachung durch die Impfung. |
| „Auch Turbokrebs und Krebsreaktivierung sind zugegeben.“ | Diese Einträge stehen so nicht im Bericht. Das NCI nennt keine Belege dafür, dass COVID-19-Impfstoffe Krebs auslösen, Rückfälle verursachen oder die Erkrankung vorantreiben. |
| „Die Impfung schützt nicht vor schweren Verläufen.“ | Falsch. Ein Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod ist belegt. Er ist unvollständig und nimmt mit der Zeit ab; Ansteckung und Weitergabe bleiben möglich. |
| „Die Impfung tötet mehr Menschen als COVID-19.“ | Der Beitrag liefert dafür keine belastbaren Belege. Eine Studie schätzt rund 1,6 Millionen verhinderte Todesfälle durch COVID-19-Impfprogramme in den untersuchten europäischen Ländern und Gebieten. |
| In den Kommentaren: „Die Erkrankung kam nach der Impfung, also war die Impfung schuld.“ | Ein Verdacht muss medizinisch geprüft werden. Aus einem Kommentar lässt sich die Ursache eines einzelnen Krankheits- oder Todesfalls nicht feststellen. |
Im Pfizer-Bericht werden zwei unterschiedliche Dinge behandelt. Anhang 1 enthält Begriffe für Krankheiten und Ereignisse, die besonders beobachtet werden sollten. Tabelle 7 wertet dazu eingegangene Meldungen aus. Eine Beobachtungsliste ist noch keine Fallliste. Eine Meldung ist noch kein Nachweis der Ursache. Der Bericht behandelt Daten bis zum 28. Februar 2021 und trägt eine interne Freigabe vom 30. April 2021.
Ein Beispiel macht den Unterschied verständlich: Steht „Herzstillstand“ auf der Beobachtungsliste, sollen passende Meldungen bei der Überwachung auffallen. Daraus lässt sich nicht ablesen, wie viele Herzstillstände aufgetreten sind. Wird ein Herzstillstand nach einer Impfung gemeldet, muss geprüft werden, wodurch er verursacht wurde. Erst medizinische Untersuchungen und zusätzliche Daten können aus einem Verdacht einen belastbaren Zusammenhang machen. Diese Prüfung überspringt der Facebook-Beitrag.
Was mit „Turbokrebs“ gemeint ist
„Turbokrebs“ ist keine anerkannte medizinische Diagnose. Aggressive Krebserkrankungen, die rasch wachsen oder sich ausbreiten, gibt es jedoch. Der Ausdruck kursiert in Impfgegnerkreisen und soll dort Krebs beschreiben, der angeblich durch eine Corona-Impfung ausgelöst oder beschleunigt wurde. Diese behauptete Ursache ist damit noch nicht belegt.
Eine frühe dokumentierte Verwendung stammt von der sogenannten Pathologie-Konferenz am 20. September 2021 in Reutlingen. Nach der Recherche der Nachrichtenagentur dpa verwendete dort ein Rechtsanwalt den Begriff. Der Sprecher bezeichnete das Wort im dokumentierten Mitschnitt selbst als „eine Erfindung von mir“ und erklärte, dass es keine medizinisch korrekte Bezeichnung sei.
Das US-amerikanische National Cancer Institute hält fest, dass es keine Belege dafür gibt, dass COVID-19-Impfungen Krebs verursachen, Rückfälle auslösen oder die Erkrankung fortschreiten lassen. Auch im hier geprüften Pfizer-Bericht steht „Turbokrebs“ nicht. Ein rascher Krankheitsverlauf nach einer Impfung beweist für sich allein keinen ursächlichen Zusammenhang.
Was die Kommentare zeigen
In einem der mitgeschickten Kommentare steht: „Ich glaube schon, dass die Aufzählung stimmt!“ Unmittelbar danach wird nach dem Originaldokument gefragt. Die Aussage wird also bereits geglaubt, obwohl der Beleg noch gesucht wird. Daneben stehen Berichte über schwere Erkrankungen und Todesfälle in Familien. Solche Erfahrungen sind belastend und verdienen einen respektvollen Umgang. Ohne Befunde lässt sich ihre medizinische Ursache aus der Ferne nicht beurteilen.
Wie Bestätigung in sozialen Netzwerken wirken kann, untersucht eine Studie von Brady und Kollegen: In Twitter-Daten und Verhaltensexperimenten begünstigte positives Feedback weitere Äußerungen moralischer Empörung. Das ist ein allgemeiner Forschungsbefund, keine Erklärung für jeden Menschen unter diesem Facebook-Beitrag. Hier lässt sich konkret feststellen, dass Zustimmung und Quellenfragen nebeneinander vorkommen. Reaktionen können auch Widerspruch ausdrücken. Die Zähler allein messen keine Überzeugung.
Seltene Nebenwirkungen sind real, der Schutz ist ebenfalls belegt
Comirnaty hat bekannte Risiken. Herzmuskelentzündung und Herzbeutelentzündung sind anerkannte, sehr seltene Nebenwirkungen, häufiger beobachtet bei jüngeren Männern und nach der zweiten Impfung. Die Fachinformation nennt auch Fälle mit intensivmedizinischer Behandlung und Todesfolge. Schwere allergische Reaktionen sind ebenfalls bekannt. Diese Risiken müssen offen benannt werden.
Gleichzeitig beschreibt die WHO einen Schutz vor schwerer COVID-19-Erkrankung und Tod. Die erwähnte europäische Studie schätzt für Dezember 2020 bis März 2023 rund 1,6 Millionen verhinderte Todesfälle bei Menschen ab 25 Jahren in 34 Ländern und Gebieten. Das ist eine Berechnung aus Daten und Wirksamkeitsannahmen, keine direkte Zählung. Sie betrifft mehrere Impfstoffe. Der Pfizer-Anhang kann daher weder als Liste bestätigter Impfschäden noch als Beleg für die behauptete Wirkungslosigkeit dienen.
Korrektur vom 13. Oktober 2026: Eine frühere Fassung dieses Artikels vermischte die Beobachtungsliste in Anhang 1 mit gemeldeten Fällen. Mehrere dort vorhandene Begriffe waren in unserer Tabelle fälschlich als nicht enthalten gekennzeichnet. Auch die pauschale Aussage, keine der genannten Erkrankungen sei als Impfnebenwirkung bestätigt, war falsch. Die frühere Begriffstabelle wurde entfernt und die Einordnung neu geschrieben. Die unbelegte pauschale Häufigkeitsangabe zu schweren Nebenwirkungen und nicht ausreichend belegte Aussagen über einen Arzt wurden gestrichen. Die Bewertung der Behauptung, Pfizer habe die gesamte Aufzählung als bestätigte Impfstofffolgen veröffentlicht, bleibt „Falsch“.
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
15. September 2026
Europäische Arzneimittelagentur (EMA)
6. August 2026 (letzte Aktualisierung laut EMA)
Meslé et al. / WHO European Respiratory Surveillance Network
September 2024
National Cancer Institute (NCI)
10. Oktober 2023
Deutsche Presse-Agentur (dpa) / GADMO
1. Februar 2023
WHO / International Coalition of Medicines Regulatory Authorities (ICMRA)
17. Mai 2022
Brady et al. / Yale University
2021
Pfizer – Worldwide Safety
30. April 2021 (interne Freigabe des Berichts)
National Cancer Institute (NCI)
Ohne Datumsangabe
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Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
