Marktbericht
Ob Samsung, Apple oder Nvidia: Alle großen Chiphersteller sind Kunden bei ASML. Dessen Maschinen zur Produktion von Halbleitern machen den KI-Boom erst möglich – und die Aktie zur wertvollsten in Europa.
Die Nachfrage nach der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) treibt den Chipausrüster ASML weiter an. Das niederländische Unternehmen baut Maschinen, mit denen große Chiphersteller wie Apple, Nvidia oder Samsung ihre Halbleiter fertigen – und schwimmt damit als Lieferant von KI-Infrastruktur wie kein anderes europäisches Unternehmen auf der Erfolgswelle der neuen Technologie. Der jüngste Quartalsausweis unterstreicht, dass es weiter rund läuft für ASML.
Gewinnsprung im Quartal
Konkret stieg der Umsatz von 9,3 im Vorquartal auf knapp 11,7 Milliarden Euro, was im Rahmen der Erwartungen der Analysten lag. Die Bruttomarge verbesserte sich um 3,5 Prozentpunkte auf 57,5 Prozent. Unter dem Strich verdiente ASML knapp fünf Milliarden Euro, nach fast drei Milliarden Euro im Vorquartal.
ASML ist ein entscheidender Zulieferer für die Halbleiterindustrie, steht also eher am Anfang der KI-Wertschöpfungskette. Denn ohne die besonders leistungsstarken KI-Halbleiter wäre der Boom in der jetzigen Form gar nicht möglich.
Als einziges Unternehmen der Welt stellt ASML hochentwickelte Lithografiemaschinen zur Fertigung fortschrittlicher Chips her, die für das Training von KI-Modellen gebraucht werden. Die Ergebnisse der Niederländer gewähren daher einen guten Einblick in die Pläne von Chipherstellern wie TSMC, Samsung oder Intel, da zwischen der Bestellung und der Auslieferung der hochmodernen Anlagen des Unternehmens mehr als ein Jahr liegt.
Kann der Boom ewig so weitergehen?
Zuletzt haben sich die Investoren aber wiederholt gefragt, ob der scheinbar nicht enden wollende KI-Boom immer so weitergehen kann. Auch die Frage, ob und wie sich die schwindelerregenden Investitionen der Kunden zukünftig rentieren, treibt die Börsen immer wieder um – und sorgt dann für Abverkäufe bei den Chip-Aktien, wie erst jüngst gesehen.
Diese Sorgen bringen immer wieder Volatilität in den Markt. Erst in dieser Woche waren Chipwerte deswegen wieder vermehrt unter Druck geraten.
Die Fundamentaldaten, die dann aber kommen, sprächen eine starke Sprache, meint Experte Marcus Weyerer von Franklin Templeton Investments im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Aktuell sehe man kein Ende des laufenden Investitionszyklus, so der Experte weiter – was für alle Unternehmen der Wertschöpfungskette gelte. Und das trotz hoher Schulden, weshalb die aktuelle Zinsentwicklung durchaus ein Risiko für den Investitionszyklus sein könnte.
Nachfrage übersteigt das Angebot
Auch die Aussagen des Unternehmens selbst zeigen, dass der Zyklus weitergehen dürfte. Denn ASML hat ein Luxusproblem: „Angesichts … einer Dynamik im Auftragseingang, die im laufenden Jahr von Quartal zu Quartal zunimmt, gehen wir nun davon aus, dass unser derzeit für 2027 und 2028 geplantes Angebot die Nachfrage unserer Kunden nicht vollständig decken wird“, berichtete Firmenchef Christophe Fouquet.
„Vor diesem Hintergrund prüfen wir Möglichkeiten, die Kapazität für 2028 über die bereits kommunizierte Steigerung von 30 Prozent hinaus zu erhöhen.“ Ein Ende des aktuellen Wachstums sei nicht in Sicht. Einige Kunden wollten bereits Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben, so Fouquet weiter.
Bei den Anlegern kommen solche Aussagen gut an, die Aktie steigt um rund drei Prozent. ASML ist im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 vertreten und mit über 600 Milliarden Börsenwert das wertvollste europäische Unternehmen.
DAX legt weiter zu
Der DAX setzt derweil seine jüngste Zwischenerholung fort und ist heute in der Spitze schon über die Marke von 25.400 Zählern geklettert. Das Tageshoch lag bisher bei 25.440 Punkten. Im Index legen auch die Papiere von Chiphersteller Infineon im Sog der ASML-Zahlen um mehr als ein Prozent zu.
Insgesamt aber warten die Anleger ab, denn die Berichtssaison der Unternehmen ist in den USA gerade erst angelaufen. Auch die weiter hohen Ölpreise und die damit verbundene Sorge vor weiteren Zinssteigerungen lastet auf den Märkten. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners sieht aktuell einen „Abwarte-Markt“, in dem sich derzeit kaum einer in großem Stil positionieren wolle.
