Erst vor wenigen Wochen erlebte Nepal eine verheerende Flutkatastrophe. Jetzt hat eine neue Flutwelle Häuser und Brücken mitgerissen. Rettungskräfte suchen nach Vermissten, ob es Tote gibt, ist bislang noch unklar.
Diesmal kam die Warnung rechtzeitig. Als am Sonntagmorgen der Fluss Budhi Gandaki im zentralnepalesischen Distrikt Gorkha anschwoll, konnten sich noch rechtzeitig Hunderte Bewohnerinnen und Bewohner und Touristinnen und Touristen in höher gelegene Gebiete retten.
Nach Angaben der nepalesischen Behörden war durch einen Erdrutsch Erde und Fels in den Fluss geschoben worden und bildete eine Art Staudamm. Als sich das Wasser seinen Weg durch die Blockade bahnte, schossen Schlamm und Geröll durch die Siedlungen flussabwärts.
Touristen waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten
Fünf Menschen werden vermisst, ob es Tote gibt, ist bislang noch nicht bekannt. Die Flut hat Häuser, Felder und mehrere Brücken sowie Baustellen von drei Wasserkraftwerken beschädigt. Zeitweise waren mehr als 100 ausländische Trekkingtouristen von der Außenwelt abgeschnitten. Inzwischen ist der Wasserstand gesunken. Die Versorgung abgelegener Orte und die Suche nach den Vermissten gehen weiter.
Das betroffene Gebiet liegt nicht in den bereits im August verwüsteten Tälern. Diesmal traf es den Distrikt Gorkha, rund 100 Kilometer westlich von Kathmandu. Die damalige Katastrophe hatte vor allem Rasuwa und Nuwakot nahe der Grenze zu Tibet getroffen.
Viele Familien leben in den Bergregionen vom Tourismus
Für Gorkha kommt die Flut zur denkbar ungünstigsten Zeit. Oktober und November sind die Hauptsaison für Wanderungen im Himalaya. In den Bergregionen leben viele Familien von der Vermietung von Unterkünften, betreiben Restaurants oder arbeiten als Bergführer und Träger.
Nach der Katastrophe im August hatte die Regierung Touristen gebeten, ihre Reisen nicht pauschal abzusagen. Die meisten Ziele und Trekkingrouten seien geöffnet. Im jetzt betroffenen Manaslu-Gebiet sind jedoch erneut Wege unterbrochen und Brücken fortgerissen worden.
Fast 1.500 Menschen kamen bei der Flut im August ums Leben
Nepal hat sich von der Flut Ende August noch lange nicht erholt. Damals waren an der Grenze zwischen Tibet und Nepal gewaltige Mengen Fels und Gletschereis abgebrochen und in einen Gebirgsfluss gestürzt. Die ausgelöste Flutwelle riss ganze Orte mit sich. Mindestens 1.455 Menschen kamen ums Leben, mehr als 5.000 gelten noch als vermisst.
Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. In abgelegenen Tälern fehlen Straßen und Brücken, die Versorgung mit Trinkwasser und Strom ist vielerorts noch immer eingeschränkt. Viele Betroffene leben in provisorischen Unterkünften. Ob und wann sie zurückkehren können, wissen sie nicht.
Wiederaufbau kostet knapp fünf Milliarden US-Dollar
Anfang Oktober beendete die Regierung die Suche nach Überlebenden und die Bergung der Toten. Für viele Familien bleibt damit die Ungewissheit. Solange Vermisste nicht offiziell für tot erklärt werden, fehlen Angehörigen häufig notwendige Unterlagen für Entschädigungen, Versicherungen oder Erbschaften.
Die Regierung schätzt, dass der Wiederaufbau knapp fünf Milliarden US-Dollar kosten wird – etwa ein Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung Nepals. Premierminister Balendra Shah fordert deshalb vor allem Zuschüsse statt weiterer Kredite.
Sein Argument: Nepal leide besonders stark unter dem Klimawandel, verursache aber nur einen sehr kleinen Teil der weltweiten Treibhausgasemissionen. Das Land müsse sich zusätzlich verschulden, um die Folgen dieser Katastrophen zu bewältigen. Das dürfe nicht sein.

