Das angebliche Ritualfoto mit Jeffrey Epstein trägt das eingeblendete Datum „OCT 26 ’19“, also den 26. Oktober 2019. Zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits seit mehr als zwei Monaten tot: Die US-Staatsanwaltschaft hatte seinen Tod am 10. August 2019 bekannt gegeben. Dazu passt unsere technische Prüfung des verbreiteten Clips, die deutlich auf KI-generiertes Bildmaterial hinweist.
Der X-Account @ExposingEvil704 veröffentlichte den Beitrag am 16. Oktober 2026. Der Text behauptet, es handle sich um geleakte Bilder satanischer Rituale auf Epsteins Insel. Das gezeigte Motiv soll Epstein gemeinsam mit Bill und Hillary Clinton sowie Bill Gates in einem düsteren Raum darstellen. Die Personen tragen rote Gewänder, im Hintergrund stehen Ziegen. Die Darstellung wirkt wie ein Gruppen-Selfie; das eingeblendete Datum soll offenbar den Eindruck einer alten Aufnahme vermitteln.
Unsere Prüfung weist auf KI-generiertes Material hin
Wir haben den zwölf Sekunden langen Clip mit dem Erkennungsdienst Hive geprüft. Das Ergebnis weist für „AI-Generated Video“ einen Wert von 99,9 Prozent aus. Auch für das im Screenshot angezeigte Einzelbild bei Sekunde null zeigt Hive 99,9 Prozent für KI-generierten Inhalt an. Die rot markierte Auswertung erstreckt sich über die gesamte angezeigte Zeitleiste des Clips.
Der Prozentwert ist eine Einstufung des Erkennungsdienstes und kein unfehlbarer Echtheitsbeweis. Ein falscher Datumsstempel allein würde auch noch keine KI-Erzeugung nachweisen. Hier kommen jedoch zwei Befunde zusammen: Die technische Prüfung weist auf künstlich erzeugtes Material hin, und Epstein kann am eingeblendeten Tag nicht für die Aufnahme posiert haben.
Eine frühere Veröffentlichung liefert eine Herkunftsspur
Ein auf den 10. Februar 2026 datierter Faktencheck von Tech ARP behandelt bereits angebliche Ritualbilder mit Epstein, Gates und den Clintons. Der Artikel verweist auf einen TikTok-Beitrag des Accounts „lilmasri“ und beschreibt einen entsprechenden Wasserzeichen-Hinweis auf den Bildern. Das ist eine zusätzliche Spur zur Verbreitung der Motive. Den dort verlinkten TikTok-Beitrag konnten wir nicht direkt prüfen; wer die Bilder zuerst hergestellt hat, ist damit für unsere Recherche noch nicht gesichert.
Warum solche Fakes weiterverbreitet werden
Der aktuelle X-Beitrag zeigt, wie die Bilder in eine Verschwörungserzählung eingebaut werden: Er bezeichnet sie als „geleakt“ und behauptet, ein satanischer Kult regiere die Welt. Der Aufruf „Wacht auf“ stellt die Betrachtenden vor die Aussicht, etwas zu durchschauen, das anderen verborgen bleibe. Die inszenierten Ritualszenen liefern dazu scheinbare Beweisfotos. Diese Einordnung ergibt sich aus dem veröffentlichten Text; die persönliche Absicht des Accounts lässt sich daraus nicht sicher ablesen.
Solche Inhalte können zugleich von ihrer emotionalen Wirkung profitieren. Eine 2017 veröffentlichte Studie untersuchte mehr als eine halbe Million Twitter-Nachrichten zu politischen Streitfragen. Darin wurde moralisch-emotionale Sprache häufiger weiterverbreitet, besonders innerhalb politisch ähnlich ausgerichteter Netzwerke. Die Untersuchung belegt einen allgemeinen Zusammenhang und hat diesen Epstein-Clip nicht untersucht. Sie hilft aber zu verstehen, weshalb empörende Anschuldigungen günstige Voraussetzungen für weitere Verbreitung haben können.
Ein gefälschtes Bild kann also Aufmerksamkeit bringen und Menschen in ihrem bestehenden Verdacht bestärken. Auch ursprünglich als Satire verbreitetes Material kann in späteren Beiträgen als vermeintlicher Beweis auftauchen, wenn die Einordnung verloren geht. Welcher dieser Wege beim vorliegenden Clip ausschlaggebend war, bleibt offen. Für die Bewertung zählt die überprüfbare Herkunft jeder Aufnahme: Reale Ermittlungen im Fall Epstein machen eine zusätzlich verbreitete Ritualdarstellung noch nicht echt, und die Entlarvung dieser Fakes widerlegt keine anderen, unabhängig belegten Vorgänge.
@ExposingEvil704 / X
16. Oktober 2026
Tech ARP / Dr. Adrian Wong
10. Februar 2026
U.S. Attorney’s Office, Southern District of New York
10. August 2019
William J. Brady et al. / PNAS
26. Juni 2017 (online veröffentlicht)
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
