Die siebte Woche der NFL verläuft insgesamt unrund. Doch für mehrere Teams scheinen die Schritte der nahen Zukunft besiegelt zu sein. Für einen Coach wird es zudem richtig eng.
Fast 40 Prozent der NFL-Saison sind gespielt. Vielerorts herrscht noch Hoffnung auf die Playoffs, doch für ein paar Teams stehen nun harte Entscheidungen an. Allen voran gilt das für die Indianapolis Colts, bei denen es nach der bitteren 10:16-Niederlage in Minnesota ungemütlicher denn je wird.
Der Umbau der Colts hat bereits begonnen. In der vergangenen Woche wurde General Manager Chris Ballard, dessen Vertrag ohnehin am Saisonende ausgelaufen wäre, freigestellt. Seine Zukunft in Indy war fraglich, nun haben die Colts vorzeitig die Reißleine gezogen. Die Klub-Spitze um Besitzerin und CEO Carlie Irsay-Gordon will keine Zeit verschwenden und sofort mit einer breit angelegten Suche nach einem Nachfolger beginnen.
Doch realistisch wird ein solcher erst zur neuen Saison kommen. Schon jetzt jedoch könnte ein aggressiver Ausverkauf anstehen. Die Colts haben mehr als 20 Spieler im Kader, deren Verträge am Saisonende auslaufen. Kein Wunder, dass sich daher die Frage stellt, ob nicht jetzt die Zeit wäre, den einen oder anderen wertvollen – oder teuren? – Spieler gegen eine entsprechende Kompensation abzugeben.
Die Colts stehen nach der Niederlage in Minneapolis bei 2-5. Ihre Playoff-Chancen sind auf nur noch sieben Prozent geschrumpft basierend auf dem Prognose-Modell von „The Athletic“. Will man aus dieser ohnehin schon so gut wie verlorenen Saison noch etwas machen, sind Trades für eine bessere Zukunft nötig – durch den letztjährigen Trade für Sauce Gardner hat man auch 2027 keinen Erstrundenpick im Draft. Der wertvollste Spieler im Kader ist zweifelsohne Running Back Jonathan Taylor, der im Gegensatz zu den übrigen Spielern, die laut ESPNs Jeremy Fowler oben auf der Liste möglicher Abgänge stehen, noch über die Saison hinaus unter Vertrag steht. Sein Arbeitspapier geht bis 2028.
Sprich: Einen relativ hohen Draftpick – womöglich am zweiten Tag – würde nur Taylor einbringen. Weitere Spieler, die Fowler namentlich erwähnte, sind die Defensive Tackles DeForest Buckner und Grover Stewart sowie der dreimalige All-Pro-Guard Quenton Nelson. Jene haben Verträge, die am Saisonende auslaufen, was hohe Preise eher schwierig gestaltet.
Generell soll aber kein Spieler im Kader unantastbar sein. Die Trade Deadline ist am 10. November. Gut möglich, dass Interessenten aber schon vor Ende Oktober anklopfen.
Rückschlag für die Texans
Wer mit 0-4 in eine Saison startet, kann die Playoffs rein statistisch im Grunde sicher abschreiben. Die Houston Texans jedoch erweckten in den vergangenen Wochen den Eindruck, dass sie diese fast an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit überwinden könnten. Sie gewannen zwei Spiele am Stück und überzeugten vor allem offensiv.
Die dadurch entfachte Euphorie hielt jedoch nicht allzu lange. Am Sonntag verlor man nämlich sang- und klanglos gegen die New York Giants. Zwar rettete man sich am Ende noch in die Overtime, doch dort war dann nach einem schnellen Punt relativ zügig Schluss. Unterm Strich funktionierte dieses Mal nicht mal die zuletzt gute Offense.
Die Giants erzielten 420 Netto-Yards, die Texans gerade mal 237. Vor allem dominierten die G-Men im Run Game und brachten es auf 188 Yards oder 5,5 Yards im Schnitt auf dem Boden. Die einst elitäre Defense der Texans hatte keine Antworten darauf. Zwar gab es im Spiel keine Ballverluste, doch stand sich Houston mit insgesamt zehn Strafen (80 Yards) zu oft selbst im Weg.
Bitter auch: Neuzugang Marvin Harrison erzielte seinen ersten Touchdown für die Texans und Tank Dell kehrte nach langer Leidenszeit auf den Platz zurück. Doch all das half nicht, um das Momentum am Leben zu halten. Die Playoff-Chancen sind nun auf 20 Prozent geschrumpft, aber mit dieser Defense wird es in jedem Fall schwer, sich über Wasser zu halten.
Giants schocken Texans in der Overtime
War es das für Aaron Glenn?
Bei den Jets spricht man natürlich nicht von Playoffs. Das hat dort niemand erwartet und es wäre auch nicht realistisch. Doch war das Ziel für diese Saison, Fortschritte zu zeigen. Nachzuweisen, dass es in die richtige Richtung geht unter Head Coach Aaron Glenn, der ein unrühmliches erstes Jahr hingelegt hatte. Entsprechend war ein Heimsieg über die sieglosen Miami Dolphins durchaus eingeplant. Anders formuliert: das war Pflicht.
Es kam ganz anders. Die Dolphins, die in diesem Jahr zuvor noch nicht mal in Führung lagen, kamen ins MetLife Stadium und schnappten sich mit ihrer zusammengewürfelten Truppe den ersten Saisonsieg und den ersten Sieg überhaupt für Head Coach Jeff Hafley. Mehr noch: diese 25:28-Niederlage war ein Systemabsturz auf allen Ebenen.
Glenn stellte mal wieder sein furchtbares Clock-Management unter Beweis und erlaubte es den Dolphins vor der Pause, die Uhr herunter zu spielen und mit sechs Sekunden zu spielen noch einen dritten Touchdown zu erzielen. Die Jets nahmen alle drei Timeouts mit in die Kabine. Offensiv vergaben sie die Chance zum Ausgleich von der 1-Yard-Linie und begnügten sich nach drei negativen Plays mit einem Field Goal bei sieben Punkten Rückstand. Die Defense – Glenns Steckenpferd – fiel ebenfalls häufig auseinander. Safety Minkah Fitzpatrick verpasste einen Tackle bei Caleb Douglas‘ 63-Yard-Touchdown-Catch und Geno Smith warf wie in der Vorwoche eine Interception.
In Woche 8 steht das nächste Heimspiel gegen die Raiders an, die mittlerweile nach gutem Start auch wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind (3-4 nach 3-0-Start). Geht das auch verloren, wird es schwer, ein weiteres Engagement von Glenn zu rechtfertigen.
Verwendete Quelle: ntv.de
