Inflation „weiterhin erhöht“Fed tastet Leitzins trotz Uneinigkeit nicht an
Kurz vor den richtungsweisenden Midterms fasst die US-Notenbank den Leitzins nicht mehr an – trotz hoher Inflation und zwei Währungshüterinnen, die eigentlich dafür wären. Dennoch könnte noch in diesem Jahr eine Änderung vorgenommen werden.
Nach der ersten Zinserhöhung seit rund drei Jahren legt die US-Notenbank Federal Reserve nunmehr eine Pause ein. Der geldpolitische Schlüsselsatz bleibt in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie die Währungshüter um Fed-Chef Kevin Warsh bekannt gaben. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Die Währungshüterinnen Lisa Cook und Beth Hammack votierten für eine Anhebung. Die Notenbank räumte zugleich ein, dass die Inflation „weiterhin erhöht“ sei. Sie signalisierte, dass je nach Inflationsentwicklung weitere Zinserhöhungen folgen könnten.
Die Fed hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz im September angehoben, um die hartnäckige Inflation in Schach zu halten. An den Finanzmärkten wird darüber spekuliert, dass die Notenbank bereits im Dezember mit einer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Preisauftrieb reagieren könnte.
Warsh blieb zuletzt seiner Linie treu, sich zum künftigen Zinskurs bedeckt zu halten. Er ist der Ansicht, dass sich die Märkte an den Fundamentaldaten ausrichten sollten und nicht an Hinweisen der Notenbanker. Mit der Zinspause nur wenige Tage vor den am 3. November anstehenden US-Kongresswahlen dürfte die Notenbank auch Kritik aus dem Weißen Haus aus dem Wege gehen. US-Präsident Donald Trump hatte der Notenbank unter Warshs Vorgänger Jerome Powell immer wieder vorgeworfen, mit ihrer vermeintlich zu straffen Geldpolitik die Wirtschaft zu bremsen. Er dringt trotz der stark steigenden Verbraucherpreise auf kräftige Zinssenkungen.
Trump war im Januar 2025 mit dem Versprechen ins Weiße Haus zurückgekehrt, die Inflation zu senken. Bei den Kongresswahlen wollen seine Republikaner knappe Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen. Ein Verlust der Kontrolle über den Senat oder das Repräsentantenhaus könnte Trumps politische Vorhaben in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit erschweren.
