Digitaler KassensturzBinance gibt nach Hackerangriff Kundenauszahlungen frei
Nach dem Rekord-Hackerangriff auf Binance kommen die Kunden der Kryptobörse mit hoher Wahrscheinlichkeit glimpflich davon. Sie können inzwischen Ihre Einlagen auch wieder abheben.
Nach dem beispiellosen Cyberangriff auf die weltgrößte Digitalwährungsbörse Binance hat das Unternehmen damit begonnen, Kundenauszahlungen in einer ersten Phase wieder freizuschalten. Wie Binance auf der Online-Plattform X mitteilte, gab das Unternehmen unter anderem Kryptowerte wie Bitcoin, Ether, XRP und Dogecoin wieder frei.
Das Unternehmen habe inzwischen 95 Prozent der gestohlenen Summe von insgesamt 6,3 Milliarden Dollar abgedeckt – zuvor war von 90 Prozent die Rede gewesen. Die verbliebenen fünf Prozent bestünden aus weniger liquiden Vermögenswerten, deren Beschaffung in den benötigten Mengen länger dauern könne. Binance hatte nach eigenen Angaben intern rund 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zurückgelegt, um Verluste zu decken.
Um das Vertrauen der Kundschaft wiederherzustellen, kündigte Binance an, am morgigen Montag einen aktualisierten Deckungsnachweis („Proof of Reserves“) vorzulegen. Mit diesem kryptographischen Verfahren können Nutzer rechnerisch überprüfen, ob ihre individuellen Kontoguthaben tatsächlich eins zu eins durch reale Bestände in den Firmen-Wallets hinterlegt sind.
Sollten sich die Angaben der Plattform bestätigen, würde der nach der Schadenssumme von mehr als sechs Milliarden Dollar (rund 5,4 Milliarden Euro) größte Hackerangriff der Krypto-Geschichte für die Kunden glimpflich enden: Da die Börse die Milliardenverluste offenbar vollständig selbst ausgleicht, blieben die Anleger vor direkten Totalverlusten oder zwangsweisen Vermögensschnitten verschont.
Raubzug dauerte 20 Minuten
Die US-Bundespolizei FBI macht eine staatlich unterstützte nordkoreanische Hackergruppe namens „TraderTraitor“ für den Cyberangriff verantwortlich. Ermittler hätten beobachtet, wie Mitglieder der Gruppe die Beute in die Kryptowährung Ether umtauschten, teilte die Behörde am Samstag mit. Das FBI erwarte weitere Geldwäschevorgänge.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Samstag jedoch zurückhaltender. Es sei noch nicht sicher, ob Nordkorea in den Vorfall verwickelt sei, sagte Trump vor Journalisten. Sollte dies der Fall sein, werde man mit der Regierung in Pjöngjang darüber sprechen. Nordkorea bestreitet seit Jahren Vorwürfe, staatliche Cyber-Einheiten für Spionage oder Finanzdiebstähle einzusetzen.
Der Großteil des Diebstahls hatte sich am späten Donnerstag innerhalb von rund 20 Minuten abgespielt. Nach Angaben von Co-Chef Richard Teng handelte es sich um einen komplexen Angriff, bei dem sich die Täter über einen gehackten Laptop Zugriff verschafften und Schadsoftware nutzten, um Spuren zu verwischen. Das Einfrieren betroffener Vermögenswerte trug nach Unternehmensangaben zur Schadensbegrenzung bei. Binance habe zusammen mit Partnern bis Freitag rund drei Milliarden Dollar blockiert.
Binance-Gründer Changpeng Zhao dankte den US-Behörden auf X für die Unterstützung bei der Verfolgung und dem Einfrieren der Vermögenswerte. Sie hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass der Bitcoin-Kurs nach dem Angriff nicht stärker eingebrochen sei. Die Kryptobörse hat weltweit rund 335 Millionen registrierte Nutzer und verwaltete dem Jahresbericht für 2025 zufolge ein Vermögen von 162,8 Milliarden Dollar.
