Charme statt WarnsignaleStudie: Psychopathen haben mehr Chancen auf zweites Date
Ein Experiment mit Studierenden offenbart einen unerwarteten Vorteil dunkler Persönlichkeitszüge: Wer psychopathische oder sadistische Züge hat, erhält beim Speed-Dating häufiger die Einladung für ein zweites Date. Als Ursache vermuten die Forscher einen besonderen Vibe.
Menschen mit stärker ausgeprägten psychopathischen und sadistischen Persönlichkeitszügen haben einer US-Studie zufolge beim Speed-Dating bessere Chancen auf ein zweites Treffen. Das schreibt ein Forschungsteam der University of Alabama im Fachjournal „Journal of Research in Personality“.
Für die Studie füllten 129 heterosexuelle Studierende zunächst Fragebögen zu Psychopathie und Sadismus aus. Anschließend nahmen sie an einer von acht Speed-Dating-Veranstaltungen teil. Insgesamt kamen 561 Dates von jeweils drei Minuten zustande, im Schnitt 8,7 pro Person. Nach jedem Treffen bewerteten die Teilnehmenden ihr Gegenüber etwa nach Attraktivität, Humor, Intelligenz, Ehrgeiz und Freundlichkeit. Zudem gaben sie an, ob sie die Person wiedersehen wollten.
Teilnehmende mit hohen Psychopathie-Werten wurden in 53 Prozent der Fälle für ein zweites Date ausgewählt, solche mit unterdurchschnittlichen Werten in 43 Prozent. Bei sadistischen Zügen lag das Verhältnis bei 54 zu 42 Prozent. Der Effekt zeigte sich demnach bei beiden Geschlechtern. „Bei einem kurzen ersten Date schienen die Menschen im Allgemeinen nicht in der Lage zu sein, Warnsignale zu erkennen, die mit erhöhter Psychopathie oder Sadismus zusammenhängen“, sagte Co-Autor Braden Hall der „Daily Mail“.
„Selbstbewusste Kühnheit“ in Stresssituation
Doch was macht Menschen mit dunklen Persönlichkeitszügen so attraktiv? Den Forschern zufolge geht der Vorteil vollständig darauf zurück, dass diese Menschen bestimmte Eigenschaften ausstrahlen, die mit Durchsetzungsstärke verbunden sind – etwa körperliche Attraktivität und Humor. „Menschen mit höheren Psychopathie- und Sadismuswerten gelingt es, auf eine Weise aufzutreten, die für selbstbewusste Kühnheit steht (selbstsicher, unterhaltsam, gut aussehend)“, schreiben sie.
Als mögliche Erklärung verweisen die Autoren auf die Stresssituation. Speed-Dating könne angstauslösend sein. Menschen mit psychopathischen und sadistischen Zügen reagierten in solchen Lagen in der Regel weniger stark. „Das könnte es ihnen ermöglichen, bei ersten Begegnungen aufzublühen, da sie so gesellig, unbeschwert und witzig wirken statt ängstlich, übervorsichtig und zurückhaltend.“
Serienmörder in Dating Show
Die Forscher erinnern an Fälle wie den des Serienmörders Ted Bundy, der Charme und gutes Aussehen nutzte, um Opfer anzulocken. Der Serienmörder Rodney Alcala trat in der US-Fernsehshow „The Dating Game“ auf und gewann. Wie solche Menschen bei realen Dates wahrgenommen werden, sei aber kaum erforscht. Die Studie untersuchte keine klinisch diagnostizierten Psychopathen, sondern die Ausprägung der Merkmale in einer nicht-klinischen Stichprobe.
Frühere Studien waren zu uneinheitlichen Ergebnissen gekommen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 mit 90 Teilnehmenden fand, dass Frauen, nicht aber Männer, mit höheren Psychopathie-Werten häufiger für ein zweites Date ausgewählt wurden. Eine 2026 veröffentlichte Studie mit 128 Teilnehmenden fand dagegen keinen Zusammenhang bei Psychopathie. Höhere Sadismuswerte gingen teilweise sogar mit geringerem Interesse einher. Die Autoren der neuen Studie führen das unter anderem auf unterschiedliche Messinstrumente zurück – so sei in der Studie von 2026 lediglich körperliche Attraktivität bewertet worden.
