Hybrider Angriff auf Europa?Bombendrohungen und gehackte Systeme – Spanien sieht Muster
Erst Cyberangriffe auf Supermärkte, dann Bombendrohungen gegen Flüge und Redaktionen: Die sicherheitsrelevanten Vorfälle in Europa häufen sich. Spaniens Außenminister ist sich sicher, „dass das kein Zufall ist“.
Der spanische Außenminister José Manuel Albares zeigt sich sicher, dass es sich bei den zahlreichen Bombendrohungen gegen Flugzeuge um einen Angriff autokratischer Kräfte auf Europas Demokratie handelt. „Es ist klar, dass das kein Zufall ist“, sagte er im TV-Sender RTVE und sprach von einem „Versuch hybrider Aggression und psychologischer Kriegsführung“. Er nannte keine Ländernamen, aber in der Regel verweisen westliche Sicherheitskreise bei derartigen Vorwürfen auf Russland, den Iran, Nordkorea oder auch China.
Auch die Hackerangriffe auf digitale Plattformen oder die Kühlanlagen von Supermärkten passen nach Worten von Albares in dieses Muster. „Es gibt Akteure auf der Welt, die auf diese Weise handeln, um Europa zu schwächen“, betonte er. Europa sei ein Projekt der Hoffnung und stehe für die Verbindung von Demokratie, Toleranz, Wirtschaftswachstum, Umverteilung und sozialer Gerechtigkeit. „Das beunruhigt diejenigen, die zum Recht des Stärkeren zurückkehren wollen“, warnte der Chefdiplomat.
Zugleich räumte Albares ein, es werde sicher noch einige Zeit dauern, bis es Klarheit gebe, wer hinter den Aktionen stecke. „Aber wir werden es herausbekommen“, gab sich der Minister zuversichtlich.
Allein am Freitag waren nach Angaben von Flughäfen und Behörden mindestens 16 Flüge von Bombendrohungen betroffen. In Irland mussten zudem die Redaktionen mehrerer Radio- und Fernsehsender nach Bombendrohungen geräumt werden. Wer hinter den Drohungen steckt, ist weiter unklar. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte ebenfalls, die Anzahl der Fälle deute auf ein koordiniertes Vorgehen hin. Auch die irische Regierung sprach von einer mutmaßlich „koordinierten Stör-Kampagne“.
Redaktionen in Irland und Bulgarien hatten zuvor Droh-E-Mails von einem Absender namens Michail Andropow erhalten. Der irische Rundfunksender RTE evakuierte daraufhin seine Büros. Auch der britische Sender Sky berichtete über eine Sicherheitsbedrohung. Die E-Mails mit dem Betreff „Botschaft an den Westen“ kündigten weitere Angriffe auf Verkehrsmittel in Europa an.
Zu einer Serie von Cyberangriffen auf Kühlanlagen in europäischen Supermärkten hatte sich bereits eine prorussische Hackergruppe bekannt. Wie das Recherchenetzwerk „Correctiv“ berichtet, habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) allerdings noch keine Hinweise, die die Zuschreibungen belegen. „Es ist daher nicht auszuschließen, dass Trittbrettfahrer diese Angriffe ohne Beleg für sich reklamieren“, zitiert das Netzwerk einen BSI-Sprecher.
