Historische Bayern-Verbindung
Achtligist schließt überraschenden Deal ab
Uganda möchte Berliner Touristen ins Land locken – und setzt dabei auf die Unterstützung eines Achtligisten. Der überraschende Deal, der für die Amateure „Neuland“ bedeutet, stärkt erst mal vor allem den Breitensport. Überraschung: Der große FC Bayern kommt in dieser Geschichte gleich zweimal vor.
Der VfB Einheit zu Pankow ist einer der größten Amateurfußballklubs im Berliner Nordosten: Rund 500 Kinder jagen für „Einheit“ dem Ball hinterher, insgesamt schickt der 1893 gegründete Traditionsverein 32 Teams ins Rennen um Tore und Punkte. Im Amateurfußball passieren allerhand Kuriositäten, das wissen sie auch hier oben. Immerhin war mit Max Kruse und dessen BSV Al-Dersimspor II kürzlich ein ehemaliger Nationalspieler auf dem Paul-Zobel-Sportplatz zu Gast – in der Bezirksliga. Doch dass man auf einmal Tourismusbotschafter für ein Tausende Kilometer entferntes Land ist – und damit den gleichen Auftrag erteilt bekommen hat wie einst der FC Bayern München und aktuell der FC Arsenal und andere internationale Topklubs – ist eine neue kuriose Volte: Der VfB Einheit zu Pankow wirbt für „explore Uganda“, die Tourismuskampagne des ostafrikanischen Landes.
„Ein Kind von einem Mitarbeiter der Botschaft Ugandas spielt in der G2, das sind die kleinsten und jüngsten Mitglieder in unserem Verein“, erläutert Dirk Weißbach, der Erste Vorsitzende der Berliner, gegenüber ntv.de die Anbahnung des überraschenden Deals. „Im Nachwuchsbereich ist es wichtig, dass auch die Trainer und Betreuer einen guten Kontakt zu den Eltern aufbauen. Wir benötigen das Vertrauen der Eltern, um auch ein ordentliches Training, entsprechend dem Alter, durchführen zu können. Gleichzeitig versuchen wir, dass jede Mannschaft über die Eltern finanzielle Zuschüsse zur Absicherung des Trainings- und Wettkampfbetriebes akquiriert. Der Papa von der Botschaft hat sich angeboten.“
„Absolutes Neuland“
Während in anderen Jugenden aber Kuchentheken und kleinere Sponsorings Geld in die Kassen spülen, wurde das Engagement Ugandas größer – und man unterzeichnete schließlich mit Vertretern der ugandischen Botschaft in Berlin einen Sponsoringvertrag. Während Ugandas Nachbarland Ruanda in den letzten Jahren viele, viele Millionen Euro für Trikotwerbung bei Weltklubs wie Bayern München oder dem FC Arsenal investierte, geht es in Pankow naturgemäß etwas bescheidener zu: Jessica Namuddu, die für Tourismus-Werbung in der ugandischen Botschaft in Berlin zuständig ist, sagte dem rbb, dass das Engagement weniger als 10.000 Euro kosten würde.
In Uganda mit seinen prächtigen Regenwäldern, üppiger Tier- und Pflanzenwelt und relativer politischer Stabilität soll der Tourismus bald die Landwirtschaft als wichtigsten Wirtschaftszweig ablösen. Der Sport soll dafür – ähnlich wie zuvor in den Golfstaaten – ein Vehikel sein. Im Januar richtet das Land als großes Highlight den Afrika-Cup aus, auch ins europäische Eishockey investiert das Land. Kurios: In einer Fußball-Talkshow des ugandischen Senders „NBS Sports“ wurde die neue Partnerschaft bereits thematisiert – und für zu leicht befunden. „Als Botschaft haben wir einfach nicht so viel Geld, das müsste dann direkt vom Land Uganda kommen“, sagte Namuddu dem rbb. Angesichts von 150 bis 200 Zuschauern bei den Spielen der ersten Mannschaft glaube man eher an die Kraft der lokalen Gemeinschaft. Der Deal mit dem Stadtteilklub sei aber auch ein Test, um perspektivisch auch an Arrangements mit größeren Klubs zu arbeiten. Auch für Einheit sei ein Sponsorendeal in dieser Größenordnung „absolutes Neuland“, sagt Weißbach.
Als erste sichtbare Folge des ugandischen Aufschlags im deutschen Amateurfußball wird künftig die erste Männermannschaft und die G-Jugend der Berliner mit „explore Uganda“ auf der Brust auflaufen. Große sportliche Träumereien brechen bei Einheit nun im Lichte des überraschenden Deals nicht aus: „Es ist nicht beabsichtigt, in höheren Gefilden spielen zu wollen und das Geld dafür zu nutzen, das wird ausschließlich für die Ausrüstungen der Mannschaften genutzt“, sagt der Erste Vorsitzende. Der FC Bayern hat sein Engagement für Ruanda, das zuletzt rund fünf Millionen Euro gebracht haben soll, nach Kritik aus der Fanszene, der Klub würde Sportswashing betreiben, inzwischen wieder beendet.
Auch in Uganda gibt es Missstände, das Land liegt im weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex auf Rang 148, das Auswärtige Amt warnt Mitglieder der LGBTQ-Community vor Reisen in das Land, das erst 2023 ein verschärftes Gesetz gegen Homosexualität verabschiedet hat. Weißbach, der als Ehrenamtler dem engagierten Breitensportverein vorsteht, wolle sich „dazu nicht groß äußern. Als sportlicher Verein sind wir schon per Satzung dafür, Neutralität zu wahren.“
Mit dem FC Bayern eng verbunden
Apropos FC Bayern: Mit dem verbindet die Pankower eine ganz besondere Geschichte. Franz John, Mitgründer und erster Präsident des FC Bayern, war vor seinem Umzug nach Schwabing beim damaligen VfB Pankow tätig. „Wir haben zweimal versucht, aufgrund unseres gemeinsamen Gründers mit dem FC Bayern Kontakt aufzunehmen. Zuletzt im Vorfeld unseres 125-jährigen Jubiläums“, berichtet Weißbach. „Der Brief an Uli Hoeneß, den damaligen Präsidenten des FC Bayern, blieb persönlich unbeantwortet. Die Geschäftsstelle gab uns ein kurzes Statement und sendete uns ein Paket mit Fanartikeln des FC Bayern, die von der Jugendabteilung dankend angenommen wurde.“
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte habe aber noch eine andere, besondere Folge gehabt: „Die Geschichte um Franz John und dessen Grabstätte hat mich dazu bewogen, etwas zu verändern. Seit November 2025, nach fünfjähriger Bearbeitung, besitzt der VfB/Einheit eine Grabstätte gegenüber dem Sportplatz, wo bei Bedarf unsere verdienstvollen Mitglieder ihre letzte Ruhestätte, mit Blick zum Stadion, erwerben können.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
