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Libanon: Krieg trotz Waffenruhe | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.05.2026 • 17:36 Uhr

Mehr als 40 Menschen starben am Wochenende durch israelische Angriffe im Libanon. Die Hisbollah-Miliz schoss erneut Raketen Richtung Israel. Die Waffenruhe existiert vielerorts nur noch auf dem Papier.

Anna Osius

Sie graben mit Baggern in den Trümmern, tragen den Schutt eines völlig zerbombten Hauses ab. Nichts ist mehr übriggeblieben von dem Ort im Süden des Libanon, der mal ein Zuhause war, erzählt Anwohner Haitham der Nachrichtenagentur Reuters. „Es gab drei Tote hier, es war das Geschäft meines Bruders. Hier ist kein militärisches Gebiet, die Hisbollah ist hier nicht.“

Aussage gegen Aussage

Aussage steht gegen Aussage: Israel sagt, die Hisbollah breche die Waffenruhe und man verteidige sich entsprechend – die Miliz behauptet das Gegenteil.

Und der Krieg geht weiter: Israel hat seine Angriffe gegen die Hisbollah im Süden des Libanon deutlich verstärkt. Dabei sterben immer wieder auch Zivilisten. Mehr als 40 Tote binnen 24 Stunden meldete das libanesische Gesundheitsministerium am Wochenende. Auch die Hisbollah schießt erneut Richtung Nordisrael – die eigentlich geltende Waffenruhe im Libanon existiert nur noch auf dem Papier.

Immer wieder kommen israelische Warnungen an die Bevölkerung, ihre Dörfer sofort zu räumen. „Jeden Tag wird den Bewohnern einer Reihe von Dörfern befohlen, diese zu verlassen“, so der politische Journalist im Libanon Nikola Nassif bei Al Jazeera. „Das ist mittlerweile Teil des Alltags geworden.“

In vielen südlibanesischen Orten wurden bei israelischen Luftangriffen Gebäude komplett zerstört.

Völkerrechtswidrige Pufferzone?

Israel bleibt im Süden des Landes stationiert, will eine sogenannte Pufferzone einrichten. Der Libanon sieht das als Landbesetzung und völkerrechtswidrige Vertreibung. Und je stärker die israelischen Luftangriffe, desto größer wirkt der Rückhalt der mit Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der Bevölkerung.

Die libanesische Regierung ist zu schwach, um Israel zu stoppen oder die Hisbollah zu entwaffnen. „Der Libanon kann keinen direkten Druck auf Israel ausüben, damit die Angriffe eingestellt werden, und auch nicht auf die Hisbollah, damit sie die Kämpfe beendet“, sagt Journalist Nassif. „Das Argument der Hisbollah: Sie verteidige ihr Land.“

Die USA seien die einzige Instanz, die Israel zu einem Waffenstillstand verpflichten könne, glaubt Nassif. „So haben die USA Israel dazu bewegt, Beirut und die südlichen Vororte nicht mehr zu beschießen, woran sich Israel bisher hält. Aber im Süden des Landes ist die Lage völlig anders.“

Viele Helfer bei Angriffen getötet

Besonders problematisch: Bei den israelischen Luftangriffen im Südlibanon sterben immer wieder auch Helfer wie Sanitäter oder Ärzte.

„Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen seit Beginn des Konflikts auf 149 gestiegen, mit 100 Toten und 233 Verletzten“, sagt UN-Sprecher Stephane Dujarric. „Angriffe auf Zivilisten, zivile Infrastruktur und Gesundheitspersonal sind nicht nur inakzeptabel, sondern verstoßen auch gegen das humanitäre Völkerrecht.“

Xavier Castellanos Mosquera von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften berichtet von Helfern, die sich mit ihren Teamkollegen umarmen, bevor sie losfahren. „Weil sie nicht wissen, ob sie heil zurückkommen. Das ist herzzerreißend.“ In der heutigen Zeit, mit der heutigen Technologie finde er es unvorstellbar, dass man sagen müsse: „Ich werde Leben retten“ – ohne zu wissen, ob man dabei selbst getötet werde. „Das darf nicht passieren!“

Direkte Gespräche?

Mitte Mai endet die dreiwöchige Waffenruhe im Libanon – und Beobachter bezweifeln, dass sie verlängert wird. US-Präsident Donald Trump will nach den ersten Treffen auf Diplomatenebene nun direkte Gespräche von Israels Premier Benjamin Netanjahu mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Doch der fordert zunächst Verhandlungsergebnisse und will in der momentanen Zeit nicht die Hand von Netanjahu schütteln.

„Das militärische Vorgehen wird das Problem sehr wahrscheinlich nicht lösen“, sagte Elisa Ewers, Nahost-Expertin vom Council on Foreign Relations in Washington schon vor einigen Tagen. Das Fenster für diplomatische Gespräche sei derzeit offen, „aber nicht sehr lange, denn die öffentliche Wut im Libanon auf Israel steigt. Deshalb ist eine Reduktion der Gewalt während der Verhandlungen so wichtig“ Doch der Krieg im Libanon – er geht im Süden trotz Waffenruhe weiter.

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