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Politik

Wer profitiert in Deutschland vom KI-Boom?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.05.2026 • 09:08 Uhr

Den KI-Boom treiben einige wenige US-Konzerne voran. Auch deutsche Unternehmen profitieren vom weltweiten Wettrennen um Künstliche Intelligenz. Welche sind das?

Bianca von der Au

Ohne Chips keine KI-Rechenleistung. Von der steigenden Nachfrage profitiert beispielsweise der Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon, der traditionell im Automobilsektor verankert ist. Der DAX-Konzern ist Weltmarktführer bei sogenannten Leistungshalbleitern.

Die sind wichtig für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren, sagt Chef-Investmentstratege Stephan Kemper von der BNP Paribas. „Wo Infineon sehr stark ist, das ist der Bereich des Energiemanagements und auch bei gewissen Sicherheitschips. Themen, die beim Ausbau vom Datencentern immer wichtiger werden, weil Datencenter sehr energieintensiv sind.“

Wachsender Stombedarf durch KI-Anwendungen

Stichwort Energie: Die Rechenleistungen für Künstliche Intelligenz brauchen enorm viel Strom. Und der muss stabil zum Rechenzentrum geliefert werden. Auch hier profitieren deutsche Börsen-Konzerne wie Siemens Energy, aber auch Netzbetreiber wie E.ON und Versorger RWE, die den Strom liefern und die nötigen Netzwerke ausbauen, so Kemper.

Hidden Champion und Weltmarktführer im Bereich Optik

Schaut man in die zweite Börsen-Liga, so sticht ein Traditionsunternehmen ins Auge, das wichtige Laser-Komponenten für die Chip-Maschinenbauer liefert: Jenoptik, ein Unternehmen aus dem Bereich Optik und Photonik. „Ein Unternehmen, das wichtige Teile für die Maschinen liefert, mit denen man Chips herstellen kann“, so Anlagestratege Kemper.

Jenoptik liefert optische Geräte, Laser und Messtechnik für die Halbleiter-Produktion und ist nach Angaben von Aktienanalyst David Houdek vom Vermögensverwalter Acatis ein Unternehmen, das mit Blick auf Künstliche Intelligenz etwas „unterm Radar“ fliegt.

„Eine Jenoptik ist ein hervorragendes Beispiel für einen deutschen Enabler – also Möglichmacher – von Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen liefert weltweit einzigartige optische Schlüsselkomponenten für die Lithographiemaschinen des niederländischen Chip-Maschinenbauers ASML.“ ASML ist weltweitführender Anbieter in diesem Bereich und Europas wertvollster Börsenkonzern.

Daten als Schatz, der gehoben werden muss?

Zurück zur ersten deutschen Börsen-Liga: Hier sind mit Blick auf KI-Anwendung die DAX-Schwergewichte SAP und Siemens ganz vorne mit dabei. SAP wurde an der Börse zuletzt abgestraft, weil Investoren fürchten, Künstliche Intelligenz könne die Software von SAP überflüssig machen. Zu Unrecht, meint Aktienanalyst Houdek von Acatis. „SAP wird nicht als KI-Gewinner wahrgenommen, aber SAP sitzt auf einem echten Goldschatz an Unternehmensdaten. Die haben die Daten von über 400 Tausend Unternehmen: Finanzdaten, Logistik-Daten, Personaldaten, also das Herzstück jedes Unternehmens.“

Der Ansicht ist auch Marktkenner Stephan Kemper von der BNP Paribas: „Was wir haben sind extrem gute, extrem spezialisierte Industriekonzerne, die über Jahrzehnte, teilweise Jahrunderte alte Produktionserfahrung und damit Daten verfügen. Und diese Daten werden sich irgendwann als Schatz erweisen.“ Denn diese Daten seien nicht öffentlich verfügbar. Die Unternehmen können nach Ansicht von Kemper mithilfe von KI diese Daten auswerten und dann daraus weitere Nutzen ziehen.

Siemens treibt KI in der Industrie voran

DAX-Schwergewicht Siemens hat unter Leitung seines Vorstandsvorsitzenden Roland Busch und dessen Vorgänger Joe Kaeser den Wandel vom Industrie-Konglomerat hin zum Technologie-Konzern vollzogen und treibt die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Industrie voran. Allerdings fehle die Bereitschaft vieler Kunden, diesen Schritt mitzugehen, so Vermögensverwalter Houdek von Acatis.

„Die Herausforderung bei Siemens ist, die verkaufen die Vision der autonomen Fabrik. Doch die Realität im deutschen Mittelstand ist leider noch geprägt von Excell-Tabellen und Daten-Silos, also die Unternehmen selber, die Kunden von Siemens, die müssen ja auch bereit für die KI-Revolution sein.“

Kein deutsches Google

Nach Ansicht von Marktbeobachter Kemper von der BNP Paribas sind es derzeit nur sehr wenige Unternehmen in Deutschland, die von Künstlicher Intelligenz profitieren und sogar Teil der Wertschöpfungskette sind. „Wir haben sicherlich einige Unternehmen, die als Ausrüster in der Lieferkette einen wesentlichen Teil anstrengen, darüber hinaus haben wir aber keine Hyperscaler. Wir haben kein deutsches Google oder ähnliches.“

Und so wird der überragend große Teil der Wertschöpfung auch nicht von deutschen Unternehmen abgeschöpft, so Houdek von der Vermögensverwaltung Acatis. „Ein großer Teil der hohen Margen landet nicht in Walldorf, sondern im Silicon Valley.“

US-Konzerne diktieren den Preis?

Deutschland droht laut Houdek zum reinen Anwender von KI zu werden, „und am Ende diktieren dann die US-Konzerne die Preise.“ Dafür gehen deutsche Unternehmen auch nicht das finanzielle Risiko ein, was die US-Konzerne tragen. Hunderte Milliarden Dollar an Investitionen in eine Wette, deren Ende offen ist.

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