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Startseite»Politik»Haben die USA zu wenig Raketen für eine Eskalation mit Iran?
Politik

Haben die USA zu wenig Raketen für eine Eskalation mit Iran?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 5, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.08.2026 • 18:40 Uhr

Berichte mehrerer Medien erzürnen die Trump-Regierung. Demnach seien die Raketen-Bestände des US-Militärs drastisch geschrumpft. Dies habe auch die Entscheidung über neue Angriffe auf Iran beeinflusst. Das Pentagon dementiert energisch.

Eckart Aretz

Diese Nachrichten kommen für die US-Regierung zur Unzeit: Seit Tagen berichten mehrere internationale Medien darüber, dass der US-Armee ihre Abwehrraketen und Raketen mit großer Reichweite ausgehen. Die Meldungen fallen in eine Zeit, in der US-Präsident Donald Trump wechselweise schwere Angriffe auf Iran androht, Verhandlungen mit Vertretern Teherans verkündet und von einem bevorstehenden Abkommen mit Teheran spricht.

Die Berichte zeichnen indes ein anderes Bild von den militärischen Fähigkeiten des USA. Demnach habe der hohe Verbrauch der vergangenen Monate nicht nur Einfluss auf die Frage, ob man Iran erneut massiv angreife, sondern auch auf das strategische Gleichgewicht im asiatisch-pazifischen Raum. Die Ukraine wiederum spürt die knapperen Bestände schon jetzt – mit erheblichen Folgen. Die US-Regierung bestreitet die Berichte vehement.

Auslöser der Debatten sind vor allem drei Berichte: Ende Juli hatte die US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) ein Papier veröffentlicht, demzufolge den USA noch bis zu knapp 830 „Patriot“-Abwehrraketen zur Verfügung stünden. Vor dem Iran-Krieg seien es geschätzt rund 2.300 gewesen.

Der Bestand an THAAD-Abwehrraketen, die Kurz- und Mittelstreckenraketen abwehren können, sei seit Kriegsbeginn von 452 auf 278 zurückgegangen. Das CSIS vertiefte damit eine Analyse vom vergangenen April, in dem es die Folgen des Iran-Kriegs für künftige militärische Auseinandersetzungen beleuchtete.

Viel verschossen

Zu Wochenbeginn berichteten dann der US-TV-Sender CNN sowie die Nachrichtenagentur Reuters über interne Erhebungen des US-Verteidigungsministeriums. Demnach sei der Vorrat an offensiven Flugkörpern vom Typ Army Tactical Missile Systems (ATACMS) und Precision Strike Missiles (PrSM) großteils aufgebraucht. „Nahezu alle“ dieser Waffen seien eingesetzt worden, zitiert Reuters zwei namentlich nicht genannte Insider.

ATACMS-Raketen haben eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern und werden nicht nur gegen Iran, sondern auch von der Ukraine im Abwehrkrieg gegen Russland eingesetzt. Sie sollen langfristig durch PrSM mit größerer Reichweite ersetzt werden.

Darüber hinaus hätten die USA seit Beginn des Iran-Kriegs rund die Hälfte ihres weltweiten Bestands an „Tomahawks“ verbraucht, berichtete Reuters weiter. Diese Marschflugkörper werden von Schiffen und U-Booten gestartet. Über den hohen Verbrauch an „Tomahawk“-Raketen hatte zuvor auch CNN berichtet.

Auch die Verbündeten sind besorgt

CNN zitierte hochrangige US-Kommandeure mit den Worten, der Vorrat an Munition sei „gefährlich niedrig“. Dieser Umstand sei vergangene Woche erneut bei internen Beratungen der US-Regierung über das weitere Vorgehen gegenüber Iran zur Sprache gekommen. Berater Trumps hätten vor einem weiteren Schwinden der Vorräte durch eine neue Eskalation der Auseinandersetzung gewarnt.

Zudem hätten arabische Verbündeten der USA ihre Sorge deutlich gemacht, dann Ziel von iranischer Vergeltung zu werden. Diese Erwägungen hätten dann zu einem Sinneswandel im Weißen Haus geführt. Trump, der Iran seit Wochen immer wieder mit heftigen Angriffen bis hin zur völligen Vernichtung droht, zog am Wochenende eine zuvor erteilte Genehmigung massiver Angriffe auf Iran zurück.

Langfristige Erwägungen sollen dabei auch eine Rolle gespielt haben. So gebe es die Sorge, dass die niedrigen Raketenbestände die Fähigkeit der USA beeinträchtigen würden, eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Russland, China oder Nordkorea zu führen.

Angeblich wurden seit Beginn des Iran-Kriegs 50 Prozent der Tomahawk-Raketen der USA verschossen.

Langwierige Produktion

Die Sorgen der Militärs dürften auch darauf fußen, dass die Raketenbestände größtenteils nur langsam wieder aufgefüllt werden können. Laut CNN erhalten die USA derzeit pro Monat rund 15 neue „Tomahawks“ und 20 neue „Patriot“-Raketen. Angesichts der langen Produktionszeiten könne es bis zu zwei Jahren dauern, bis die Vorräte wieder aufgefüllt seien.

Andere Raketen wie die PrSM könnten allerdings schneller ersetzt werden und schon Mitte kommenden Jahres wieder auf Vorkriegsniveau zur Verfügung stehen, schreibt das CSIS.

Geschwächte Luftverteidigung der Ukraine

Besonders drastisch wirkt sich der begrenzte Bestand an „Patriot“-Abwehrraketen in der Ukraine aus. Das Militär ist derzeit kaum in der Lage, russische Raketen abzufangen. Vergangene Nacht wurde das Land nach ukrainischen Angaben unter anderem mit 28 Raketen angegriffen, keine einzige sei abgefangen worden. In der Nacht zum Samstag sei nur eine einzige abgefangen worden.

US-Präsident Trump hat der Ukraine grundsätzlich die Erlaubnis erteilt, selbst „Patriots“ zu produzieren. Details sind aber noch unklar, und es kann Monate dauern, bis die Produktion anläuft.

Unterdessen steigt die Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine. Für Zivilistinnen und Zivilisten war der Juli der tödlichste Monat seit Beginn von Russlands Großangriff 2022. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in nur zweieinhalb Wochen 170 Menschen getötet. Damit war der Höchststand aus dem Juni bereits im Folgemonat eingeholt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bittet deshalb immer wieder um die Bereitstellung von weiteren „Patriot“-Raketen.

Energische Dementi

Die US-Regierung war den Berichten über Munitionsmangel schon zu Wochenbeginn entgegengetreten. Trump erklärte, die USA hätten „weitaus mehr Munition als irgendwer auf der Welt“ und auch „weit mehr, als wir brauchen“. Auch produzierten die Rüstungsunternehmen mehr Munition „als jemals zuvor“. Pentagon-Sprecher Sean Parnell betonte, das Militär habe „alles, was es brauche“, um die Entscheidungen des Präsidenten umzusetzen.

Am Dienstag legte Verteidigungsminister Pete Hegseth nach und griff CNN scharf an. Hegseth, der von der US-Regierung „Kriegsminister“ genannt wird, schrieb auf der Plattform X zu einem entsprechenden Insert von CNN über den hohen Verbrauch an Raketen: „Dieses Banner ist NICHT WAHR, @CNN. Schämt euch.“

Dazu postete er das entsprechende Bild eines Fernsehbildschirms. Er sprach von hassenswerten Fake-News-Medien.

US-Verteidigungsministerium oder Kriegsministerium?

Die von Präsident Trump vorangetriebene Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium (Department of War) geht voran. Die gesetzliche Grundlage nahm im Repräsentantenhaus die erste Hürde, nun muss nur der Senat noch zustimmen. Bereits im Herbst 2025 verfügte Trump per Dekret die Umbenennung. Wer unmittelbar nach der Unterzeichnung des Dekrets den X-Account des Ministeriums und die Website aufrief, sah den neuen Namen.

Solange aber die offizielle Umbenennung per Gesetz noch ausstand, wurde in Nachrichtentexten auf tagesschau.de überwiegend die bisherige Bezeichnung Verteidigungsministerium oder Pentagon verwendet, oft verbunden mit dem Zusatz, dass sich das Ministerium selbst Kriegsministerium nennt. Bei der schriftlichen Einblendung des Titels in Fernsehbeiträgen der tagesschau kam die Bezeichnung zum Einsatz, die auch die jeweilige Institution benutzt, also Kriegsministerium bzw. Kriegsminister Hegseth.

Sobald das entsprechende Gesetz auch die zweite US-Kammer passiert hat, ist die Namensänderung offiziell – und Pete Hegseth damit Kriegsminister.
Der Name Kriegsministerium in den USA ist nicht neu. Er wurde auch bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet.

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