Nachdem es mehrere Hantavirus-Fälle und drei Tote gab, ist das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ unterwegs nach Teneriffa. Mehrere Verdachtsfälle sind in die Niederlande gebracht worden. Fünf Fälle wurden durch Labortests bestätigt.
Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das nach einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch vor Kap Verde tagelang vor Anker lag, hat die Inselgruppe vor der Westküste Afrikas verlassen. Nach tagelanger Unsicherheit gibt es damit endlich Aussicht für die knapp 150 Menschen an Bord. Spanien erteilte dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff die Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen.
Die „Hondius“ legte vor Kap Verde ab und nahm Kurs auf die Kanareninsel Teneriffa, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP feststellte. Laut der Website Marine Traffic war das Schiff am Mittwochabend „unterwegs“. Die „Hondius“ werde „innerhalb von drei Tagen“ im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen, teilte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mit.
Auf Teneriffa gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.
Flugzeug bringt Infizierte nach Amsterdam
Drei Menschen wurden inzwischen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten. Sie seien mit zwei Spezialflugzeugen unterwegs in die Niederlande, hieß es. Eines der beiden Flugzeuge landete am Abend auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam.
Der zweite Flieger mit zwei Patienten an Bord musste einen technischen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Grund sei ein Defekt an einer Isolationskapsel, berichtete der TV-Sender RTVE am Abend unter Berufung auf die Delegation der spanischen Zentralregierung auf den Kanaren. Die Insassen sollen an Bord bleiben, der Flug werde bald fortgesetzt. Marokko habe zuvor eine Landung auf seinem Staatsgebiet verweigert, hieß.
Zu den drei Personen, die zunächst in die Niederlande geflogen werden, gehört laut Ministerium eine 65 Jahre alte Deutsche, die in engem Kontakt mit der deutschen Frau stand, die an Bord gestorben war. Die 65-Jährige solle in einer Klinik in Düsseldorf untersucht werden. Sie habe bisher keine Symptome.
Die beiden anderen Personen sind Crew-Mitglieder. Ein Brite und ein Niederländer sind nach Angaben der Reederei krank und brauchen dringend medizinische Hilfe.
Inzwischen fünf Fälle durch Labortests bestätigt
Nach WHO-Angaben sind bislang acht mutmaßliche Hantavirus-Fälle registriert worden, fünf davon wurden durch Labortests bestätigt. Drei Menschen sind gestorben – ein Ehepaar aus den Niederlanden und ein Passagier aus Deutschland.
Das südafrikanische Gesundheitsministerium teilte mit, dass bei zwei Passagieren der „Hondius“ der sogenannte Andes-Typ des Erregers nachgewiesen worden sei. Bei einer von ihnen handelt es sich um eine Niederländerin, die das Kreuzfahrtschiff bei einem Stopp auf St. Helena verlassen hatte und nach Südafrika ausgeflogen worden war, wo sie starb. Vor der Insel im Südatlantik war zuvor die Leiche ihres Mannes von der „Hondius“ geholt worden – vermutlich der erste Hantavirus-Fall an Bord des Schiffes.
Das Hantavirus wird hauptsächlich durch Kontakt mit Nagetieren oder deren Urin, Speichel oder Kot übertragen, insbesondere wenn diese Stoffe aufgewirbelt werden und in die Luft gelangen, wo sie eingeatmet werden können. Laut den US-Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) verursachen Hantaviren zwei schwerwiegende Krankheitsbilder: das Hantavirus-Lungensyndrom (HPS), das die Lunge befällt, und das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFR), das zu Nierenversagen führen kann.
