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Startseite»Politik»Tag der Bauindustrie: Was bringt neuen Schwung am Bau?
Politik

Tag der Bauindustrie: Was bringt neuen Schwung am Bau?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 7, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.05.2026 • 10:49 Uhr

Die Lage der Bauwirtschaft ist nach wie vor angespannt – trotz neuer Milliardenschulden für Infrastruktur und „Bau-Turbo“. Und Hunderttausende Wohnungen fehlen. Wie lässt sich das ändern? Darüber berät die Branche in Berlin.

In Berlin treffen sich heute beim Tag der Bauindustrie Politik und Branche zum Austausch. Im Zentrum dürfte stehen, was der schwachen Nachfrage am Bau nachhaltig Schwung verleihen kann. Die Bauwirtschaft dürfte eine eher nüchterne Bilanz zu einem Jahr Regierungskoalition ziehen – trotz Sondervermögen und Bau-Turbo. Denn die Zeiten für die Bauindustrie sind schwierig.

Zwar gab es im Januar und Februar dieses Jahres laut dem Statistischen Bundesamt 16 Prozent mehr Baugenehmigungen, und auch im Gesamtjahr 2025 wurden erstmals seit drei Jahren wieder mehr neue Wohnungen genehmigt. Doch eine Genehmigung heißt noch nicht automatisch, dass ein Bauprojekt auch umgesetzt wird. Und der Iran-Krieg gefährdet die Entwicklung. So hat die Sperrung der Straße von Hormus die Energiepreise rasant steigen lassen.

Sondervermögen noch nicht angekommen

Das treibt die Inflation nach oben und verschärft erneut den Materialmangel. Dazu kommt die Sorge vor steigenden Zinsen, die Bau und Kauf teurer machen. So hat sich die Stimmung im Wohnungsbau laut einer Umfrage des ifo-Instituts im März wieder verschlechtert. „Wir haben uns zu Beginn des Jahres viel Hoffnung gemacht, dass die vergangenen fünf Jahre, die für uns nicht gut waren, jetzt ein Ende haben“, sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), im Deutschlandfunk.

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr ein Sondervermögen beschlossen. 500 Milliarden Euro sollen in Infrastruktur und Klimaschutz fließen. Doch in der Bauwirtschaft scheint das noch kaum positive Folgen zu bringen. Das Geld stehe zwar auf dem Papier, sei in der Realität – also etwa in den Aufträgen für Straßen, Schienen und Brücken – aber noch nicht angekommen, so Müller. „Wir warten noch auf die Projekte am Markt.“

Ohnehin ist nur ein kleiner Teil des Sondervermögens Fachleuten zufolge bisher tatsächlich in die vorgesehenen Projekte geflossen. Mit dem Großteil der Milliardenschulden stopfe die Regierung dagegen Haushaltslöcher. Dazu kommen laut Müller lange Planungs- und Genehmigungsverfahren: „Da hängt es, da haben wir einen enormen Stau.“

Bau-Turbo reicht offensichtlich nicht

Um genau solche Prozesse zu beschleunigen, hatte der Bundestag im Oktober den sogenannten Bau-Turbo beschlossen. Damit sind Abweichungen von bauplanungsrechtlichen Vorschriften möglich. Zum Beispiel kann eine Kommune auf die Aufstellung eines aufwendigen Bebauungsplans verzichten oder in begründeten Fällen von Lärmschutzvorgaben absehen.

„Wir merken, dass in den Kommunen an der ein oder anderen Stelle Genehmigungen schneller bearbeitet werden“, sagt HDB-Hauptgeschäftsführer Müller. Das heiße aber nicht, dass die Projekt auch wirtschaftlich umgesetzt werden. „Dafür brauche es eigentlich einen zweiten Bau-Turbo, der die vielen Finanzierungs- und Kostenfragen löst.“ Dabei gehe es um Steuersenkungen oder die Aufstockung von Förderung durch die staatliche KfW-Bank.

Auch Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat den Eindruck, dass der Bau-Turbo noch stottert: „Es gibt ein paar Kommunen, die damit experimentieren. Aber der große Wurf ist es noch nicht.“ Das Problem sei bei den Bauflächen auch gar nicht unbedingt die Vereinfachung, sondern eher der Widerstand von Bürgerinnen und Bürgern. Zudem dauerten Maßnahmen wie der „Gebäudetyp E“ für vereinfachtes Bauen oder die Reformierung der KfW-Programme zu lang. „So verlieren wir viel Zeit“, so der Ökonom im ARD-Morgenmagazin.

IG Bau befürchtet „Wohnarmut“

Neben neuen Straßen und Brücken wird in Deutschland auch dringend zusätzlicher Wohnraum gebraucht: Dem Forschungs- und Beratungsinstituts Pestel zufolge fehlen aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen. „Um das Defizit bis 2030 abzubauen, müssten gut 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden“, sagt der Studienleiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Das Ziel hatte einst auch die Bundesregierungen aufgestellt, es aber nie erreicht. Fertiggestellt wurden von Jahr zu Jahr immer weniger: 2024 waren es noch rund 250.000 neue Wohnungen, im vergangenen Jahr waren es nach IW-Prognose nur lediglich 235.000. Besonders bei Rentnern befürchtet die Gewerkschaft IG Bau eine „massive Wohnarmut“.

„Rund 5,1 Millionen Baby-Boomer werden weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommen“, sagte IG-Bau-Chef Robert Feiger der Rheinischen Post. Spätestens die Miete dränge einen Großteil von ihnen in die „Wohnarmut“. Das bedeute, dass Menschen nach Abzug der Wohnkosten kaum noch genügend Geld zum Leben haben. Mehr Neubau sei „der Schlüssel zum Erfolg für das Ankurbeln der Wirtschaft“.

Preise für Eigentumswohnungen steigen kaum noch

Bei Eigentumswohnungen in Deutschland hat sich die Lage zuletzt dagegen ein wenig entspannt. Die Preise legten im ersten Quartal nur noch um 0,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) mitteilte. Dies sei der niedrigste Zuwachs seit Sommer 2024, als nach längerer Flaute die Preise wieder zu steigen begannen.

„Inflationsbereinigt, also gemessen an der aktuellen Kaufkraft, sind die Preise für Eigentumswohnungen sogar leicht gesunken“, sagte IfW-Projektleiter Jonas Zdrzalek. Einfamilienhäuser verteuerten sich dagegen um 3,2 Prozent und damit deutlich stärker. Die Daten basieren auf notariell beglaubigten Transaktionen.

In den Großstädten verlief die Preisentwicklung für Eigentumswohnungen im Quartalsvergleich sehr unterschiedlich. Den stärksten Zuwachs verzeichnete Leipzig mit einem Plus von 2,5 Prozent. Düsseldorf lag mit 0,3 Prozent leicht im Plus, während die Preise in Köln stagnierten. Rückgänge verzeichneten Berlin (-0,3 Prozent), Frankfurt (-1,4 Prozent) und Stuttgart (-1,9 Prozent).

Mit Informationen von Till Bücker, ARD-Finanzredaktion

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