Noch vor einem Jahr traten sie als beste Freunde auf. Doch dann kamen der Konflikt um Papst Leo XIV. und der Iran-Krieg. Nun gibt es dicke Luft zwischen US-Präsident Trump und Italiens Ministerpräsidentin Meloni.
Sie schienen füreinander bestimmt: Der rechte Bulldozer aus den USA und die clevere Politikerin aus Rom mit neofaschistischer Vergangenheit und rechtskonservativen Zukunftsvisionen für Europa.
Es passte, dass Giorgia Meloni als einzige EU-Regierungschefin zur Amtseinführung von Donald Trump nach Washington reiste – und dies selbstbewusst rechtfertigte. Es sei „sehr, sehr wichtig“ für eine Nation wie Italien, „ein Zeichen zu setzen für den Willen, die Beziehungen zu stärken in einer Zeit, in der die Herausforderungen global und miteinander verflochten sind“, sagte sie damals.
Diplomatische Krise
Eineinhalb Jahre später gibt es keine Vorzugsbeziehungen, sondern eine handfeste diplomatische Krise zwischen Rom und Washington. Und die vermeintlich besten politische Freunde Meloni und Trump sind zu besten Feinden geworden.
Keinen anderen Staats- oder Regierungschef ist Meloni jemals öffentlich so angegangen wie zuletzt den US-Präsidenten. In einem Instagram-Video zischt Italiens Regierungschefin mit fast drohendem Unterton: „An eines sollte er stets denken: Ich und Italien betteln niemals.“ Trump hatte vorher in einem TV-Interview behauptet, Meloni habe bei ihm während des G7-Gipfels um ein gemeinsames Foto angefleht.
Außenpolitischer Eklat
Meloni, in ihrer Ehre getroffen, beließ es nicht beim blitzenden Zorn via Social Media, sondern sorgte dafür, dass Außenminister Antonio Tajani seinen geplanten Staatsbesuch in den USA absagt. Ein Eklat. Der Meloni-Vertraute Nicola Procaccini begründet: „Weder Italien noch Meloni sind Untertanen, sie nehmen von niemandem Befehle an. Das muss Trump zur Kenntnis nehmen“.
Meloni, von ihrer Mutter alleine großgezogen, legt sich besonders gerne mit breitbeinig auftretenden Politikerkollegen an – das weiß man in Italien. Unter anderem der mittlerweile verstorbenen Silvio Berlusconi und Matteo Salvini bekamen dies zu spüren.
Trump legt nach
Trump hat am Wochenende noch einmal nachgelegt und Meloni unterstellt, sie mache sich Sorgen um ihre Umfragewerte und suche deswegen seine Nähe. Italiens Regierungschefin antwortete Trump erneut auf Social Media, diesmal schriftlich, aber nicht weniger emotional: „Was meine Beliebtheit angeht: Deine Freundschaft hat ihr sicherlich nicht geholfen“.
Politische Auswirkungen für Europa
Was als Konflikt „Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn“ zwischen zwei Politikern mit großem Ego durchgehen könnte, hat politische Auswirkungen. Selbst Meloni-Skeptiker in Europa hatten die Hoffnung, Italiens Regierungschefin könne für die EU in schwierigen Zeiten eine Brückenbauerin zu Trump sein. Das Gegenteil ist eingetreten.
Erste Risse wurden deutlich, als sich die Ministerpräsidentin im Streit zwischen Trump und Papst Leo XIV. an die Seite des Kirchenführers stellte. Meloni ärgert sich seit Längerem auch über Trumps Haltung im Ukraine-Konflikt und seinen Umgang mit Putin.
Die Sprunghaftigkeit des Selfmade-Milliardärs sind der Frau fremd, die mehr als ihr halbes Leben straff organisierte Parteipolitik gemacht hat.
Großer Krach wegen Iran-Krieg
Zum großen Krach mit Trump kam es vor wenigen Wochen, als Meloni sich weigerte, den USA für Angriffe auf Iran die Militärbasis Sigonella auf Sizilien zur Verfügung zu stellen. Der von Trump initiierte Krieg – für Italiens Regierungschefin unsinnig: „Unsere Linie ist sehr klar. Italien ist nicht Teil des Konflikts und hat nicht vor, Teil des Konflikts zu werden“, so Meloni.
Spätestens da war es vorbei mit der politischen Freundschaft. Die linke Opposition in Italien verfolgt den Konflikt mit einer gewissen Häme. Meloni, heißt es, falle jetzt auf die Füße, dass sie sich als Freundin Trumps habe profilieren wollen.

