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Startseite»Politik»Hantavirus: Wie geht es mit der „Hondius“ weiter?
Politik

Hantavirus: Wie geht es mit der „Hondius“ weiter?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 7, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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faq

Stand: 07.05.2026 • 12:53 Uhr

Nach mehreren Toten und Hantavirus-Fällen ist das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ unterwegs nach Teneriffa. Was geschieht mit den Infizierten? Weiß man Neues zur Ansteckung? Und wie geht es weiter?

Was ist passiert?

Nach einem Ausbruch des Hantavirus auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff „Hondius“ im Atlantik sind drei Menschen gestorben, darunter auch eine deutsche Passagierin. Das Schiff war unterwegs von Argentinien nach Kap Verde.

Die Deutsche starb laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions am Sonntag. Bereits im April starb ein niederländisches Ehepaar – der Mann an Bord und die Frau auf ihrer Heimreise.

Ein weiterer Passagier, der nachgewiesenermaßen am Hantavirus erkrankt ist, wird auf einer Intensivstation im südafrikanischen Johannesburg behandelt.

Wo ist das Schiff?

Die „Hondius“ hat die Inselgruppe Kap Verde vor der Westküste Afrikas am Mittwoch verlassen und ist unterwegs zur Kanareninsel Teneriffa. Das Schiff werde „innerhalb von drei Tagen“ im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen, teilte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mit.

Spanien hatte in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien entschieden, dem Schiff die Erlaubnis zum Anlegen zu erteilen.

Auf Kap Verde durfte die „Hondius“ nicht anlegen. Das kapverdische Gesundheitsministerium erklärte, die Entscheidung gegen ein Anlegen im Hafen von Praia sei nach einer technischen und epidemiologischen Bewertung getroffen worden. Ziel sei der Schutz der öffentlichen Gesundheit im Land.

Wie geht es den Menschen an Bord?

An Bord des Kreuzfahrtschiffes waren rund 150 Menschen. Nach Angaben des Veranstalters Oceanwide Expeditions verließen 29 Passagiere bereits am 24. April das Schiff bei einem Zwischenstopp auf der britischen Insel St. Helena. Die niederländische Regierung sprach von etwa 40 Personen, die auf St. Helena an Land gegangen seien.

Laut Veranstalter verließ auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, dabei das Schiff. Auch ein Schweizer, der in St. Helena das Schiff verlassen hatte, ist nun ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich in einer Klinik in Zürich.

Die übrigen Passagiere und Besatzungsmitglieder sollen nun auf Teneriffa untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Dort gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Später sollen sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.

Am Mittwoch wurden drei Menschen wegen Ansteckungsverdachts im Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia von Bord des Kreuzfahrtschiffes geholt: zwei Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und den Niederlanden, die schwer erkrankt sind, sowie eine 65-jährige Deutsche, die offenbar noch keine Symptome zeigt. Sie war eine Kontaktperson der an Bord verstorbenen Deutschen. Die Frau wurde nach Amsterdam geflogen und mit einem Spezialtransport an die Universitätsklinik Düsseldorf gebracht.

Gibt es weitere Infizierte?

Eine Stewardess, die im direkten Kontakt zu einer mit dem Hantavirus infizierten Frau stand, wurde mit Krankheitssymptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert. Sie hat leichte Symptome, befindet sich in Isolation und wird nun auf das Hantavirus getestet. Sie war in Johannesburg an Bord des KLM-Flugzeuges, auf dem für kurze Zeit auch die Niederländerin war, die an dem Virus starb.

Wie gefährlich ist das Virus?

Es gibt mehrere Typen von Hantaviren, auch in Deutschland. Sie werden meist durch Staub übertragen, der mit Ausscheidungen von Nagetieren kontaminiert ist. Ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen in Deutschland verläuft laut Robert Koch-Institut (RKI) symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Die Viren können aber auch mit Blutungen einhergehendes Fieber und Nierenschäden auslösen.

Eine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt es laut Experten bei den meisten Hantaviren nicht. Eine wichtige Ausnahme ist jedoch der nun aufgetretene südamerikanische Andes-Typ. Es gehört zu einer Gruppe von Hantaviren, deren Infektion zu Übelkeit, Erbrechen, Husten und einer Lungenerkrankung führen kann.

Hantavirus-Infektionen haben laut Weltgesundheitsorganisation in Asien und Europa eine Sterblichkeit von unter 1 bis 15 Prozent, in Amerika jedoch von bis zu 50 Prozent.

Dem Experten Jörg Latus vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart zufolge gibt es derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die Ansteckung mit dem Hantavirus sei in keiner Weise vergleichbar mit dem Covid-19-Virus. Die Übertragung funktioniere ganz anders, man brauche „viel engeren Kontakt“. Zudem verheile die Krankheit folgenlos.

Was weiß man über die Ansteckung an Bord?

Was die Ursache der Infizierung war und wie sich das Virus weiter verbreiten konnte, ist weiter unklar. Die WHO vermutet, dass sich das inzwischen gestorbene niederländische Ehepaar bereits an Land infiziert hatte, bevor es in Argentinien an Bord ging.

Vor seiner Kreuzfahrt hat das Paar offenbar mehrere Länder in Südamerika bereist. Es war am 27. November in Argentinien angekommen, anschließend nach Chile und Uruguay weitergereist und am 27. März nach Argentinien zurückgekehrt, um am 1. April an Bord der „Hondius“ zu gehen.

Inzwischen ist nachgewiesen, dass es sich in mindestens zwei Fällen um die Andes-Variante des Virus handelt, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist.

Die infizierte niederländische Frau war kurz vor ihrem Tod noch in Johannesburg an Bord eines Flugzeuges gewesen und sollte damit zurück nach Amsterdam fliegen. Doch die Frau sei so krank gewesen, dass die Crew beschlossen habe, sie nicht mitzunehmen, teilte die Fluggesellschaft KLM mit. Die Frau musste demnach das Flugzeug verlassen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus von Johannesburg.

Wie geht es nun weiter?

Die argentinischen Behörden haben angekündigt, Experten nach Ushuaia im Süden des Landes zur Untersuchung von Nagetieren zu entsenden. Die Experten für Infektionskrankheiten des Malbrán-Instituts in Buenos Aires sollen dort nach einer „möglichen Präsenz des Virus“ suchen. Sie wollen dabei in Gebiete reisen, die zuvor von den beiden niederländischen Passagieren besucht wurden, die an einer Infektion mit dem Hantavirus gestorben sind.

Das Ministerium betonte, es sei „nicht bestätigt, dass die Ansteckung in Argentinien stattgefunden hat“. Die argentinische Provinz Feuerland im Süden des Landes, in der auch Ushuaia liegt und von wo aus das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ aufgebrochen war, habe „seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet“.

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