Die aktuelle Dürre ist nicht nur in großen Teilen Deutschlands, sondern in ganz Europa sichtbar. Aktuelle Forschung zeigt: Das ist der Klimawandel. Fehlender Regen spielt eher eine untergeordnete Rolle.
Spätestens bei der zweiten der zurückliegenden Hitzewellen waren die Stadtwerke vielerorts mit ganz genau der Nachricht zur Stelle, die alle hören wollten: Die Wasserversorgung ist gesichert, Wassersparen lohnt sich aber trotzdem, damit es in Hochzeiten nicht zu Engpässen kommt. Da pünktlich zu den Hundstagen bereits die nächste Hitzewelle ansteht, dürfte es erst mal beruhigen, dass Deutschland auch bei andauernden 30 bis 40 Grad mit ausreichend Trinkwasser gesegnet ist.
Durst hat bei solchen Temperaturen allerdings nicht nur der Mensch: „Der Klimawandel hat offenbar auch die Schwellenwerte für Dürren verschoben, da die Atmosphäre nun ‚durstiger‘ ist.“ Das sagt Mariam Zachariah, Klimaforscherin am Imperial College in London und Mitglied der Initiative World Weather Attribution (WWA), ein Zusammenschluss aus Klimaforschenden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, zu überprüfen, wie viel vom Klimawandel in aktuellen Extremwetterereignissen steckt. Zum Beispiel in der Dürre, von der aktuell viele Regionen Europas betroffen sind.
Ausbleibender Niederschlag liegt nicht automatisch am Klimawandel
Die Forschenden haben sich dazu sehr ähnliche Wettermuster aus der Vergangenheit angeschaut und die Auswirkungen mit den heutigen verglichen. Ein zentrales Ergebnis mag zunächst überraschen: Ausbleibender Niederschlag im westlichen Teil Europas ist nicht zwangsläufig auf den Klimawandel zurückzuführen. Zacharias erklärt, nicht der fehlende Regen mache die Dürre so extrem, sondern die anhaltend hohen Temperaturen: „Dasselbe Niederschlagsdefizit, das früher vielleicht noch keine Dürre ausgelöst hätte, führt heute zu einer Dürre.“ Schlichtweg aufgrund der höheren Verdunstung, also weil die Atmosphäre mehr Durst bekommen hat.
Zur Wahrheit gehört auch: Anders als in Osteuropa sind die Böden im Westen des Kontinents nach einem feuchten Winter nicht gerade trocken ins Jahr gestartet. Eine Reihe von Hochdruckgebieten, die seit April über den Kontinent gezogen sind und deren Intensität inzwischen nachweislich mit dem Klimawandel zusammenhängt, sorgte dann seit April für einer kontinuierlichen Austrocknung der Böden.
Heiße Luft macht trockene Böden und trockene Böden machen es noch heißer
Das sei dann gut und gerne der Beginn eines Teufelskreises, erklärt Dominik Schumacher von der ETH Zürich, ebenfalls Teil des WWA-Forschungsteams: „Wenn die Luft immer heißer wird, trocknet sie den Boden aus. Und dann wird es noch heißer und die Böden werden noch trockener. Und genau das hat also auch den Weg für diese extreme Hitzewelle Ende Juni geebnet.“
Die Klimaforschenden kommen zu dem Schluss, dass landwirtschaftliche Bodendürren durch den Klimawandel in Westeuropa fünfmal und in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher geworden sind. Dass die Auswirkungen bei der aktuellen Erwärmung schon so stark zu spüren sind, sei alarmierend. Je nachdem, wie stark die langfristige Erwärmung nun ausfällt, würden solche Dürren zur Regel.
Auch wenn im Sommer 2026 erst Halbzeit ist, zeigten sich die Auswirkungen der Trockenheit auf dem Kontinent bereits jetzt, erklären die Forschenden: zum Beispiel niedrige Wasserstände der Flüsse – auch hierzulande, wie ein Blick auf die sehr reduzierten Pegel von Elbe und Rhein verrät. Die Folge sind Einschränkungen beim Gütertransport auf dem Wasser oder der Wasserkraft. Außerdem fördere die aktuelle Situation die Ausbreitung von Bränden – paradoxerweise auch durch den feuchten Winter, da so zunächst mehr Vegetation aus dem Boden schießen konnte und letztendlich eben abbrennen kann.
Eingeschränkter Warentransport und Ernteausfälle
Naturgemäß bemerkbar machen sich Dürren aber vor allem auch in der Landwirtschaft. Ernteausfälle führen wiederum zu höheren Preisen bei Nahrungsmitteln, was sich besonders in den Geldbörsen der Geringverdienenden bemerkbar machen dürfte, warnen die Forschenden.
Beim Mais erwarte etwa Frankreich einen Rekordverlust, den auch die Winternässe nicht kompensieren konnte. Denn die obere Bodenschicht könne nicht unendlich viel Wasser speichern, erklärt Dominik Schumacher: „Es ist ein bisschen wie bei einem Schwamm. Es spielt keine so große Rolle, ob es im Winter mehr regnet, wenn ein Teil dieses Wassers nicht gespeichert wird.“
Wassermonitoring für Deutschland?
Die Zunahme und Intensität von Dürren beschäftigt auch Andreas Marx, der am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung den Dürremonitor für Deutschland leitet. Auch dort stehen die Zeichen auf tiefrot. Was tiefrote Kartendaten beim pflanzenverfügbaren Wasser bedeuten, lässt sich derzeit in deutschen Parkanlagen erleben. Marx forderte erst kürzlich ein Wassermonitoring für Deutschland. Das ist etwas, das in der Vergangenheit schlichtweg nicht notwendig war, da für Industrie, Landwirtschaft und Haushalte immer genug zur Verfügung stand – in Flüssen, Seen und dem Grundwasser.
„Wir haben eben die Situation, dass wir in den meisten Regionen in Deutschland und auch von den meisten Industriebetrieben, die Wasserrechte haben, nicht genau wissen, wie viel Wasser sie zu welchem Zeitpunkt entnehmen“, so Marx. Das könnte zum Problem werden. Aus dem Bodensee etwa wurde im aktuellen Sommer an Hitzetagen so viel Trinkwasser entnommen wie selten zuvor. Dass die Wasserversorgung gesichert ist, gilt eben nur für den trocknen Augenblick – sollte es aber im besten Fall auch in einer trockenen Zukunft.
