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Startseite»Nachrichten»Arbeiter stecken in Tunnel fest: Todeszahl steigt nach Sturzflut im Himalaya auf mindestens 682
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Arbeiter stecken in Tunnel fest: Todeszahl steigt nach Sturzflut im Himalaya auf mindestens 682

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Arbeiter stecken in Tunnel festTodeszahl steigt nach Sturzflut im Himalaya auf mindestens 682

Such- und Rettungsmaßnahmen an einem von der Schlammlawinenkatastrophe betroffenen Hafen. (Foto: picture alliance/dpa/Xinhua)

Die Bilder der Sturzflut an der Grenze zwischen Nepal und Tibet hatten etwas apokalyptisches. Die Zahl der Opfer steigt weiter an, während Rettungskräfte fieberhaft nach Überlebenden suchen. Nepal bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe.

Drei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen. Nach Behördenangaben aus Nepal und China wurden bis Samstag 682 Tote geborgen – fast 3000 Menschen werden noch vermisst. Die Rettungs- und Sucheinsätze werden durch Schlamm, Geröll und Trümmer erschwert. Im Norden Nepals versuchten Hilfskräfte weiter unter Hochdruck, mehrere in einem Tunnel festsitzende Arbeiter zu befreien. Indien verstärkte die Überwachung seiner Gletscher.

In Nepal meldete die Katastrophenschutzbehörde am Samstag 675 Todesopfer und 2426 Vermisste, darunter 517 Ausländer. Für die chinesische Region Tibet sprach die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua von bislang sieben Toten und 554 Vermissten. Indischen Behörden zufolge wurden die Leichen einiger Todesopfer von der Flutwelle bis nach Indien gespült.

Unter den Vermissten sind laut der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt sprach am Freitag von einer „hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten“.

Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal erklärte, einen Datenaustausch mit China vereinbart zu haben und warnte vor den Auswirkungen des Klimawandels in der Region. „Wir weisen stets darauf hin, dass Nepal etwa 0,01 Prozent der Treibhausgase verursacht. Wir, die Menschen in Nepal, sind jedoch die Hauptleidtragenden des Klimawandels“, fügte er hinzu.

„Wir können sie nicht finden“

Khanal bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Das Wichtigste sei es zunächst, so viele Menschen wie möglich zu retten. Das Ausmaß der Katastrophe übersteige aber die Kapazitäten der Regierung. So seien Kühlmöglichkeiten nötig, um Leichen über längere Zeit zu lagern. Da einige Leichen bereits lange im Wasser gelegen hätten, bestehe die Gefahr einer schnellen Verwesung. Auch Gerichtsmediziner würden benötigt. Die Kosten für den Wiederaufbau gingen „in die Milliarden“.

„Die Menschen wollen die Leichen ihrer Angehörigen zurückhaben“, sagte der nepalesische Rettungshelfer Kawan Koirala erschöpft nach einer 18-stündigen Schicht. „Aber wir können sie nicht finden, man sieht ja den Schlamm“. Auch für ihn sei die Situation „sehr traumatisch“. „Ich sehe so etwas zum ersten Mal. Überall ist Schlamm. Wir hatten in Nepal schon früher Überschwemmungen, aber nicht so wie diese.“

Viele der Überlebenden haben Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. „Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt“, schilderte etwa Buddhi Ram Dangol der Nachrichtenagentur AFP. „Es ist nichts mehr übrig.“

Im Armeestützpunkt in Bidur drängten sich Angehörige um die Liste mit den Namen Geretteter an einer Wand. „Ich bin hierhergekommen, um nach meinem Sohn zu suchen“, sagte Kalka Sharda AFP. „Er hat als Arbeiter im Wasserkraftwerk gearbeitet, aber ich kann seinen Namen nicht finden, und die Behörden sagen nichts.“

Rund 93.000 Menschen betroffen

Am Mittwoch war eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geströmt und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Nach Angaben des geologischen Dienstes der USA wurde die Katastrophe durch den Abbruch eines Gletschers ausgelöst. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt die Zahl der Betroffenen auf 93.000 Menschen.

In Nepal bemühten sich Helfer weiter um die Rettung von mehr als hundert Arbeitern, die in einem Tunnel an der Baustelle eines Wasserkraftwerks eingeschlossen waren. Teams der nepalesischen Armee waren mit Bohrgeräten im Einsatz. Indien, das über Erfahrung mit solchen Rettungsaktionen verfügt, entsandte ein elfköpfiges Spezialistenteam. Auch China entsandte ein neunköpfiges Tunnelrettungsteam.

Chinesischen Staatsmedien zufolge gelang es bis Samstag 500 chinesischen Rettungskräften, das Zentrum der Katastrophe zu erreichen. Die Helfer hatten ihre Arbeit zunächst einstellen müssen, weil sich infolge der Schlammlawine ein See gebildet hatte, dessen Begrenzung zu bersten drohte. Am Samstag hieß es im Staatsfernsehen aber, dass dieser „auf natürliche Weise“ abfließe und „fast leer“ sei.

Indien verstärkt unterdessen angesichts des Unglücks die Überwachung seiner Gletscher. „Da wir als Nachbarland eine Grenze zu Nepal teilen und zudem eine ähnliche geografische Situation haben, haben wir unsere Behörde gebeten, alle Gletscher und bekannten Gletscherseen in der Region zu überwachen“, sagte der Minister für Katastrophenschutz im indischen Himalaya-Bundesstaat Uttarakhand, Madan Kaushik. „Wir haben unsere Teams angewiesen, wachsam zu sein und zu beobachten, ob irgendwo im Bundesstaat eine ähnliche Situation entsteht“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Die Gletscher im Himalaya, die fast zwei Milliarden Menschen mit Wasser versorgen, schmelzen aufgrund des Klimawandels schneller als je zuvor. Schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und das Risiko von Erdrutschen erhöhen.

Quelle: ntv.de, Arunabh Saikia und Paavan Mathema, AFP

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