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Startseite»Nachrichten»Attacke gegen Fed-Vorstand: Trump nimmt Zinserhöhung persönlich
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Attacke gegen Fed-Vorstand: Trump nimmt Zinserhöhung persönlich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Attacke gegen Fed-Vorstand Trump nimmt Zinserhöhung persönlich

Auch der neue Fed-Chef macht nicht, was Trump will. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Mit dem früheren Fed-Chef Powell lag Trump im Dauer-Clinch, weil der keine Zinssenkungen auf Bestellung lieferte. Unter seinem Nachfolger steigt der Leitzins jetzt sogar. Der US-Präsident wittert eine Verschwörung. Marktbeobachter dagegen reagieren erleichtert.

US-Präsident Donald Trump hat dem Vorstand der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) „politische Gründe“ beim Anheben des Leitzinses vorgeworfen. Notenbank-Chef Kevin Warsh sei „ein guter Mann“, sagte Trump Journalisten in North Carolina. „Aber egal, wie gut er seine Arbeit macht – er hat es mit einem feindseligen Vorstand zu tun.“ Er fügte an: „Sie erhöhen die Zinsen, um Trump so viel Schaden wie möglich zuzufügen (…) Sie erhöhen sie also ausschließlich aus politischen Gründen.“

Die Fed hatte den Leitzins am Mittwoch um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Seit Dezember 2025 hatte sie ihn nicht mehr angerührt, die letzte Zinserhöhung liegt gar bis Juli 2023 zurück. Angesichts der andauernden und hohen Inflation war an den Finanzmärkten befürchtet worden, dass eine weitere Zinspause die Glaubwürdigkeit der Notenbank deutlich infrage gestellt hätte. 

Trump hatte im Mai seinen Vertrauten Warsh an die Spitze der Zentralbank gesetzt, damit dieser für die erwünschten Niedrigzinsen sorgt, die etwa Immobilienkredite billiger machen würden. Der Krieg der USA gegenden Iran, den Trump vor gut sechs Monaten begonnen hatte, treibt allerdings massiv die Energiepreise und somit auch die Inflation.

Experten sehen Glaubwürdigkeit der Fed gewahrt

Dass die Fed sich auch unter Kevin Warsh nicht vom US-Präsidenten beeinflussen lässt, sorgt bei Volkswirten und Experten für Erleichterung. „Der heutige Zinsschritt ist nicht nur lediglich ein Zinsschritt, er sichert vielmehr auch die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank“, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VPBank. Die Straffung der Geldpolitik sei ein Beweis dafür, „dass der Ausschuss seinen Worten Taten folgen lässt, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen“, schrieb Jeff Schulze, Leiter der Anlagestrategie des Franklin Templeton Institute.

„Jetzt macht die Fed auch unter der Leitung von Kevin Warsh das Gegenteil dessen, was sich US-Präsident Trump wünscht“, kommentierte der Analyst Elmar Völker von der LBBW. Er spielte damit auf den Dauerzwist zwischen Donald Trump und Warshs Vorgänger Jerome Powell an. Dieser geriet unter Trumps regelmäßigen Beschuss aus Beleidigungen und Rücktrittsforderungen, auch weil er sich Interventionsversuchen des Präsidenten widersetzte und auf die verbriefte Unabhängigkeit der Notenbank pochte.

Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit langem verlangt, hielten Experten für unrealistisch. Diese hätte keine Grundlage auf aktuellen Wirtschaftsindikatoren gehabt. Auf die Thematik angesprochen sagte Warsh bei einer Pressekonferenz: „Die heutige Entscheidung war richtig, um den Auftrag des Kongresses zur Gewährleistung stabiler Preise zu erfüllen“. Später fügte er noch hinzu: „Zur Unabhängigkeit der Federal Reserve gehört auch, dass wir uns auf unser Fachgebiet konzentrieren.“

Geldpolitik auf restriktivem Kurs

Derweil könnte es nicht die einzige Zinserhöhung in diesem Jahr sein. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten derzeit 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (0,25 Prozentpunkte). Unter diesen können sich vier eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für 2027 ab: 14 Mitglieder erwarten für das Jahr einen Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,5 Prozent.

Weitere Schritte würden auch zum bekannten Vorgehen der Fed passen, meinte US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM: „Historisch gesehen neigt die Fed nicht dazu, ihre Geldpolitik mit einer einzigen Anhebung oder Senkung anzupassen.“ In der Regel müssten weitere Schritte folgen. Maxime Darmet-Cucchiarini, leitender Volkswirt bei Allianz Trade, rechnet mit einer zweiten Zinsanhebung im Dezember.

Vor knapp einer Woche hatte schon die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Teuerung ihren Leitzins erhöht, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Notenbank hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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