Von 2028 an sollen in Deutschland die roten Schnellzüge des Anbieters Italo fahren. In Italien hat der private Konkurrent den Markt belebt. Davon profitieren auch die Bahnreisenden – allerdings nicht überall.
Montagvormittag am römischen Hauptbahnhof Termini. Es ist der größte Bahnhof Italiens und ein Symbol für den Bahn-Boom im Land. Pendler, Geschäftsreisende, aber auch immer mehr Touristen sind auf der Schiene unterwegs.
Der Eindruck vieler Reisender ist positiv. „Der Zugverkehr war ziemlich gut. Wir hatten kaum Verspätung, das hat alles super geklappt. Ich bin sehr, sehr positiv überrascht“, sagt Tourist Christian aus Gießen.
Wer mit dem Schnellzug reisen will, hat die Wahl: Trenitalia von der staatlichen Eisenbahngesellschaft oder Italo, den privaten Konkurrenten. Seit Italo 2012 in den italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehr eingestiegen ist, hat sich der Markt deutlich verändert.
Konkurrenz belebt den Markt
10:40 Uhr, der Italo-Zug 9924 fährt in Rom Richtung Mailand ab. Mit an Bord ist Vincenzo Ioia, der bereits in Neapel zugestiegen ist. Der Logistikmanager ist regelmäßig zwischen den Standorten seines Unternehmens unterwegs. „Wir haben Niederlassungen in Rom, Florenz, Bologna und Mailand – ich bin also viel unterwegs“, sagt er. Das Auto käme für ihn nicht infrage, allein wegen der viel längeren Fahrtzeit. Die 600 Kilometer zwischen Rom und Mailand schafft der Zug in unter drei Stunden.
Der Boom der Schnellzüge begann bereits 2008. Italien investierte massiv in den Ausbau seines Hochgeschwindigkeitsnetzes, die Grundvoraussetzung für Wettbewerb im Fernverkehr.
Vier Jahre später stieg Italo zunächst auf einer einzigen Strecke ein: der wichtigsten Nord-Süd-Achse zwischen Mailand, Rom und Neapel. Der Start sei allerdings schwierig gewesen, erinnert sich Italo-Chef Gianbattista La Rocca: „In den ersten Jahren war es hart, wir mussten uns den nötigen Platz auf den Gleisen erkämpfen, damit die Züge fahren konnten, aber auch in den Bahnhöfen.“
Mehr Verbindungen, bessere Qualität, niedrigere Preise
Heute bieten Italo und Trenitalia allein zwischen Rom und Mailand täglich mehr als 90 Verbindungen an. Italo hat dem ehemaligen Monopolisten Trenitalia nicht einfach Fahrgäste weggenommen. Stattdessen ist der gesamte Markt gewachsen. Eine OECD-Studie spricht im Fall von Italien sogar von einer Win-Win-Situation für Unternehmen und Reisende.
Ähnlich sieht es auch Paolo Beria von der Technischen Hochschule in Mailand: „In Italien war der Angebotszuwachs enorm. Im Jahr 2012 hat er sich fast verdoppelt, und das kann auf den Wettbewerb zurückgeführt werden.“ Die Qualität lasse sich zwar schwerer messen, „doch auch in diesem Fall ist es ziemlich offensichtlich, dass es einen qualitativen Vorteil mit sich bringt, wenn zwei Anbieter auf ähnlichen Märkten tätig sind“, sagt Beria. Zudem habe man einen Preisrückgang zwischen 15 und 25 Prozent nachweisen können.
Nicht alle Regionen profitieren
Mehr Zugverbindungen, besserer Service und günstigere Preise – Wettbewerb gilt damit als Erfolgsmodell. Doch der Erfolg hat Grenzen. Abseits der Magistralen zwischen Mailand, Rom und Neapel prägen Regionalzüge auf eingleisigen Strecken vielerorts das Bild. Je weiter man in den Süden kommt, desto schlechter ist häufig die Infrastruktur. Viele Regionen Süditaliens sind bis heute nicht an das Hochgeschwindigkeitsnetz angebunden. Auch bei den Ost-West-Verbindungen gibt es weiterhin Defizite.
Italo-Chef La Rocca verweist jedoch auf laufende Ausbauprojekte. „Der Erfolg der Hochgeschwindigkeitsstrecken hat dazu geführt, dass weiterhin investiert wird und Projekte fertiggestellt werden“, erklärt er. „Die Strecke Mailand – Genua wird gerade fertiggestellt, ebenso wie die Strecke Rom – Bari. Es braucht Zeit. Im Eisenbahnwesen dauert alles Jahre.“
Zurück im Zug nach Mailand: In wenigen Minuten endet die rund 600 Kilometer lange Fahrt. Vincenzo Ioia wird es trotz einer kleinen Verspätung von sechs Minuten pünktlich zu seinen Terminen schaffen. Ob Pendler, Geschäftsreisende oder Touristen – für viele Menschen in Italien ist der Zug längst zu einer verlässlichen Alternative zu Auto und Flugzeug geworden.

