Nach einem Schicksalsschlag hat sich SPD-Politikerin Bas aus der ersten Reihe der Politik zurückgezogen. Ihr Rücktritt löste in der Koalition eine Krise aus. Im ARD-Interview spricht sie nun über Menschlichkeit und das „harte politische Geschäft“.
Die frühere SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat in einem ARD-Interview erstmals ausführlich über die Beweggründe für ihren Rückzug von Ministeramt und Parteivorsitz gesprochen. Der Tod ihrer krebskranken Stieftochter Ende September habe sie hart getroffen, sagte sie in der Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“. Während der Sterbebegleitung im Hospiz habe sie gemerkt, dass ihr die Kraft ausgehe.
„Ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches. Und ich wusste, ich brauche länger, ich kann nicht sofort wieder zurück.“ Deshalb habe sie die Entscheidung getroffen, von ihren politischen Spitzenämtern zurückzutreten.
Bas beklagt „Schweigekultur“
Bas‘ Entscheidung blieb aber kein privater Schritt. Ihr Rücktritt löste in der Koalition eine Krise aus. Sie hatte sich über persönliche Angriffe aus den Reihen des Koalitionspartners beklagt – vor dem Tod ihrer Stieftochter und auch in der für sie schwierigen Zeit. SPD-Chef Lars Klingbeil hatte das Verhalten der Union als „unanständig“ bezeichnet. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warf der Union vor, sich Bas gegenüber „unmenschlich“ verhalten zu haben.
Die Union wies die Vorwürfe zurück. Aus der CDU hieß es, die Kritik an Bas habe ihrer Arbeit im Ministerium gegolten, nie dem Menschen Bärbel Bas. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, er habe Rücksichtnahme eingefordert und könne nicht feststellen, dass dagegen verstoßen worden sei.
In der Politik gebe es eine große Härte, sagte Bas nun in dem Interview. Sie führte aus:
Oft gibt es kaum Menschlichkeit in diesem politischen Betrieb. Selbst wenn Menschen länger krank sind, wird da kaum drüber gesprochen. Es gibt so eine Art Schweigekultur, weil keiner will sich schwach zeigen in diesem harten politischen Geschäft.
Am Ende kein Vertrauen mehr
Inzwischen bedauere sie den Koalitionsstreit, den ihre Aussage ausgelöst habe. Rückblickend hätte sie diese Kritik wohl nicht so formuliert, sagte sie nun. Wenn sie geahnt hätte, welches Ausmaß es annehmen würde, hätte sie auf ihre Kritik an der Union verzichtet.
Beim Rücktritt sei ihr wichtig gewesen, diese öffentlichen Angriffe gegen sie zu benennen. Sie habe gewollt, dass es besser werde, sagte Bas. „Ich möchte, dass diese Koalition, – ob mir das noch einer abnimmt oder nicht – ihre Arbeit macht und zusammenhält und dass die sich untereinander mehr vertrauen.“ Sie selbst habe dieses Vertrauen am Ende nicht mehr gespürt.
Merz habe ihr versichert, sich zu kümmern
Zugleich äußerte sich Bas in dem ARD-Interview kritisch über die Rolle von Merz. Sie habe den Kanzler über ihre private Lage informiert und sich auch über die Angriffe aus dessen Partei beschwert. Aus der CDU sei eine regelrechte Kampagne gegen sie und die SPD gefahren worden. „Er hat mir auch versichert, er kümmert sich. Es hat aber keinen Anklang gefunden“, sagte Bas dazu.
Über ihren Rücktritt habe sie mit Merz nie gesprochen – der Kanzler sei von ihrem Co-Parteivorsitzenden Klingbeil informiert worden. Aber auch aus ihrer eigenen Partei habe sie Rückendeckung vermisst. An die Regierungspartner appellierte sie: „Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.“
„Ich wusste, diese Zeit wird mir keiner geben“
Für Bas war es nicht der erste Verlust eines nahestehenden Menschen. Sie habe das schon einmal mitgemacht, sagt sie im ARD-Interview. „Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: wofür?“ Um aus dieser Situation wieder herauszukommen, brauche sie Zeit. „Ich wusste, diese Zeit wird mir keiner geben. Das ist halt so, wenn man solche politischen herausragenden Ämter hat. Da kann man nicht drauf hoffen, dass einem die Zeit gegeben wird“, sagt Bas.
Am 12. Oktober hatte Bas ihre Entscheidung öffentlich gemacht. Die 58-Jährige sitzt aber weiterhin als Abgeordnete für für ihren Duisburger Wahlkreis im Bundestag.
