Bayern-Coach wird sehr deutlichKompany: „Der junge Spieler hat einen Fehler gemacht in diesem Interview“
Der FC Bayern spielt eine ganz schwache erste Halbzeit in Wolfsburg, gewinnt das Spiel aber trotzdem. Nach dem 1:0-Sieg übt Youngster Tom Bischof Kritik am System. Das gefällt seinem Trainer gar nicht.
Der FC Bayern schleppt sich nach dem bitteren Champions-League-Knockout gegen Paris St. Germain sehr müde nach Wolfsburg. Gegen die akut abstiegsgefährdete Elf vom Mittellandkanal müssen die Münchner erstaunliche Schwimmübungen leisten, um in der ersten Halbzeit nicht abzusaufen. Inklusive eines historischen Harry-Kane-Moments. Erst nach der Pause fängt sich der FCB, gewinnt dank Michael Olise 1:0 und verhindert damit, dass große Verschwörungstheorien erzählt werden – wie der Kollege Stephan Uersfeld hier aufgeschrieben hat.
Gute Laune hatten die Münchner hernach dennoch nicht. Vor allem Trainer Vincent Kompany nicht. Der stellte sogar einen Bayern-Youngster in den Senkel, der die Herangehensweise des Teams offen kritisiert hatte. „Ich glaube, die hätten fünf Tore machen können. Das war gar nicht gut von uns. Die ersten zehn Minuten fand ich nicht schlecht, da haben wir gesehen, wie wir uns Chancen erspielen können. Aber wir haben es dann einfach nicht weitergemacht. Die Abstände waren zu groß“, monierte der 20-Jährige.
Über die defensive Anfälligkeit der vergangenen Wochen, die in allen Wettbewerben mit vielen Gegentoren zum Ausdruck kam, sagte Bischof: „Erst einmal ist es immer schlecht, wenn man so viele Chancen und Gegentore bekommt. […] Wir machen einfach nicht mehr die kleinen Basics und dieses Gegenpressing direkt nach dem Ballverlust. Das fehlte uns in letzter Zeit. Das haben wir die ganze Saison über gemacht.“
Ärger beim FC Bayern?
Bei seinem Trainer kamen Bischofs kritische Aussagen gar nicht gut an. Kompany sah sich gezwungen, die Dinge scharf zurechtzurücken. „Natürlich stimme ich ihm nicht zu. Der junge Spieler hat einen Fehler gemacht in diesem Interview“, wurde der Belgier ungewohnt deutlich. Es sei nämlich so: „Gegenpressing kannst du nicht hundertmal machen, wenn du ständig schnelle Ballverluste hast. Das Problem ist nicht, dass der Wille zum Gegenpressing fehlt, so kannst du keine Spiele gewinnen“, analysierte der Münchner Coach. „Es geht darum, dass man die Spiele nicht immer in den ersten zehn oder fünfzehn Minuten entscheiden muss. Ein-, zwei- oder dreimal kannst du ins Gegenpressing gehen, aber irgendwann melden sich die Beine.“
In der zweiten Halbzeit gegen den zunehmend verzweifelten VfL Wolfsburg sahen die Bayern wieder wie die Bayern aus und dominierten den Gegner. Und das, sagte Kompany, „lag an unserem Verhalten in Ballbesitz“. Eine fast bittere Pointe für Bischof: Nach einem schockierenden Fehlpass von ihm und einem schnellen Konter der Wolfsburger gegen halbherzig verteidigende Bayern stand Matthias Svanberg nach 89 Minuten frei vor dem Münchner Tor, traf aber nur den Pfosten.
