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Startseite»Nachrichten»Blick auf 2027: Wie geht es nach Bulgariens ESC-Sieg weiter?
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Blick auf 2027: Wie geht es nach Bulgariens ESC-Sieg weiter?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Blick auf 2027Wie geht es nach Bulgariens ESC-Sieg weiter?

Konnte ihren Sieg kaum glauben: Dara aus Bulgarien. (Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem ESC ist vor dem ESC: Kaum ist das Finale in Wien vorbei, beginnen bereits die Diskussionen über den Wettbewerb im kommenden Jahr – von Bulgariens Premiere als Gastgeber bis hin zu politischen Spannungen rund um Israel.

Nach dem überraschenden Sieg Bulgariens beim Eurovision Song Contest (ESC) richtet sich der Blick bereits auf die kommende Veranstaltung im Jahr 2027. Während sich Bulgarien auf seine erste Austragung vorbereitet, wird in Deutschland erneut über die eigene Strategie diskutiert. Gleichzeitig dürften auch die politischen Debatten rund um Israels Teilnahme weitergehen.

Für Bulgarien ist es der erste Eurovision-Sieg überhaupt. Das südosteuropäische Land nimmt erst seit rund zwei Jahrzehnten regelmäßig am ESC teil und verpasste in der Vergangenheit häufig das Finale. Zwischen 2023 und 2025 hatte Bulgarien wegen finanzieller Probleme sogar komplett pausiert. Entsprechend groß fällt nun die Begeisterung aus. Regierungschef Rumen Radew schrieb bei Facebook, Dara sei mit ihrem Gewinnerlied „Bangaranga“ der Beweis dafür, „dass Bulgarien siegen könne“. Weiter erklärte er: „Bulgarien erwartet Europa und die Welt bei der Eurovision 2027!“ Auch Sängerin Dara blickt bereits auf das kommende Jahr. Bulgarischen Medien zufolge sagte sie: „Im kommenden Jahr kommt der ESC nach Sofia, und wir müssen uns vorbereiten.“

Als möglicher Austragungsort gilt die Arena 8888 in Sofia, die größte Veranstaltungshalle der bulgarischen Hauptstadt. Dort fanden bereits internationale Konzerte sowie der Junior-ESC statt. Die Halle bietet Platz für bis zu 15.000 Menschen und liegt in der Nähe des Flughafens.

Zwischen Stolz und Kritik

In Bulgarien sorgt der ESC allerdings nicht nur für Euphorie. Für viele proeuropäische Fans steht der Wettbewerb symbolisch für die Zugehörigkeit des Landes zu Europa und zur internationalen Popkultur. Kritiker sehen den ESC dagegen als kommerzielle und zunehmend politische Veranstaltung. Vor allem konservative Stimmen werfen dem Wettbewerb vor, queere Themen und LGBTQIA-Kultur zu stark in den Mittelpunkt zu stellen. Der ESC bleibt deshalb auch in Bulgarien ein umstrittenes Thema.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Situation des Landes. Bulgarien zählt weiterhin zu den ärmsten Mitgliedern der Europäischen Union. Dass nun ausgerechnet dort eines der teuersten TV-Events Europas stattfinden soll, sorgt bereits für Diskussionen.

Neue Diskussionen um Deutschlands ESC-Strategie

Auch in Deutschland wird nach der nächsten enttäuschenden Platzierung erneut über die ESC-Zukunft gesprochen. Seit diesem Jahr liegt die Verantwortung innerhalb der ARD beim SWR. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl bedankte sich nach dem Finale beim Sender und erklärte, der SWR habe das ESC-Jubiläum „mit großem Engagement, Kreativität und eindrucksvoller Inszenierung kanalübergreifend zu einem echten Lagerfeuermoment gemacht“. Der Wettbewerb stehe für „die verbindende Kraft öffentlich-rechtlicher Unterhaltung“ und bleibe „kulturell wie gesellschaftlich relevant“.

Auch SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler zog ein positives Fazit. „Wir werden weiter daran arbeiten, dass der ESC in Deutschland viele Millionen Menschen verbindet und große Lagerfeuermomente schafft.“ Gleichzeitig läuft erneut die Debatte darüber, wie Deutschland künftig seinen Beitrag auswählen sollte. Bratzler hatte bereits erklärt, der Überraschungssieg Bulgariens zeige, „dass Erfolg nicht planbar“ sei. Grundsätzlich wolle man zunächst am öffentlichen Vorentscheid festhalten. Eine interne Auswahl schloss er allerdings nicht aus.

Tatsächlich plädieren einige ESC-Fans schon länger dafür, den deutschen Beitrag ohne Zuschauer-Voting auszuwählen. ESC-Experte Lukas Heinser sagte dazu vor einigen Wochen: „Die Siege von JJ und Nemo zeigen, dass eine interne Entscheidung ohne Publikumsbeteiligung mindestens genauso gut funktionieren kann wie ein öffentlicher Vorentscheid.“ Schließlich müsse man „nicht das Publikum im eigenen Land überzeugen, sondern das im Rest Europas“.

Auch Hape Kerkeling äußerte sich zuletzt dazu, was Deutschland seiner Meinung nach für einen ESC-Erfolg brauche. In der Dokumentation „70 Jahre ESC – More than Music“ sagte er: „Wir können nur zu Tränen rühren in Unschuld.“ Und weiter: „Dann vergibt man uns alles.“

Israel-Debatte dürfte bleiben

Auch die Diskussion um Israels Teilnahme dürfte den ESC weiter begleiten. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den Wettbewerb in diesem Jahr aus Protest gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen. Ob die Länder 2027 zurückkehren werden, ist bislang offen. Die Ausgangslage bleibt ähnlich wie im Vorjahr: Israel erreichte erneut einen Spitzenplatz – und der Nahostkonflikt ist weiterhin ungelöst.

Quelle: ntv.de, lpe/dpa

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