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Startseite»Nachrichten»„Boykott“ der French Open?: Warum im Tennis ein Zoff um Millionen tobt
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„Boykott“ der French Open?: Warum im Tennis ein Zoff um Millionen tobt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 12, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Boykott“ der French Open?Warum im Tennis ein Zoff um Millionen tobt

Die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka droht mit Boykott der French Open, sollten die Preisgelder nicht steigen. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Trotz Millionen-Gagen fühlen sich Tennis-Stars wie Jannik Sinner oder Aryna Sabalenka bei den French Open unterbezahlt. Letztere spricht schon von Boykott. Was steckt hinter dem Zoff ums Geld?

Wenn Tennis-Topstar Aryna Sabalenka bei den French Open mindestens bis ins Halbfinale kommt, hat sie in ihrer Karriere mehr als 50 Millionen Dollar Preisgeld verdient. 2,8 Millionen Euro streichen die Champions des am 24. Mai beginnenden Grand-Slam-Spektakels in Paris ein, was rund 3,3 Millionen US-Dollar entspricht. Die Finalistinnen und Finalisten erhalten die Hälfte, die Halbfinal-Teilnehmenden 750.000 Euro. Und dennoch erregt eine Boykott-Androhung der Weltranglisten-Ersten Sabalenka reichlich Aufsehen – und hebt den Dauer-Streit um die Preisgelder auf eine neue Stufe.

„Ohne uns gäbe es kein Turnier und auch keine Unterhaltung. Ich finde, wir haben definitiv einen höheren Anteil verdient“, kritisierte die Belarussin und stößt damit auf Zustimmung unter den Tennis-Kolleginnen und -Kollegen. „Ich glaube, irgendwann werden wir das boykottieren“, drohte sie. „Ich habe das Gefühl, dass das der einzige Weg sein wird, um für unsere Rechte zu kämpfen. „61,7 Millionen Euro werden bei den diesjährigen French Open ausgeschüttet. Regelmäßig steigen die Summen bei den Grand-Slam-Turnieren an. In Paris in diesem Jahr verglichen mit 2025 um knapp zehn Prozent, seit 2019 nach Veranstalter-Angaben um etwa 45 Prozent.

„Wir geben weit mehr als wir zurückbekommen“

Doch den Tennisprofis geht es um ihren relativen Anteil am Umsatz. Der werde, so eine Gruppe der Top-Profis, nur etwa 15 Prozent ausmachen und liege unter der Forderung an die Grand Slams nach 22 Prozent. Schon im vergangenen Jahr hatten sich namhafte Profis mit einem Schreiben an die Pariser Veranstalter gerichtet. Nun brachten sie „tiefe Enttäuschung“ über die diesjährige Verteilung zum Ausdruck, heißt es.

„Es geht eher um Respekt“, sagte der italienische Weltranglisten-Erste Jannik Sinner beim derzeit laufenden Masters-1000-Turnier in Rom. „Denn ich glaube, wir geben weit mehr als wir zurückbekommen. Das gilt nicht nur für die Topspieler, sondern für alle Spieler.“ Australian-Open-Gewinnerin Jelena Rybakina wies auch auf die Steuern hin, die von den Preisgeldern abgehen.

Ex-Profi Philipp Kohlschreiber kann Sinners Worte nachvollziehen. Verglichen mit anderen Sportarten sei Tennis „sehr weit weg“, was den Anteil an den Einnahmen für die Tennisprofis betreffe. So gehen in der nordamerikanischen NBA beispielsweise 50 Prozent der Liga-Einnahmen an die Basketballer. Besonders im Frauensport sind die Verdienste im Tennis aber außergewöhnlich hoch, auch wenn die Frauen von einer gleichen Bezahlung wie die Männer bis auf bei den Grand-Slam-Events auch im Tennis oft weit entfernt sind.

„Die Topspieler haben ja kein Geldproblem“

Es seien nur wenige Profis, die sehr viel Geld verdienen würden, erklärte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. Zu den reichsten zählt US-Star Coco Gauff. „Es geht nicht um mich“, sagte sie. „Es geht um die Zukunft unseres Sports und die aktuellen Spieler, die nicht so viele Vorteile genießen wie einige der Topspieler, wenn es um Sponsoring und solche Dinge geht“. Es sei bedauerlich, dass einige „von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck“ leben.

Tennis gilt als kostspieliger Sport. Die Profis reisen als Alleinunternehmer um die Welt, zahlen Trainer und Physiotherapeuten. Vor allem bei den kleineren Events wie auf der Challenger-Tour müsse mehr Geld ausgeschüttet werden, sagte Kohlschreiber. „Die Topspieler haben ja kein Geldproblem.“

Bundestrainer Kohlmann macht es an den Grand-Slam-Turnieren fest, wie Profis über die Runden kommen. Spieler und Spielerinnen, die nicht in die Qualifikation der vier wichtigsten Events kommen, müssten draufzahlen, bräuchten einen Sponsor oder reiche Eltern. Wer den Qualifikations-Schnitt packt, also etwa unter den Top 250 gehört, könne sein Jahr gut planen und sich etwas zur Seite legen. Wer Hauptfeld spielt, könne sich auch professionell aufstellen.

Was die Stars zu einem Boykott sagen

87.000 Euro bringen das Erstrunden-Aus bei den French Open ein. Steht ein Profi bei allen vier Grand-Slam-Turnieren im 128er-Hauptfeld, addiert sich dies zu einer beachtlichen Summe. Die Bezahlung für die frühen Runden sei etwas stärker erhöht (elf Prozent) worden, so die Paris-Veranstalter. Sie verteidigten sich zudem damit, dass sie mit ihren Einnahmen den Tennissport fördern und hohe Millionen-Summen in die Anlage für den Komfort der Profis stecken.

Die Bühnen der French Open, von Wimbledon, den US Open und Australian Open sind die schillerndsten im Tennis, die die Profis lieben und auf die der Fokus liegt. Gauffs US-Kollegin Jessica Pegula glaubt deswegen nicht an einen Streik. Ob ein Boykott überhaupt ernsthaft möglich ist? Er glaube schon, meinte Ex-Profi Kohlschreiber, auch wenn er hoffe, dass es nicht so weit komme.

French-Open-Titelverteidigerin Gauff würde sich anschließen, wenn alle an einem Strang ziehen, ebenso wie Rybakina. „Das ist schwer zu sagen“, meinte Topstar Sinner. „Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Aber gleichzeitig glaube ich auch, dass wir irgendwo anfangen müssen.“

Quelle: ntv.de, mar/dpa

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