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Startseite»Politik»Brücken-Einsturz in Genua: Gemischte Gefühle nach Urteil gegen Top-Manager
Politik

Brücken-Einsturz in Genua: Gemischte Gefühle nach Urteil gegen Top-Manager

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.07.2026 • 17:59 Uhr

Vor acht Jahre stürzte die Morandi-Brücke in Genua zusammen, 43 Menschen starben. Nun ist ist der Ex-Chef des Autobahnbetreibers verurteilt worden. Betroffene sehen das Urteil mit gemischten Gefühlen.

Christine Auerbach

Zu zwölf Jahren Haft haben die Richter in Genua den Hauptangeklagten verurteilt. Giovanni Castellucci ist der ehemalige Geschäftsführer von Autostrade per l’Italia, der Firma, die die Morandi-Brücke in Genua betrieben hat. Ihm wird vorgeworfen, von den Mängeln gewusst zu haben und die Arbeiten an dem später eingestürzten Pfeiler verschoben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Jahre Haft gefordert.

Anwohner findet Urteil zu milde

Giuseppe Rodinò blickt mit gemischten Gefühlen auf dieses Urteil: Positiv, weil es endlich ein Urteil gibt. Aber es sei viel zu milde ausgefallen, sagt er. 40 Jahre lang hat Rodinò unter der Morandi-Brücke gewohnt. Als im August vor acht Jahren ein Brückenpfeiler zusammenbricht, ist er gerade zu Hause. Er bekommt mit, wie ein Großteil der Fahrbahn einstürzt und die Autos mitreißt, die gerade auf ihr fahren.

Richter verkünden am Gericht in Genua ein Urteil.

„So etwas kann man nicht vergessen“, sagt er. Tagelang suchen Rettungskräfte mit schwerem Gerät nach Überlebenden in den Trümmern. 43 Menschen sterben an jenem Tag.

Die Reste der Brücke ragen lange wie wackelige Zähne aus Stahlbeton in die Höhe. Als klar wird, dass sie gesprengt werden müssen, wird Giuseppe Rodinò klar, dass er nie wieder in sein Zuhause zurückkehren wird. Wie er müssen 700 Menschen nach dem Brückeneinsturz ihre Häuser verlassen. Das Wichtigste können sie zwar mitnehmen, aber vieles wird unter den gesprengten Brückenresten begraben.

Vier Jahre bis Prozessbeginn

Den Prozess, sagt Giuseppe Rodinò, habe er vor allem mit zwei Gefühlen verfolgt: „Trauer und Wut“. Wut vor allem darüber, dass es so lange gedauert habe, bis der Prozess überhaupt angefangen habe. Er startet erst vier Jahre nach dem Unglück. Dann dauert es weitere vier Jahre, bis jetzt endlich ein erstes Urteil gefällt wurde.

Einen Tag vor Prozessbeginn hat Autostrade per l’Italia noch einen Entschuldigungsbrief veröffentlicht. Der kam nicht gut an bei Giuseppe Rodino: „Den hätten sie gleich schreiben müssen. So ist es ein bisschen wie vor ein paar Jahren, als die USA sich bei den Ureinwohnern entschuldigt haben, für das, was sie ihnen damals angetan haben.“

Haftstrafen von insgesamt fast 200 Jahren

Der Prozess, sagt Giuseppe Rodinò, war aber wichtig für ihn und andere Opfer. Denn es müsse endlich jemand zur Verantwortung gezogen werden. Insgesamt waren 57 Menschen angeklagt. Überwiegend Führungskräfte von Autostrade per l’Italia aber auch Angestellte des italienischen Infrastrukturministeriums.

25 von ihnen wurden freigesprochen. die anderen zu insgesamt fast 200 Jahren Haft verurteilt. Mit dieser Höhe sind die Richter bei der Hälfte von dem, was die Staatsanwaltschaft gefordert hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft Autostrade per l’Italia vor, die Brücke nicht richtig gewartet zu haben, um Geld zu sparen und Profit zu machen. Die Verteidigung argumentierte, dass die Schäden an der Brücke versteckte Baumängel waren und gar nicht hätten festgestellt werden können.

Urteil wohl noch nicht das Ende

Der Prozess warf in den letzten Jahren immer auch ein Schlaglicht auf den maroden Zustand von Italiens Verkehrsinfrastruktur und die fragwürdige Rolle von Autostrade per l‘Italia. Das Urteil heute ist ein erster Schritt in der juristischen Aufarbeitung. Denn es ist davon auszugehen, dass der Prozess in höheren Instanzen noch weitergehen wird.

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Dr. Heinrich Krämer
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