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Startseite»Politik»Bund-Rendite steigt: Krisensignale vom Anleihemarkt häufen sich
Politik

Bund-Rendite steigt: Krisensignale vom Anleihemarkt häufen sich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 19.05.2026 • 14:26 Uhr

Inflations- und Defizitsorgen setzen derzeit den Anleihemärkten zu. In Deutschland hat die zehnjährige Rendite der Bundesanleihe ein 15-Jahres-Hoch erreicht. Ein Warnsignal für Wirtschaft und Verbraucher.

Detlev Landmesser

Immer häufiger ist in den Börsenberichten dieser Tage von den Renditen zu hören, die den Aktienmärkten zusetzen. So haben gestern die steigenden Renditen bei US-Anleihen die Wall Street gebremst. Zehnjährige Staatsanleihen rentierten bis zu 4,63 Prozent. In Deutschland erreichte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit 3,18 Prozent sogar den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Die Renditen der Staatsanleihen steigen, weil die Anleihekurse fallen. Da die Staatsanleihen einen festen Zins bieten, ergibt sich aus dem fallenden Anleihekurs für die Käufer eine höhere Rendite der Papiere.

Die Kurse aber fallen, weil die Anleiheinhaber im Zuge des Iran-Kriegs eine höhere Inflation erwarten und ihre Papiere verkaufen – denn bei steigender Geldentwertung lohnt sich das Halten einer Anleihe immer weniger. Liegt die Inflation wie derzeit bei rund drei Prozent, können die Anleger mit einer Anleiherendite um drei Prozent gerade mal den Kaufkraftverlust ihrer Anlage ausgleichen.

Marktteilnehmer sprechen mittlerweile von einem weltweiten Ausverkauf an den Anleihemärkten. In Europa stand dabei zuletzt Großbritannien an der Spitze. Angesichts der politischen Turbulenzen in London war die Rendite zehnjähriger britischer Anleihen auf ein 18-Jahres-Hoch von 5,187 Prozent geschnellt. Anleger fürchten vor allem höhere Staatsausgaben unter einem neuen Labour-Premier.

Der Kursverfall am Anleihemarkt ist kein triviales Problem. Denn steigende Zinsen an den Kapitalmärkten erhöhen früher oder später die Kosten für alle Kreditnehmer. Auf die Frage, ob sie über den Ausverkauf bei Anleihen besorgt sei, antwortete die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, Reportern am Montag: „Ich mache mir immer Sorgen, das ist mein Job.“

Mittlerweile gehen die Marktteilnehmer mehrheitlich davon aus, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 11. Juni auch ihren Leitzins erhöhen muss, um dem Inflationsdruck zu begegnen.

Wie bei jeder Kursveränderung gibt es Gewinner und Verlierer der Kursturbulenzen am Anleihemarkt: Sparer können mit höheren Zinsen rechnen, die sie wenigstens für einen Teil des Kaufkraftverlusts durch die Inflation entschädigen. Für Verbraucher, Unternehmen und den Staat wird es dagegen teurer, sich zu verschulden. So orientieren sich etwa die Bauzinsen stark am Kapitalmarktzins, weil sich die Banken über Pfandbriefe am Anleihemarkt refinanzieren.

Die seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegenen Renditen sind also ein Krisensignal, das einerseits auf eine höhere Inflation und andererseits auf Gefahren für die Konjunktur hindeutet. Im schlimmsten Fall sind steigende Zinsen die Begleiterscheinung einer Stagflation, also einer rückläufigen Wirtschaftsentwicklung bei gleichzeitig hoher Inflation.

Steigende Renditen lenken den Blick aber auch auf die hohe Verschuldung der Industriestaaten. „Inflations- und Defizitsorgen waren schon eine Weile im Hintergrund“, konstatierte Mohit Kumar, Chefvolkswirt für Europa bei Jefferies am Montag. „Großbritannien war wahrscheinlich der Katalysator, der diese Sorgen in den Vordergrund gerückt hat.“

Auch die Bundesrepublik, die noch vergleichsweise hohes Vertrauen an den Finanzmärkten genießt, türmt ihren Schuldenberg weiter auf. Verschuldet sich ein Staat immer höher – was derzeit so ziemlich überall der Fall ist – erhöht sich auch das Ausfallrisiko. Dafür wollen Kreditgeber wie eben Anleihekäufer mit einem höheren Zins entschädigt werden. Damit erhöht sich die Zinslast der Staaten zusätzlich.

Schon im vergangenen Herbst mahnte das Münchener ifo-Institut, dass die Zinslast im Bundeshaushalt in den kommenden Jahren kräftig steigen werde, sollten Reformen bei den Staatsausgaben verschleppt werden. So könnten bis 2040 rund 13 Prozent des deutschen Haushalts in Zinszahlungen fließen. In diesem Jahr könnte diese Zinsquote knapp acht Prozent erreichen.

Anleger sollten die Renditen an den Anleihemärkten also im Auge behalten. Sollten sich die Märkte noch intensiver mit den hohen Staatsschulden beschäftigen, drohen weitere Verwerfungen.

Der deutsche Aktienmarkt kann diese Krisensignale heute erfolgreich verdrängen. Die Hoffnung auf neue Verhandlungen im Iran-Konflikt treibt den DAX bis zum frühen Nachmittag um gut ein Prozent an.

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Dr. Heinrich Krämer
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