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Chat mit einem Jesus-Avatar: Wie KI die Kirche herausfordert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 14, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Chat mit einem Jesus-AvatarWie KI die Kirche herausfordert

Papst Leo XIV. warnt immer wieder vor den negativen Folgen der KI. (Foto: picture alliance / ZB)

Ein Videotelefonat mit einem Jesus-Avatar? Chatten mit Martin Luther? Die KI macht auch vor der Religion nicht Halt. Fluch oder Segen? Der Papst hat seine Position schon deutlich gemacht.

Die Bibel ist in dieser Hinsicht eindeutig: Jesus ist nach seiner Auferstehung in den Himmel zurückgekehrt. Erinnert wird daran am Feiertag Christi Himmelfahrt. Doch nun, etwa 2000 Jahre später, kommt die KI ins Spiel. Und lässt Jesus wieder sprechen: kostenpflichtige Videotelefonate mit einem Jesus-Avatar, Chat-Antworten vom Sohn Gottes? Halleluja – oder „erlöse uns von dem Bösen“?

Der evangelische Theologe Florian Höhne, Leiter des Lehrstuhls für Medienkommunikation, Medienethik und Digitale Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, sagt: „Wie auch in anderen Bereichen kommt einem die KI hier zunächst spielerisch vor.“ Zugleich habe das Spiel auch immer eine ernste Dimension. „In diesem spielerischen Erkunden entstehen neue Religionsformen, Kommunikationsformen, die sich vielleicht in Zukunft auch durchsetzen. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.“

Jesu Worte seien im Neuen Testament kanonisiert. „Wenn ich nun, und sei es auch nur aus Spielerei, Jesus als Avatar anbiete, tritt eine Künstliche Intelligenz mit all ihrer Fehlerhaftigkeit in einer starken Autoritätsposition auf. Möglicherweise nehmen Menschen, die mit diesem Avatar kommunizieren, das dann für bare Münze, für wahre Jesus-Worte.“ Das sei heikel. Denn es werde der Technik eine große religiöse Autorität eingeräumt, „die eben nicht göttliche Autorität ist“, sagt Höhne.

„Das ist nicht die Stimme Jesu“

Beispiel: Wenn jemand diesen Avatar frage, wie gelebte Homosexualität zu beurteilen sei, dann müsse eine nur mit Jesusworten aus der Bibel trainierte KI eigentlich sagen: Dazu wisse sie nichts, dazu habe Jesus nie etwas gesagt. „Wenn hinter so einem Avatar aber ein Training mit eher fundamentalistisch-evangelikalen Traditionen steht, kann es auch leicht dazu kommen, dass dieser Jesus-Avatar dann eben antwortet, was heutige Prediger als Bibelauslegung antworten würden, weil er eben auch mit diesen Aussagen trainiert wurde. Und das ist hochgradig problematisch.“

Um Menschen genau dafür zu sensibilisieren, helfe eine „grundlegende Medienaufklärung darüber, welche Technik dahintersteckt“, betont der Wissenschaftler. Menschen müssten sehen: „Diese KI ist eine von Menschen gebaute und von Menschen trainierte Maschine und sie gibt nach der eigenen technischen Logik und nach ihrer Funktionsweise Antworten. Das ist nicht die Stimme Gottes, es ist nicht die Stimme Jesu und auch nicht die Stimme einer biblischen Figur oder einer historischen Figur. Es ist eine menschlich gebaute Maschine.“

Wie steht der Papst zur KI?

Auch im Vatikan dürfte ein solcher KI-generierter Jesus-Avatar wohl mit Skepsis betrachtet werden. Papst Leo XIV. warnte Priester zuletzt nachdrücklich davor, Predigten für den Gottesdienst mit KI zu schreiben. Bei einem Treffen mit Kirchenmännern des Bistums Rom hinter verschlossenen Türen, aus dem italienische Medien zitierten, sagte Leo, eine wahre Predigt bedeute, den Glauben zu teilen, und KI werde niemals in der Lage sein, den Glauben zu teilen.

Das Thema KI liegt Leo – seit einem Jahr im Papstamt – am Herzen. Im Vatikan gibt es sogar einen eigens für dieses Thema zuständigen Berater, den Franziskanermönch Paolo Benanti, der aber schon von Leos verstorbenem Vorgänger Franziskus einberufen wurde. Immer wieder widmet sich Leo in Ansprachen und öffentlichen Auftritten der KI – und ihren möglichen Risiken.

„Ihr seid ganz reale Menschen“

Während seiner jüngsten Afrika-Reise rief er Studierende dazu auf, KI kritisch zu begleiten. Diese Technologie habe immer größeren Einfluss auf geistige und soziale Entwicklungen der Menschen. Der Umgang mit KI erfordere nicht nur technische Kompetenzen, sondern auch einen humanistischen Blick darauf. Die persönliche Begegnung werde in digitalen Umgebungen immer überflüssiger. „Meine Lieben, ihr seid jedoch ganz reale Menschen!“, sagte Leo zu ihnen.

Bereits zu Beginn seines Pontifikats im Mai vergangenen Jahres setzte Leo das Thema KI auf die Agenda. Er plädiert für ein gesundes Bündnis zwischen Technologie und Menschheit, das Risiken und Gefahren von KI im Blick behält.

Was sagt die Theologie zur KI?

Der Würzburger Religionspädagoge Johannes Heger sieht in der KI viel mehr als eine nüchterne Technologie. „Sie stellt in verschiedenen Bereichen eine echte Disruption dar, eine Unterbrechung, eine Erschütterung von gesellschaftlichen Zusammenhängen. Und das ist auch für den Bereich Religion bedeutsam.“

Die Theologie könne auf formaler Ebene von den zahlreichen KI-Anwendungsmöglichkeiten profitieren, sagt Heger. „Spannender ist es aber meiner Überzeugung nach, im Sinne der Disruptionslogik substanzieller zu blicken und beispielsweise zu fragen: Was passiert eigentlich mit Religion in einer durch KI geprägten Kultur? Worauf können wir noch vertrauen in einer Welt, in der mediale Inhalte per Mausklick fernab von Wirklichkeit und Wahrheit generiert werden können?“

All diese Zusammenhänge würden „unser Selbstverständnis und Weltverständnis“ beeinflussen „und tangieren das Zusammenleben in der Gesellschaft. Und damit sind letztlich Fragen berührt, die zur DNA der Theologie dazugehören“.

Eine klare Linie der katholischen Kirche zum Thema KI ist wahrscheinlich bald zu erwarten: In dem ersten großen Lehrschreiben des Papstes soll es um KI gehen. Der Arbeitstitel der Enzyklika – so heißen diese richtungsweisenden Schreiben – lautet Medienberichten zufolge „Magnifica humanitas“ (Die großartige Menschheit). Sie soll eine Warnung vor möglichen negativen Folgen von KI beinhalten.

Quelle: ntv.de, Robert Messer und Kathrin Zeilmann, dpa

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