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Der Grund ist unfassbar grausam: Mysteriöses Elefantensterben in Kenia

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Der Grund ist unfassbar grausamMysteriöses Elefantensterben in Kenia

29.08.2026, 16:44 Uhr Von Simone Schlindwein, Uganda
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Es gibt einfachere und weniger grausame Methoden, Elefanten von den Feldern fernzuhalten. (Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Schmidbauer)

Im berühmten Amboseli-Naturschutzgebiet verenden binnen kurzer Zeit 18 Elefanten qualvoll. Undercover-Agenten finden heraus: Bauern haben die Trinkwasserstellen vergiftet.

Die Elefantenherden des Amboseli-Nationalparks in Kenia nahe der Grenze zu Tansania sind weltweit berühmt: Sie werden auf Hochglanzmagazinen abgebildet, mit dem gewaltigen, schneebedeckten Kilimandscharo im Hintergrund.

Doch jetzt sind sie in Gefahr: Im Juli fanden Wildhüter von Kenias Wildtierschutzbehörde (KWS) nach und nach 16 Elefantenkadaver in der Savanne, die Mehrzahl waren Elefantenkühe mit ihren Jungtieren. Sie alle hatten Lähmungserscheinungen, die auch die Lunge angriffen. Die Tiere verendeten qualvoll. Ein Video ging in ganz Afrika viral: Es zeigt, wie ein junger Elefant im Sterben liegt.

Erste Untersuchungen des Mageninhalts lassen darauf schließen, dass die Elefanten Tomaten und Wassermelonen zu sich genommen haben, bevor sie starben. Auch das giftige Zyanid wurde darin nachgewiesen. Rund um den 400 Quadratkilometer großen Amboseli-Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo bauen Bauern und Bäuerinnen Tomaten und Wassermelonen an – beides wasserintensive Pflanzen, die mit Pestiziden behandelt werden.

Die erste tote Elefantenkuh wurde im Juli inmitten der Tomatensträucher einer Farm in Kimana entdeckt. Der Ort liegt im Migrationskorridor, durch welchen die Elefanten vom Amboseli-Park in den Kilimandscharo-Nationalpark in Tansania wandern, je nachdem wo sie in Regen- und Trockenzeiten Futter und Wasser finden. KWS konfiszierte die Behälter, mit welchen die Farmer in Kimana ihre Pflanzen besprühen. „Die Pestizide in den Eimern enthielten kein Cyanid“, stellte ein Veterinär klar.

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Wie gefährlich es – auch für Menschen – ist, Cyanid in Umlauf zu bringen, hat sich wohl niemand klargemacht. (Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Schmidbauer)

Zyanid wird meist beim Goldabbau eingesetzt, die Verwendung in Pflanzenschutzmitteln ist eher unüblich und unterliegt in Kenia per Gesetz strengen Regeln. KWS erwähnt die Option, dass das Zyanid womöglich aus Tansania eingeführt worden sein könnte, da die Grenze nahe liegt und es dort Goldvorkommen gibt. Die Bauern in der Region geben gegenüber lokalen Medien an, dass sie kein Zyanid verwenden und auch ihre Schafe und Ziegen diese Tomaten fressen, daran aber nicht zugrunde gehen.

Bei den ersten 16 verstorbenen Elefanten handelte es sich um Mitglieder einer einzigen Großfamilie. 14 der toten Tiere waren Elefantenkühe und deren Kälber. In Elefantenfamilien ist stets die älteste Kuh die Anführerin, so der Sprecher der Wildtierschutzbehörde, Duncan Juma: „Sie findet Nahrung und zeigt den Kälbern, wo es Wasser gibt.“ Damit sei es logisch, dass die weiblichen Elefanten und die Kälber zuerst das Gift probierten. Zwei weitere Elefanten wurden Anfang August noch lebend gefunden, wurden von Veterinären behandelt – starben aber letztlich ebenso, ein Tier wird derzeit noch behandelt. Ob es überlebt, ist unklar.

Undercover-Operation

Gemeinsam mit Kriminalpolizei und Geheimdienst leitete KWS verdeckte Ermittlungen ein. Agenten heuerten, getarnt als Hilfsarbeiter, auf den Farmen im Umkreis des Nationalparks an. „Es ist nun klar, dass die Tiere von einem Wassertank tranken, der mit Zyanid verunreinigt worden war und strategisch dort aufgestellt wurde, dass die Elefanten nicht umhinkommen, davon zu trinken“, erklärte einer der Ermittler, der anonym bleiben will, gegenüber lokalen Medien. „Wir vermuten, dass das Zyanid von einem Nachbarland eingeschmuggelt worden ist“, so der Ermittler weiter.

Offenbar wurden die Herden also gezielt vergiftet, um sie von den Äckern der Bauern fernzuhalten. Wie überall in Afrika, kommt es mittlerweile zu zunehmenden Konflikten zwischen Wildtieren, vor allem Elefanten, und der lokalen Bevölkerung, die im Umkreis der Schutzgebiete lebt. Im Amboseli-Schutzgebiet leben rund 1600 Elefanten. Die Population hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Kenia enorm erholt. Laut der letzten Zählung von 2025 sind es rund 42.000 landesweit. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 waren es nur rund 16.000. Kenias Regierung ist in der Vergangenheit rigoros gegen Wilderei vorgegangen, deswegen erholen sich nun die Bestände. Mittlerweile ist die Zahl der Elefanten so stark gestiegen, dass vor allem in der Trockenzeit, wenn nur wenig Gras und Wasser vorhanden ist, ganze Herden aus den Nationalparks, die nur selten eingezäunt sind, ausbrechen und sich auf den Äckern der Bauern bedienen.

Laut einer Erklärung des Ministeriums für Wildtiere und Tourismus sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Vergangene Woche seien fünf Verdächtige festgenommen worden, darunter vier kenianische Bauern sowie ein Tansanier, der mutmaßlich das Gift ins Land geschmuggelt hatte, so Ministerin Rebecca Miano.

Bei der Durchsuchung der Farmen seien Beweismittel festgestellt worden: „Jede Person, die schuldig befunden wird, Wildtiere getötet, vergiftet oder beschädigt zu haben, wird nach gängigem Gesetz verurteilt“, stellte Miano klar und erklärte: „Der Amboseli-Vorfall betrifft nicht nur Elefanten, sondern den gesamten Wildtierschutz und die Sicherheit des Landes.“

Kenias Staatshaushalt generiert jährlich bis zu drei Milliarden Dollar vom Safari-Tourismus – rund sieben Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes. Die Amboseli-Elefanten gelten weltweit als Aushängeschild und sind so etwas wie ein Wahrzeichen des Landes. Kadaver mit dem Kilimandscharo im Hintergrund kann sich das Land nicht leisten.

Quelle: ntv.de

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