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Startseite»Nachrichten»DGB-Umfrage zur Reformdebatte: Jeder Vierte rechnet mit Arbeitsunfähigkeit vor Rentenbeginn
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DGB-Umfrage zur Reformdebatte: Jeder Vierte rechnet mit Arbeitsunfähigkeit vor Rentenbeginn

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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DGB-Umfrage zur ReformdebatteJeder Vierte rechnet mit Arbeitsunfähigkeit vor Rentenbeginn

Bei bestimmten Berufsgruppen wie Klempnern oder Bauarbeitern ist die Skepsis laut DGB besonders groß. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Während die Bundesregierung das Renteneintrittsalter nach oben schrauben will, zeichnet der Deutsche Gewerkschaftsbund ein düsteres Bild von der Selbsteinschätzung vieler Arbeitnehmer. Laut einer Umfrage glauben 40 Prozent nicht, bis zum gesetzlichen Renteneintritt durchhalten zu können.

Viele Arbeitnehmer in Deutschland zweifeln einer neuen Erhebung zufolge daran, dass sie ihren Job bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters ausüben können. Besonders pessimistisch sind Beschäftigte in körperlich und psychisch belastenden Berufen. Das geht aus einer neuen Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt.

„Es ist ein bitterer Befund: Vier von zehn Beschäftigten glauben nicht daran, unter den aktuellen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten zu können. Im Handwerk, der Pflege, im Baugewerbe oder in Erziehungsberufen ist es sogar mehr als die Hälfte. Betroffen sind also Berufe mit hohen körperlichen Belastungen ebenso wie psychisch anspruchsvolle Tätigkeiten. Diese Realitäten darf die Regierung bei ihren Rentenentscheidungen nicht länger ignorieren“, sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi den Funke-Zeitungen.

Für die Auswertung wurden knapp 28.000 Beschäftigte in den Jahren 2022 bis 2026 befragt. Demnach glauben lediglich 53 Prozent, ihre derzeitige Tätigkeit bis zum gesetzlichen Renteneintritt ohne Einschränkungen ausüben zu können. 40 Prozent rechnen dagegen nicht damit. Besonders groß sind laut Umfrage die Zweifel in bestimmten Berufsgruppen. So erwarten 72 Prozent der Beschäftigten im Bereich Sanitär, Heizung und Klempnerei, ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben zu können. In der Krankenpflege sind es 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent, in Hochbauberufen 66 Prozent und bei Erzieherinnen und Erziehern 57 Prozent.

Fahimi: Brauchen bessere Arbeitsbedingungen

Als entscheidende Ursachen nennt die Untersuchung die Arbeitsbedingungen. Beschäftigte mit hoher körperlicher Belastung, dauerhaftem Zeitdruck oder starker Lärmbelastung trauen sich deutlich seltener zu, bis zum Renteneintritt zu arbeiten. So rechnen 72 Prozent derjenigen mit sehr häufig schwerer körperlicher Arbeit damit, vorzeitig aus dem Beruf auszuscheiden. Bei starker Lärmbelastung sind es 61 Prozent, bei dauerhaftem Zeitdruck 59 Prozent. Auch lange Arbeitszeiten, geringe Handlungsspielräume und fehlende betriebliche Gesundheitsförderung verschlechtern die Einschätzung.

„Das Ziel muss sein, die Menschen gesund bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in Erwerbsarbeit zu halten. Statt die Messlatte beim Renteneintrittsalter immer höher zu legen, braucht es würdige Übergänge in die Rente und gesündere Arbeitsbedingungen. Es kann niemand wollen, dass sich ganze Generationen krank in die Rente schleppen und dann Abzüge einfach hinnehmen müssen“, sagte Fahimi weiter.

IW-Studie: Mehr Frührentner arbeiten weiter

Der DGB präsentiert seine Ergebnisse, während die schwarz-rote Koalition an einer Reform der gesetzlichen Rente arbeitet. Erst in dieser Woche hatte die Rentenkommission empfohlen, das Renteneintrittsalter langfristig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD bekannte sich anschließend dazu, die Empfehlungen der Kommission umsetzen zu wollen. Aus Sicht des DGB zeigt die neue Auswertung jedoch, dass für viele Beschäftigte zunächst die Arbeitsbedingungen verbessert werden müssten, bevor über ein längeres Arbeiten gesprochen werde.

Eine gerade veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet allerdings ein positiveres Bild von der tatsächlichen Fitness insbesondere langjährig Versicherter. „Seit dem vollständigen Wegfall der Hinzuverdienstgrenze 2023 nimmt die Zahl der vorzeitig Verrenteten mit einem großen Hinzuverdienst zu“, zitierte die „Rheinischen Post aus der IW-Studie. „Bei den besonders langjährig Versicherten stieg der Anteil mit großem Hinzuverdienst, der über einen Minijob hinausgeht, von zehn Prozent (2019) mit dem Wegfall der Grenze 2023 auf 25 Prozent“, bilanzierte die Studie. Das heißt: Jeder vierte dieser Frührentner, die auf 45 Versicherungsjahre kommen, arbeitet laut Studie weiter und das für mehr als einen Minijob.

Quelle: ntv.de, mau

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