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„Die Hallen werden zu klein“: Box-Champion Kabayel will ins Stadion

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 4, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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04.09.2026 | 19:51 Uhr

Weltmeister im Schwergewicht ist Agit Kabayel offiziell schon seit Ende Juni. Weil Oleksandr Usyk, König aller Box-Klassen, seine Titel niederlegte, erklärte der Verband WBC Kabayel zum Champion. Am Samstag folgt die Kür: In seiner Heimat Bochum trägt sich der 33-Jährige ins Goldene Buch der Stadt ein und erhält auf dem Balkon des Rathauses den grün-goldenen WM-Gürtel, den einst Faustkampf-Legenden wie Muhammad Ali, Mike Tyson oder Vitali Klitschko trugen.

Gegen Ende des Jahres will Kabayel den Titel erstmals verteidigen. Im Interview mit RTL/ntv spricht er über die schwierige Suche nach einem Gegner, seinen größten sportlichen Traum und die Rolle als Vorbild. Außerdem erklärt der Weltmeister, woran es beim VfL Bochum noch hapert – und warum Trainer Uwe Rösler trotz Glatze zum Friseur muss.

ntv.de: Herr Kabayel, am Samstag bekommen Sie in Ihrer Heimatstadt endlich den WBC-Weltmeister-Gürtel überreicht. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Agit Kabayel: Es wurde vom WBC ja schon verkündet (Ende Juni, Anm.d.Red.) und am Samstag eben gekrönt. Das bedeutet mir alles. Ich habe mein ganzes Leben, meine ganze Jugend alles dafür getan, dass ich Weltmeister im Schwergewicht werde. Nun bekomme ich den Titel. Besser geht es doch nicht.

Sie merken, dass das Interesse an Ihnen größer wird, Sie sind ein gefragter Mann. Haben Sie das Gefühl, dass dieser Titel für Deutschland einen besonderen Wert hat?

Definitiv. Und ich repräsentiere ja zwei Nationen. Ich bin kurdischer Herkunft, weswegen wir im Team auch irgendwann den Slogan entworfen haben: German Discipline, Kurdish Power. Es ist für mich eine große Freude, den Titel für Deutschland geholt zu haben, nach 94 Jahren haben wir den ersten deutschen Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling. Das ist unbeschreiblich. Ich bin hier groß geworden, strebe mein ganzes Leben schon nach Anerkennung. Endlich bekomme ich sie auch.

Das Interesse zeigte sich am Samstagabend in London. In der O2 Arena saß Kabayel in der ersten Reihe, als der Kroate Filip Hrgovic im Duell um die IBF-Krone das hochgehandelte britische Boxjuwel Moses Itauma in einem atemberaubenden Kampf sensationell besiegte. Noch im Ring zeigte Hrgovic auf Konkurrenz-Champion Kabayel und forderte eine Titelvereinigung. Zuvor hatte sich schon Vorkämpfer Nelson Hysa aus Albanien in Szene gesetzt: Lautstark raunzte der 41-Jährige den Mann aus dem Pott an, um diesem ein Versprechen für eine WM-Chance abzuringen …

Eines hat sich aber geändert: Jetzt haben Sie etwas, was die anderen wollen …

Für mich ist das umso schöner. Jetzt muss ich den anderen nicht mehr hinterherlaufen – jetzt kommen die zu mir (lacht). Ich werde oft herausgefordert, kann aber damit umgehen. Ich bin Sportsmann, das bringt mich nicht aus der Fassung. Mit dem Alter kommt die Reife, ich gehe das nicht emotional an. Am Ende muss man die Leistung im Ring bringen. Der ganze Trash Talk und das Rumgerede bringen nichts. Im Ring ist man zu zweit. Da kann keiner mitsprechen, da geht es nur darum, wer der Bessere ist.

Oleksandr Usyk wollte nicht gegen Sie boxen. Haben Sie denn nun in London womöglich Ihren nächsten Gegner gesehen?

(lacht) Ich wurde ja gleich von zweien herausgefordert. Wir sind mit beiden im Gespräch. Wir haben mit Filip Hrgovic und seinem Management über eine Titelvereinigung gesprochen. Er hat einen harten Fight hinter sich. Er braucht sicher eine Auszeit mit der Familie, hat eine lange Vorbereitung gehabt. Er wird dieses Jahr nicht kämpfen wollen. Es sind dann nicht so viele Optionen da für mich. Ich suche immer die beste sportliche Herausforderung, aber wenn man die Rangliste mal abklappert: Anthony Joshua und Tyson Fury (sollen im November gegeneinander boxen, Anm. d. Red.), jetzt Hrgovic und Itauma, Daniel Dubois und Fabio Wardley (bestreiten im Oktober einen Revanchekampf um die WBO-WM, d. Red.) – alle nicht verfügbar. Es wird immer schwieriger und schwieriger.

Was halten Sie vom neuen IBF-Weltmeister Hrgovic?

Ein großartiger Sportler. Viele hatten ihn vor dem Kampf gegen Itauma schon abgeschrieben. Ich auch, muss ich leider zugeben, ich habe ihm den Sieg nicht zugetraut. Aber so ist es manchmal im Schwergewichtsboxen. Umso schöner, solche Ereignisse zu erleben, dass man auch mal falschliegt. Ich habe es ihm von Herzen gegönnt und freue mich umso mehr, wenn wir irgendwann zusammen im Ring stehen werden.

Ein ganz großer Name ist Tyson Fury. Wäre ein Kampf gegen ihn realistisch, etwa, wenn der anvisierte Mega-Fight gegen Anthony Joshua doch irgendwie platzen sollte?

Definitiv. Dazu gibt es ja auch Gespräche. Aber ich will dieses Jahr unbedingt noch in den Ring, das habe ich mit meinem Promoter Frank Warren jetzt auch noch einmal final besprochen. Und von den großen Namen ist eben niemand verfügbar. Ich denke, nächstes Jahr werden für mich die ganz großen Kämpfe kommen. Fury und Joshua konzentrieren sich natürlich zunächst auf ihren großen Kampf, der ja schon lange im Raum steht. Für mich steht jetzt erst einmal eine Titelverteidigung an, danach kann man schauen, wer von den Großen kommt. Aber es gibt schon mit allen Gesprächen. Denn wie gesagt: Man wird vom Jäger zum Gejagten.

Der Gegner ist also noch nicht sicher – können Sie denn schon sagen, wo ihr nächster Kampf stattfindet? Die Hallen reichen ja bald nicht mehr.

Ganz genau, die Hallen werden zu klein. Wir haben das bei meinem letzten Kampf gemerkt (gegen Damian Knyba im Januar vor 13.000 Zuschauer in der Rudolf-Weber-Arena von Oberhausen, d. Red.): Wir haben mit meinen Kämpfen wieder einen Hype erzeugt, Deutschland hat wieder Bock auf den Boxsport, insgesamt wird der Kampfsport in Deutschland größer und größer. Eine Hallen-Arena ist schön, die hat man vielleicht in einer Woche ausverkauft, aber sehr viele können dann leider nicht dabei sein, die gerne dabei sein wollen. Deswegen denke ich, dass ein Stadion schon interessant wäre. Vielleicht muss man sich ein Arena-Konzept überlegen und nicht die volle Kapazität nutzen. Aber ich denke schon, dass man sich das Düsseldorfer Stadion zutrauen kann. Warum nicht?

Auf Ihren Schultern lastet einiges. Nicht nur das Sportliche, auch Ihre persönliche Biografie ist vorbildlich, da geht es auch um die Themen Migrationshintergrund und Integration. Im UFD Gym, in dem Sie in Düsseldorf trainieren, trainieren auch ganz viele junge Leute – sehen Sie für sich da auch eine Vorbildfunktion?

Ja, definitiv. Ich denke schon, dass Jüngere zu mir aufschauen und sehen, was möglich ist – wenn man sich an die Regeln hält, wenn man sportlich oder anders glänzt, wenn man an einen Traum glaubt, daran festhält und alles dafür tut, ihn zu verwirklichen. Ich denke schon, dass ich da für viele eine Rieseninspiration bin. Ist doch schön so. Ich hatte in meinem Leben viele Höhen und Tiefen. Umso schöner ist es, wenn die Leute sagen: Da ist der Agit Kabayel, aktuell Weltmeister im Schwergewicht, den nehmen wir uns als Vorbild, so groß wollen wir auch sein.

Sie stehen am Anfang als Weltmeister. Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Wir Menschen leben alle von Träumen. Mein nächster großer Traum ist es, Undisputed Champion zu werden und die Titel aller vier großen Boxverbände (WBA, WBC, WBO und IBF, d.Red.) zu vereinen. Das ist das Ziel. Wie gesagt: Jetzt gilt es, den WBC-Titel erst einmal zu verteidigen. Ab nächstem Jahr sage ich: Let’s go, auf zur nächsten Titeljagd.

Fußball ist auch ein Sport, der Sie sehr interessiert. Beim VfL Bochum waren Sie schon im Stadion, die Fans haben Ihnen auf einem Banner gratuliert.

Das Ruhrstadion kenne ich in- und auswendig. Da war ich in meiner Jugend schon sehr oft, auch in letzter Zeit habe ich viele Spiele von den Jungs verfolgt. Leider war es letzte Saison nicht ihr Jahr. Ich hoffe, dass die Jungs diese Saison den Aufstieg in Angriff nehmen.

Trainer Uwe Rösler gilt als Emotionsbündel. Haben Sie ihn schon kennengelernt?

(schmunzelt) Wir sind beim selben Friseur. Liebe Grüße an der Stelle. Wir haben auch schon viel gequatscht. Er ist auch sehr boxinteressiert. Das ist doch schön.

Aber was macht denn Uwe Rösler bitte beim Friseur?

Muss doch alles gepflegt werden, auch der Bart.

Aber oben ist doch nicht mehr viel …

… ist doch nicht schlimm. Muss ja trotzdem alles frisch und einmal auf Null sein (lacht).

Was ist Rösler für ein Typ?

Ein cooler Typ, wirklich ein sehr angenehmer Mensch. Und alte Schule. Er schenkt einem enorm viel Anerkennung. Meinen Erfolg respektiert er sehr. Er hat mir gesagt: Du bist Weltmeister im Schwergewicht, das muss dir erstmal einer nachmachen, sonst hätten wir nicht 94 Jahre auf einen warten müssen. Das erkennt er an.

Am Samstag spielt der VfL bei Dynamo Dresden (ab 20.15 Uhr bei NITRO/Sky und auf RTL+). Der Bochumer Saisonstart war nicht so toll – wie stehen die Chancen?

Ich glaube, das Team spielt sich gerade ein. Mit der richtigen Einstellung können sie Großes schaffen und um den Aufstieg spielen. Aber die Mannschaft muss sich erstmal finden. Das dauert. In der letzten Saison gab es Höhen und Tiefen. Wenn es einmal nicht läuft, läuft es nicht. Jetzt müssen sich die Jungs einmal aufrappeln.

Mit Agit Kabayel sprach Jens Tampier.

Verwendete Quelle: ntv.de

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