„DRINGEND! Die kleine Lena wird seit gestern vermisst, zuletzt gesehen in eurer Gegend. Bitte teilt das, jede Minute zählt!“ Dazu das Foto eines Kindes, ein Ortsname, der zu deiner Region passt, verzweifelte Eltern in den Kommentaren. Wer würde da nicht teilen? Es kostet nichts, und es könnte ein Kind retten.
Nur: Es gibt keine vermisste Lena. Das Foto stammt von einem fremden Kind, oft aus einem anderen Land, manchmal aus einem Jahre alten echten Fall, manchmal aus einem KI-Generator. Der Ortsname wird ausgetauscht, je nachdem, in welcher Gruppe der Beitrag gerade gepostet wird.
Wir haben diese Masche bei Mimikama viele Male dokumentiert (z. B. HIER, HIER und HIER), und sie ist deshalb so bitter, weil sie das Beste im Menschen ausnutzt: die Hilfsbereitschaft. Der Mechanismus dahinter ist ein Geschäftsmodell. Der Vermisst-Beitrag sammelt in kurzer Zeit tausende Shares, Likes und Kommentare, weil niemand das Risiko eingehen will, nicht geholfen zu haben. Ist die Reichweite da, wird der Beitrag umgeschrieben: Aus dem vermissten Kind wird über Nacht eine Wohnungsanzeige, ein Gewinnspiel, ein Investment-Angebot oder ein Link zu einer Betrugsseite, und all die gutgläubigen Shares hängen noch dran und verleihen dem neuen Inhalt die Glaubwürdigkeit tausender echter Menschen. Die Hilfsbereitschaft von gestern wird zur Werbefläche von heute.
Der Schaden trifft dabei auch die echten Fälle: Je mehr falsche Vermisstenmeldungen kursieren, desto stumpfer wird der Reflex, der bei einer echten Suche Leben retten kann. Wer dreimal auf einen Fake hereingefallen ist, scrollt beim vierten Mal weiter, und das vierte Mal könnte echt sein.
So erkennst du falsche Vermisstenmeldungen: Echte Suchmeldungen kommen von der Polizei oder von etablierten Medien, mit Datum, konkreten Angaben und einer offiziellen Kontaktnummer. Prüfe, ob die Polizei der genannten Region den Fall meldet, das dauert eine Minute. Misstraue Beiträgen, bei denen die Kommentarfunktion ausgeschaltet ist, das verhindert, dass jemand den Schwindel aufdeckt. Und schau auf das Profil des Erstellers: frisch angelegt, keine Historie, postet denselben Aufruf in dutzenden Gruppen mit wechselnden Ortsnamen? Dann melde den Beitrag, statt ihn zu teilen. Das Melden ist in diesem Fall die echte Hilfe.
Wir prüfen solche Aufrufe, damit Hilfsbereitschaft dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Ein Euro unterstützt das: mimikama.org/1eurodemokratie

Eine Lüge braucht Sekunden. Die Wahrheit braucht dich.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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