US-Vertreter sehen Zeichen auf eine nahende Einigung mit Iran – auch wenn ein iranischer Vorschlag für die Straße von Hormus Skepsis auslöst. Gleichzeitig starten neue Gespräche zwischen Israel und dem Libanon.
Nach der jüngsten Drohung von US-Präsident Donald Trump gegen Iran gehen Bemühungen um ein diplomatisches Beilegen des Konflikts weiter. „Alle in der Region arbeiten gemeinsam, um eine Eskalation zu vermeiden“, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, in der Hauptstadt Doha.
Er sprach von laufenden diplomatischen Bemühungen, die „bereits weit fortgeschritten“ seien. US-Außenminister Marco Rubio bestätigte, dass bei den laufenden Gesprächen zwar noch keine endgültige Einigung erzielt, wohl aber Fortschritte erreicht worden seien.
USA sehen Einigung „heute oder morgen“
US-Finanzminister Scott Bessent stellte eine zeitnahe Wiedereröffnung der Straße von Hormus in Aussicht. „Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen“, sagte er in einem Interview des US-Senders CNBC. Angesprochen auf eine mögliche Gebührenerhebung entgegnete Bessent, er gehe von einer freien Durchfahrt aus.
Auch der katarische Außenamtssprecher al-Ansari sagte, eine Einigung zur Meerenge sei bisher nicht erreicht – dies könne sich jedoch „in den nächsten Tagen oder Stunden ändern“. Angaben aus Iran zufolge gibt es derzeit nur Gespräche über Vermittler, aber keine direkten Kontakte zwischen Teheran und Washington.
Iran schlägt Rundkurs für Meerenge vor
Noch am Montag hatte US-Präsident Trump Teheran erneut gedroht, um eine Verhandlungslösung zu erreichen. Im Weißen Haus sagte er: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben“. Zuerst solle es um eine Öffnung der Straße von Hormus gehen, dann um eine Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm.
Iran hatte eine Art Rundkurs für die für den internationalen Handel wichtige Meerenge ins Spiel gebracht: Gemeinsam mit dem Anrainerstaat Oman könnten Frachter auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren. Nachdem die Schiffe Häfen in Iran oder in arabischen Golfstaaten angelaufen haben, könnten sie für die Rückfahrt eine südliche Route durch omanische Hoheitsgewässer nutzen.
Laut New York Times gibt es im US-Verteidigungsministerium jedoch Vorbehalte gegen die Lösung. Es gebe derzeit immer noch so viele iranische Seeminen in den omanischen Gewässern, dass Passagen dort Koordination mit Iran erforderten. Die Lösung würde Teheran außerdem erlauben, zu kontrollieren, welche Schiffe in den Persischen Golf einfahren und Gebühren für die Einfahrt zu kassieren.
Schifffahrt in Nahost weiter unter Druck
Trotz ausbleibender direkter Angriffe zwischen den USA und Iran geriet auch in der Nacht auf Dienstag wieder ein Frachter in der Straße von Hormus unter Beschuss. Wie die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte, ereignete sich der Vorfall rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Chasab.
Die Behörde machte zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten auf dem Frachter. Die anhaltenden Spannungen in der Region setzen den Schiffsverkehr im Nahen Osten weiterhin unter Druck: Die Straße von Hormus passierten am Montag lediglich neun Schiffe, wie aus Informationen des Datenanbieters Kpler hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.
Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon
Der Iran-Krieg führte Anfang März auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Dort wurden nach libanesischen Behördenangaben mehr als 4.000 Menschen getötet. Seit April führen die libanesische und israelische Regierung nun erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Die gehen heute in Rom in eine neue Runde.
Ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah soll dabei nach Angaben aus libanesischen Regierungskreisen ein zentrales Thema sein. Außerdem geht es um die weitere Umsetzung des Sicherheitsabkommens zwischen Israel und dem Libanon. Es sieht sowohl den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt.
