Distanzierung vom BSWSchreiber will eigenen Bundespräsidenten-Vorschlag machen
Das sächsische BSW schickt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Schreiber in die Bundesversammlung. Eigentlich mag der das BSW aber gar nicht. Und die Wahl will er noch mit einem eigenen Personal-Vorschlag mitgestalten.
Der Journalist und frühere „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber will als Vertreter Sachsens in der Bundesversammlung einen eigenen Vorschlag für das Amt des Bundespräsidenten machen. „Ich möchte nicht einfach nur zwischen den Kandidaten wählen, die uns die Parteien dann irgendwie präsentieren“, kündigte Schreiber bei X an an. „Ich möchte nämlich selbst nach einer Persönlichkeit suchen, die dieses Amt vielleicht wirklich auch verdient.“ Von diesem Recht eines Wahlmannes wolle er Gebrauch machen, sagte Schreiber.
Der 47-Jährige war von der BSW-Fraktion im sächsischen Landtag für die Bundesversammlung nominiert worden. Sie wählt am 30. Januar eine neue Person für das höchste Staatsamt. Aus der Union verlautet derweil, dass CDU-Chef Friedrich Merz die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner den CDU-Führungsgremien vorschlagen will, die am Sonntag und Montag in Berlin tagen.
Schreiber sagte, das Amt sei nicht „der politische Vorruhestand mit Schloss Bellevue, er ist nicht die letzte Beförderung für jemanden, dessen Karriere ansonsten wahrscheinlich zu Ende wäre“.
Der Journalist distanzierte sich zugleich vom BSW, das ihn in die Bundesversammlung entsendet. „Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass zwischen meinen politischen Überzeugungen und denen des BSW erhebliche Unterschiede bestehen beziehungsweise es überhaupt keine Überschneidungen gibt.“ Als Beispiele nannte er die Positionen zu Israel, zur Russland und zur Wirtschaftspolitik. Trotzdem sage er ja zu seiner Nominierung, ergänzte Schreiber. Eine Demokratie lebe davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Meinungen bereit seien, miteinander zu sprechen.
In den Kommentaren bei X kritisierte Politikwissenschaftler und BSW-Grundwertekommissionsmitglied Johannes Varwick die Aktion. „Sie wissen nicht mal den richtigen Namen des BSW, distanzieren sich von allen Inhalten, für die viele fighten, de-politisieren und verballhornen die ganze Angelegenheit. Politik ist kein Schaulaufen“, postete er. Schreiber nannte das BSW noch „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Die Partei hat sich mit Wirkung zum 1. Oktober jedoch in „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ umbenannt.
Schreiber war von 2021 bis 2025 einer der Sprecher der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“. Im September 2025 hatte er dann seinen Job als „Global Reporter“ für Axel Springer begonnen. Bis Ende des Jahres will er das Unternehmen wieder verlassen. Zuletzt hatte er erklärt, ins arabische Fernsehen zurückkehren zu wollen. Zweimal im Monat werde er „Islam Talk“ moderieren, eine Sendung auf dem ägyptischen Sender Azhari TV. Bereits in der Vergangenheit hatte Schreiber für arabischsprachige Fernsehformate gearbeitet. Er hat zudem mehrere Bücher über den Islam geschrieben.
Die Bundesversammlung kommt am 30. Januar 2027 in Berlin zusammen, um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu bestimmen.
