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Donnie ghostet Johnny: Trump drückt sich vor WM

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 18, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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18.06.2026 | 20:43 Uhr

Wo ist Donald Trump? Während die Mega-Fußball-WM im eigenen Land stattfindet, versucht er die Krisen, die er teilweise selbst mit ausgelöst hat, zu moderieren. Eines wird er sich bestimmt nicht nehmen lassen.

Als die USA ihre historische 4:1-Fußballgala in Los Angeles gegen Paraguay ablieferten, saß nicht Präsident Donald Trump, sondern sein Außenminister Marco Rubio neben FIFA-Generalsekretär Gianni Infantino, den Trump einfach „Johnny“ nennt. Ebenfalls bei dem Spiel gegen die südamerikanische Mannschaft war Heimatschutzminister Markwayne Mullin – welches Signal auch immer das aussenden sollte. Mullin dirigiert die Abschiebebehörde ICE und die Grenzschützer der CBP. Die Anhänger von mehr als der Hälfte der teilnehmenden Länder brauchen Einreisevisa.

Trump ist bislang nicht bei der WM aufgetaucht, der einzige sportliche Mucks, den er von sich gab, war ein Anruf beim US-Team. „I think you’ve got a really good chance of going all the way“, säuselte er in den zwei Minuten durchs Telefon. Trump stellt sich also den Titel im eigenen Land vor. Das wäre fantastische Werbung auch für ihn, womöglich hat ihm auch jemand vom politischen Effekt erzählt: Gewinnt eine Mannschaft ein Turnier, könnte bei folgenden Wahlen die Regierungspartei messbar profitieren.

Dumm nur für die Republikaner, dass die Wirkung in der Vergangenheit schnell wieder nachließ und die Kongresswahlen erst im November stattfinden. Trump und seiner Partei käme einen Popularitätsschub wie gerufen. Die Umfragewerte sind desaströs, trotz aller bisherigen Wahltricks könnten beide Parlamentskammern an die Demokraten fallen. Auch deshalb konzentriert sich Trump wohl derzeit darauf, die Vielzahl von Krisen, die er selbst mit angezettelt hatte, einigermaßen zu moderieren.

Ausgebuht in der Heimat

Allen voran war das der Iran-Krieg, der sich viel länger gezogen hat als ursprünglich vom US-Militär angedacht. Trump versuchte, sich der Welt gegenüber gönnerhaft zu zeigen und beendete den Krieg mit einem Rahmenabkommen, das keines der Probleme löst, derentwegen die Vereinigten Staaten ihn begonnen hatten: Die Islamische Republik wird immer noch von den Mullahs regiert, die über Raketen und angereichertes Uran verfügen. Die Details der Friedensvereinbarung sollen noch verhandelt werden.

Trump meinte, er sei vor einer möglichen Weltwirtschaftskrise gewarnt worden, sollte der Konflikt andauern. Das ist allerdings viel zu kurz begründet. Zu den Ölpreisschocks und der Börsenachterbahn, die er durch seine permanente Hü-und-Hott-Politik anschiebt, kommen seine Aversion gegen multilaterale Anstrengungen, die historische Reichtumskonzentration, eine mögliche KI-Spekulationsblase, der sich rasant verändernde Arbeitsmarkt sowie die Klimakrise.

Zurück zum Sportlichen. Trump hatte vor dem US-Auftakt lieber eine Partie der Finalserie seines Heimat-Teams der New York Knicks besucht. In der Hochburg der Demokraten wurde er ausgebuht, die Knicks verloren ihr einziges Spiel der Serie – sie gewannen danach den Titel mit 4 zu 1 Siegen.

Die Spekulationen und Scherze schossen danach ins Kraut: Traute sich der Präsident womöglich nicht nach Los Angeles, die ebenfalls von Demokraten dominierte Stadt, um einer weiteren Demütigung durch das Publikum zu entgehen? Auch in Seattle sieht es nicht viel anders aus, wo die USA am 19. Juni ihre zweite Gruppenpartie bestreiten.

Zum 80. Geburtstag bekommt Trump Frieden und Käfigkämpfe

Krisen statt Fußball

Früher behaupteten manche Konservativen, „Soccer“ sei einfach unamerikanisch. Was ist schließlich „sozialistischer“ als die schiedlich-friedliche Punkteteilung nach einem 0:0, statt eine Partie bis zu Sieg und Niederlage weiterzuführen? Wenn Trump über Fußball spricht, geht es immer ums Geld: Höchste Einnahmen aller Zeiten bei der WM, ein Bombengeschäft, so etwas gab es noch nie.

Die Käfigkämpfe an den beiden Tagen nach dem US-Auftakt waren mehr nach Trumps Geschmack. Muskelbepackter Patriotismus für den Präsidenten und seine Wählerbasis. Dort konnte er auch erwarten, so behandelt zu werden, wie er es mag: Alle Augen waren zu seinem 80. Geburtstag auf ihn gerichtet. Die Gladiatoren machten sich im Weißen Haus warm und kämpften danach für den Staatschef. Dies war jedoch nur ein Intermezzo, danach musste er wieder politische Krisen moderieren.

Am Montag flog Trump zum G7-Gipfel nach Frankreich, wo er ganze drei Tage verbrachte – es ging um den Iran, um den Ukraine-Krieg, den der Republikaner trotz seiner offenen Ohren für Wladimir Putins Positionen und gegenteiliger Versprechen weiterhin nicht hat beenden können, sowie um die Zukunft von KI.

Großes Finale für Trump

Trump ist mit dem Silicon Valley verbündet, er hat ein großes Interesse daran, dass die von US-Konzernen dominierte neue Wirtschaftswelt nach ihren Vorstellungen funktioniert. Und dann lud ihn Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auch noch nach Versailles ein, in den goldenen Palast des Sonnenkönigs Louis XIV. Auch das: für Trump wichtiger als die WM.

Der Sonderbeauftragte des Weißen Hauses für das Turnier, Andrew Giuliani – Sohn seines früheren persönlichen Anwalts Rudy Giuliani -, kündigte an, der Präsident werde trotz seiner Abwesenheit beim ersten US-Spiel „voll dabei“ sein bei der WM. „Erwarten Sie das Unerwartete“, kündigte er an.

Erwartet wird allerdings, dass sich Trump eines nicht nehmen lassen wird: Nach dem Finale in East Rutherford den goldenen Siegerpokal zu überreichen. Im vergangenen Jahr bei der Klub-WM wollte er die Trophäe gar nicht mehr loslassen, genoss den Konfettiregen mit den Spielern des FC Chelsea. Trump liebt es eben, ein Gewinner zu sein.

Verwendete Quelle: ntv.de

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