Was sagen die Länder direkt neben Russland?
Kurz vorweg: Die NATO ist ein Bündnis zur Verteidigung. Wird ein Mitglied angegriffen, helfen ihm die anderen. Deutschland ist Mitglied, Österreich und die Schweiz sind es nicht.
Am meisten Grund zur Sorge hätten die Länder, die direkt an Russland grenzen. Genau diese Länder sehen derzeit aber keinen großen Angriff kommen. Estlands Außenminister sagte diese Woche bei der UNO in New York: Russland sei derzeit weder fähig noch dabei, einen Krieg gegen die NATO vorzubereiten. Die russische Armee sei in der Ukraine gebunden. Schon Ende August hatten Finnland, Rumänien und die baltischen Staaten erklärt, sie hätten keine Hinweise auf einen geplanten Angriff.
Woher kommt dann die Angst?
Ende August reiste der Chef des US-Geheimdienstes CIA überraschend nach Moskau. Danach tauchten viele Vermutungen auf. Wissen die Amerikaner von einem baldigen Angriff? Beweise dafür gab es keine. Die Vermutungen verbreiteten sich trotzdem.
Dazu kommen Warnungen, die leicht falsch verstanden werden. NATO-Chef Mark Rutte sagte im Juni 2025, Russland könnte in fünf Jahren bereit sein, die NATO anzugreifen. Das niederländische Verteidigungsministerium hält im schlimmsten Fall einen begrenzten Krieg für möglich – ein Jahr nach dem Ende des Kriegs in der Ukraine. „Könnte in ein paar Jahren“ ist aber etwas ganz anderes als „kommt bald“. Wer nur eine Überschrift liest, verwechselt das leicht.
Also alles harmlos?
Nein. Die Regierungen warnen vor etwas anderem: vor sogenannten hybriden Angriffen. Das ist kein Krieg mit Panzern und Soldaten. Gemeint sind viele kleinere Aktionen, bei denen schwer zu beweisen ist, wer dahintersteckt. Ein Brand in einer Lagerhalle, ein Hackerangriff auf eine Behörde, eine Drohne über der Grenze.
Solche Vorfälle nehmen laut mehreren europäischen Regierungen zu. Polens Außenminister sagt, das seien keine Drohungen mehr, sondern echte Angriffe. Litauens Außenminister warnt, Russland könnte auch wichtige Versorgungseinrichtungen in NATO-Ländern angreifen. Der Kreml bestreitet, in NATO-Ländern Sabotage zu betreiben.
Zwei Arten von Bedrohung
Was europäische Regierungen im September 2026 sagen
Kleine, versteckte Angriffe
Passieren laut den Regierungen schon – und werden mehr
Brände und Explosionen (laut Polen)
Seit Kriegsbeginn 29 russische Drohnen im rumänischen Luftraum, in rund 50 Fällen Drohnen oder Drohnenteile auf rumänischem Boden gefunden (laut rumänischem Verteidigungsministerium, Stand Ende Juni 2026)
Ein russischer Militärhubschrauber kurz über Polen (laut polnischem Militär, 23. September)
Hackerangriffe
Großer Angriff auf die NATO
Derzeit keine Anzeichen
Russlands Armee ist in der Ukraine gebunden (laut Estland)
Keine Hinweise auf Vorbereitungen (laut Finnland, Rumänien, baltischen Staaten)
Warnungen der NATO und der Niederlande betreffen die kommenden Jahre, nicht die nächsten Wochen
Warum die Angst selbst eine Rolle spielt
Warum sollte jemand Drohnen über eine Grenze schicken, ohne dort etwas zu zerstören? Estlands Außenminister hat eine Erklärung: Es gehe vor allem darum, Angst zu machen und die westlichen Länder zu spalten. Die EU-Außenbeauftragte sieht es ähnlich. Europa solle so eingeschüchtert werden, dass es der Ukraine weniger hilft.
Das ist die Sicht dieser Regierungen, kein Beweis. Der Gedanke dahinter ist aber leicht zu verstehen. Wer Angst hat, will vor allem, dass es aufhört. Dafür braucht es keinen echten Angriff. Es reicht das Gefühl, dass einer kommen könnte.
Was hat das mit meinem Handy zu tun?
Angst verbreitet sich heute vor allem übers Handy. Ein verwackeltes Drohnenvideo. Ein Posting mit „Es geht los!“. Eine Sprachnachricht von jemandem, der angeblich „wen beim Militär kennt“. Oft ist das Video alt oder stammt aus einem ganz anderen Land.
Wer so etwas weiterleitet, meint es meistens gut. Echte Warnungen kommen aber von Behörden und seriösen Nachrichten, nicht aus Kettennachrichten. Wer Angst ungeprüft weitergibt, hilft am Ende denen, die Angst verbreiten wollen.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor man eine Kriegswarnung teilt
- Wer sagt das?Eine Behörde oder ein bekanntes Medium – oder „einer, der wen kennt“?
- Ist das Video wirklich neu?Alte Drohnen- und Explosionsvideos tauchen oft Monate später wieder auf.
- Sagt es mir, was ich tun soll?Eine echte Warnung sagt, was zu tun ist. Panikmache sagt nur, dass es schlimm wird.
Mimikama, September 2026
