Die WHO zeigt sich zunehmend besorgt von dem Ebola-Ausbruch in Kongo. Inzwischen wurden fast 750 Verdachtsfälle registriert, doch die tatsächliche Zahl dürfte weit höher liegen. Die unsichere Lage vor Ort macht Helfern zusätzlich Probleme.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit in der Demokratischen Republik Kongo durch das Ebolavirus inzwischen als „sehr hoch“ ein. Die Krankheit breite sich rasch aus und stelle auf nationaler Ebene inzwischen ein erhebliches Risiko dar, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Seinen Angaben zufolge gibt es inzwischen fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle in dem Land. 82 Infektionen wurden durch Labore bestätigt, darunter sieben Todesfälle. Die WHO geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, weil der Ausbruch zunächst unbemerkt blieb und nicht alle Fälle gemeldet werden. Zudem gäbe es einen Rückstau bei der Untersuchung von Proben.
Patient in der Berliner Charité
Ein in DR Kongo tätiger US-Bürger, der sich mit dem Virus infiziert hat, wird derzeit in Deutschland behandelt. Der Patient in der Berliner Charité sei geschwächt, müsse jedoch nicht intensivmedizinisch versorgt werden, teilte die Klinik mit. Erste Tests bei seiner Ehefrau und den vier Kindern fielen negativ aus. Sie gelten jedoch als Hochrisikokontakte und befinden sich in Quarantäne
Misstrauen der Bevölkerung
Die steigende Zahl an Verdachtsfällen sei in einer Hinsicht aber auch ein gutes Zeichen, erklärten WHO-Experten bei einer Pressekonferenz in Genf. Denn es bedeute, dass sich mehr Menschen mit Symptomen meldeten und nicht einfach Zuhause blieben, wo sie womöglich andere Personen anstecken könnten.
Die Lage vor Ort gestaltet sich für Helfer allerdings herausfordernd. Der Einsatz werde durch die Abgeschiedenheit der Region, Misstrauen der Bevölkerung und schwache Infrastruktur erschwert, sagte eine WHO-Vertreterin. Erst am Mittwoch hatten wütende Menschen in Ostkongo Klinikzelte in Brand gesetzt, nachdem Ärzte die Herausgabe des Leichnams eines mutmaßlichen Ebola-Toten an die Familie verweigert hatten.
Lage in Uganda laut WHO stabil
Im Nachbarland Uganda schätzt die WHO die Situation unterdessen als stabil ein. Demnach wurde bislang bei zwei Menschen das Ebola-Virus nachgewiesen. Es gebe einen Todesfall, erklärte die WHO. Für eine regionale Ausbreitung werde das Risiko zwar weiter als hoch eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit einer globalen Ausbreitung sehe man aber weiter als gering an.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
