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Politik

EU-Experten empfehlen Zugangsbeschränkungen für Social Media

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.07.2026 • 17:13 Uhr

Kinder unter 13 Jahren sollen keinen Zugang zu sozialen Medien haben, schlagen Fachleute der EU vor. Für Kommissionspräsidentin von der Leyen wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Aber was folgt daraus?

Kathrin Schmid

Eine Erkenntnis müsse über allem stehen, so EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen: „Social Media ist kein Spielzeug“, sondern ein sehr gewinnträchtiges, aber auch gefährliches Produkt.

Autohersteller müssten ihre Fahrzeuge per se sicher machen, sagt von der Leyen. „Und wir erwarten nicht von Kindern, dass sie ihre eigenen sicheren Sicherheitsgurte entwerfen. Genauso wenig von Eltern, dass sie Airbags zu Hause einbauen. Und genau dieselbe Produktsicherheit muss auch für die großen Technologiekonzerne gelten.“

Experten empfehlen Zugangsbeschränkung

Denn auch laut der Expertengruppe, die der Kommissionschefin heute ein umfangreiches Buch übergeben hat, schaden die vier bis sechs Stunden, die Jugendliche in Europa im Schnitt täglich auf Social Media verbringen, der Gehirn- und Persönlichkeitsentwicklung.

„Auf der Basis der vorliegenden Evidenz empfehlen wir deshalb die EU-weite harmonisierte Einführung einer Zugangsbeschränkung zu ‚Social Media Plus‘ für Kinder unter 13 Jahren“, erklärt der Vorsitzende des Gremiums, der deutsche Forscher und Jugendpsychiater Jörg Fegert.

Abgestuftes Modell möglich

Das heißt, TikTok, Instagram und Co. sollten EU-weit für unter 13-Jährige – wenn überhaupt – nur im Beisein der Eltern oder anderen Aufsichtspersonen, die den Account verwalten, möglich sein. Danach empfehlen die Experten ein abgestuftes Modell. Nach dem Prinzip: Plattformen, die nachweisen, dass sie ausreichend für die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen getan haben, sind dann womöglich ab 13 erlaubt. Andere wiederum ab 15 oder 16 Jahren.

All das muss mit einer effektiven und sicheren Alterskontrolle einhergehen. Dabei verweisen die Experten auf die Erfahrungen in Australien, wo sich nach rund einem halben Jahr Social-Media-Mindestalter zeigt: Noch immer können viel zu viele Kinder diese Altersgrenze umgehen.

Nationale Regelungen könnten Plattformen motivieren

Die EU sei da besser vorbereitet, sagt von der Leyen: „Unsere App zur Altersverifizierung ist eines der Werkzeuge, um dies zu ermöglichen. Sie ist benutzerfreundlich, datenschutzkonform, und im Grunde gibt sie den Eltern ein Stück Kontrolle zurück.“

Denn es gehe nicht um die Frage, wann Kinder Zugang zu sozialen Medien bekämen – sondern darum, wann die Sozialen Medien Kinder erreichen dürften. Deshalb seien auch die nationalen Regelungen wichtig: In Frankreich etwa ist Social Media für Unter-15-Jährige ab September verboten.

Weitere EU-Staaten wie Griechenland, Dänemark, Spanien und Österreich planen ähnliches. „Länderspezifische Zugangsbeschränkungen, auch für Über-13-Jährige, könnten für die Plattformen sogar einen zusätzlichen Anreiz bieten, schneller Angebote zu entwickeln, die von Anfang an sicher sind“, sagt Experte Fegert.

„Veränderung wird Zeit brauchen“

Das wäre schließlich die allerbeste Lösung. Bis dahin steht aber auch fest: Es ist Sache der EU-Kommission, Altersgrenzen gegenüber den Tech-Plattformen durchzusetzen. Denn nur Brüssel kann ihnen neue Regeln auferlegen und im Zweifel Bußgelder verhängen.

Auch deshalb sei ein EU-einheitliches Social-Media-Verbot sehr sinnvoll, betont von der Leyen. Klar sei auch: „Diese Veränderung wird Zeit brauchen – so wie jeder kulturelle Wandel. Genauso wie es Zeit brauchte, Alkohol am Steuer zu verbieten, genauso wie es Zeit brauchte, Sicherheitsgurte in Autos einzuführen.“

Ein Social-Media-Mindestalter in Europa ist somit heute auch „nur“ eine weitere Etappe gegangen. Im September legt die Kommissionschefin ihren Gesetzentwurf dazu vor – der dann von EU-Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten beraten wird.

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Dr. Heinrich Krämer
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