Marktbericht
Europas Banken dürften nach den guten US-Vorgaben mit viel Rückenwind in die neue Berichtssaison gehen. Es werden weiter steigende Gewinne erwartet. Ein Unsicherheitsfaktor aber bleibt.
Mit den Quartalszahlen der italienischen Großbank UniCredit beginnt morgen auch in Europa die Berichtssaison der Banken. In kurzer Zeit folgen mit den beiden spanischen Instituten Banco Santander und BBVA, den französischen Instituten BNP Paribas und Société Générale, der Deutschen Bank, der britischen Barclays Bank oder der Schweizer UBS die Großen der europäischen Adressen.
Für Spannung ist gesorgt, nachdem die US-Banken in der Vorwoche bereits Appetit auf mehr gemacht haben. JP Morgan Chase, Goldman Sachs & Co. haben sich erneut gut geschlagen und damit die Reihe positiver Quartalsberichterstattungen fortgesetzt. Vor allem das Handels- und Investmentgeschäft boomte erneut – die hohen Schwankungen an den Märkten wegen des Iran-Krieges spülten den Banken mehr Provisionen in die Kassen.
Gewinnsteigerungen erwartet
Auch für Europas Banken erwarten Experten für das zweite Quartal weitere Gewinnsteigerungen. Im Schnitt erwarten die Analysten von Goldman Sachs für das zweite Quartal 2026 ein Wachstum beim Vorsteuergewinn von elf Prozent.
Haupttreiber sind eine anziehende Kreditnachfrage, steigende Margen im Zinsgeschäft, niedrigere Kosten sowie ein derzeit nur moderates Kreditausfallrisiko. Ein Marktumfeld, das nicht nur für das Quartal skizziert wird, sondern ein längerfristiges sein soll – und zwar trotz eines schwierigen ökonomischen Umfelds in einigen großen europäischen Volkswirtschaften.
Iran-Krieg hält die Zinsen hoch
Positiv sollten sich insbesondere die weiter hohen Zinsen bemerkbar machen, nicht zuletzt wegen des Iran-Krieges. Die Energiekrise sorgt dafür, dass die Notenbanken das Niveau hochhalten, um Inflationstendenzen möglichst frühzeitig zu begegnen. Dadurch bleibt die Zinskurve steil, was für höhere Margen sorgt. Im Gegenzug ist noch nicht klar, wie weit sich die globale Energiekrise auf die Bankbilanzen der Häuser auswirkt – was tendenziell aber auch für die US-Konkurrenz gilt.
Rückstand gegenüber den US-Banken
Erwartet wird auch, dass die europäischen Häuser vor allem im Handelsgeschäft weiter hinter den großen US-Konkurrenten zurückbleiben werden. Während die US-Banken Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent eingetütet haben, sind die Schätzungen für Europa deutlich geringer.
Lediglich der Schweizer UBS trauen die Analysten von Morgan Stanley wegen ihres starken Aktiengeschäftes ein Plus von rund 20 Prozent zu. Auch die Deutsche Bank spielt bei Fixed Income, also dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren sowie dem Devisenhandel, in der Weltspitze mit.
Traditionell haben aber die US-Banken im kapitalmarktgetriebenen Geschäft die Nase vorne – auch beim klassischen Investmentbanking, also dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A).
Europas Banken bei den Anlegern wieder beliebt
Seit mehr als zwei Jahren geht es mit dem EuroStoxx-Banken-Index wieder deutlich bergauf: Der Index steht so hoch wie seit dem Vorkrisenjahr 2007/2008 nicht mehr. Die Anleger honorieren damit die gute Geschäftsentwicklung der Banken. Mehr als das – diese wollen verloren gegangene Marktanteile wieder zurückgewinnen, gerade gegenüber der übermächtigen US-Konkurrenz.
Mit der geplanten Übernahme der Commerzbank will UniCredit-Chef Andrea Orcel genau dies erreichen: ein europäisches Gegengewicht zur Vormacht der US-Banken.
DAX leicht erholt
Die Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung im Iran-Krieg sorgt am Mittag für etwas mehr Optimismus an der Börse. Der DAX legt rund 0,3 Prozent zu und nimmt die Marke von 25.000 Punkten ins Visier. Gestern hatte sich der Index kaum bewegt und bei 24.846 Zählern geschlossen.
Außerdem gibt es Rückenwind von der heimischen Konjunktur. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen haben sich im Juli überraschend stärker verbessert als erwartet.
„Die befragten Finanzmarktanalysten sind trotz der neuerlichen Zuspitzung am Persischen Golf und gestiegener Ölpreise deutlich optimistischer“, schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank und ergänzte: „Und tatsächlich, die deutsche Wirtschaft zeigte zuletzt eine gewisse Resilienz.“
